Zwischen Himmel und Erde - Anthroposophie heute (2009)

Zwischen Himmel und Erde - Anthroposophie heute (2009)

Oder: Friede, Freude, Steiner-Schule

Zwischen Himmel und Erde - Anthroposophie heute

Die anthroposophische Innenwelt

Einige kennen die Steiner-Schule vielleicht vom Vorbeigehen. Wie sieht die kuriose Architektur aber von innen aus? Was für Menschen lehren und lernen dort? Was denken die ehemaligen Steiner-Schüler über ihre Erziehung und ihre Folgen? Wie haben sie sich nach dem Schulabschluss weiterentwickelt? Durch ineinander geflochtene Interviews mit sechs charismatischen Steiner-Schule-Abgängern und einem schulmeisterlichen Vorstandsmitglied des anthroposophischen Zentrums (Goetheanum in Dornach, Kanton Solothurn) soll eine Einführung in die Gedankenwelt der Anthroposophie veranschaulicht werden.

Zwischen Himmel und Erde - Anthroposophie heute

Vom Anthroposoph zum Kuhflüsterer

Wir haben: einen biodynamischen Bauern, der pädagogisch mit Behinderten arbeitet; eine Bus fahrende Politaktivistin, die sich für die direkte Demokratie in Deutschland einsetzt; einen missionierenden Journalisten, der Swingerclubs frequentiert; eine engagierte Primarschullehrerin, die gerne ihre Schüler zum Wandern treibt; einen Opernsänger, der mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seine Schulzeit zurückblickt; und schliesslich einen nach Ägypten ausgewanderten Eurythmie-Tänzer, der in einer ägyptischen Arbeitsgemeinschaft (Sekem) die kulturübergreifende Kompatibilität der Steiner-Philosophie auslebt.


Kinofilm-Rating

Der Schweizer Dokumentarfilmer Christian Labhart, dessen Kinder auch die Steiner-Schule besuchten, verschafft einen neuen Einblick in die Anthroposophie, indem er einen Schritt zum Dialog mit verschiedenen Abgängern dieser sektiererisch anmutenden "Schule" startet, wo sich alles um den österreichischen "Guru" Rudolf Steiner (1861-1925) zu drehen scheint.

Interessanterweise wirken alle Abgänger der Steiner-Schule gleichzeitig traumatisiert und nostalgisch gegenüber der schönen, von der harten Wirklichkeit abgeschirmten Schulzeit. Alle waren so nett, hilfsbereit und kreativ. Doch spätestens, wenn man die Schule verlässt, holt einem die Realität schnell wieder ein. Die typischen Berufszweige, von den "Steinerianern" oft gewählt, werden vorgestellt: Ein Sänger, ein eurhythmischer Tänzer, eine Waldorflehrerin, ein Journalist, ein biodynamischer Landwirt, eine Politaktivistin und ein Vorstandsmitglied der Schule. Doch alle sind auch immer Lebenskünstler und können uns eine praktisch ausgelebte, ganzheitliche Lebensweise vorstellen.

Leider fehlt es dem Film an entscheidenden Stellen an gründlicher Recherche. Gerne hätte man zum Beispiel die Meinung eines Sektenexperten wie Hugo Stamm gehört, wenn die Frage nach der Sektenhaftigkeit der Steiner-Bewegung aufgegriffen wird. Ist die anthroposophische Ausrichtung nicht immer noch zu dogmatisch und christlich-konservativ? Sollte sich die anthroposophische Behörde nicht öffentlich von der lächerlichen Rassenlehre Rudolf Steiners distanzieren? Diese und andere kontroverse Bereiche werden nur angestreift. Man kann hoffen, dass Christian Labhart oder andere Filmemacher diesen alternativen Lifestyle mal etwas kritischer unter die Lupe nehmen.

Fazit: Zwischen Himmel und Erde ist ein gelungener erster, jedoch etwas zaghafter, Schritt zur Öffnung der verschlossenen Anthroposophie-Welt für aussenstehende Interessenten. Der Film zeigt fünf Individualisten, die kreativ ihre Lebensmission fern der wohlbehüteten Steiner-Schule gefunden haben. Formell überzeugen sowohl der scharfsinnige Kameramann Otmar Schmid, als auch der elegant eurhythmische Schnitt von Caterina Mona.

4.3 Sterne
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01.02.2010 / dap