Zwerge sprengen (2009)

Zwerge sprengen (2009)

Oder: Familientradition mit hochexplosivem Zündstoff

Zwerge sprengen

Pyrotechnisch ist alles bereit.

Familie Schöni hat ein jährliches Ritual: Sie sprengt Gartenzwerge im Pfarrhausgarten und fasst einen Vorsatz pro gesprengtem Gnom. Dazu finden sich die Schönis jeden Herbst im Emmental ein - bis auf Johanna, welche seit Jahren in Indien lebt und nichts mehr mit ihren Verwandten zu tun haben will. Ihr widmet das Familienoberhaupt Pfarrer Werni (Urs Bihler) jeweils eine Gedenkminute. Der grosse Rest der Sippe ist hingegen anwesend: Pfarrersgattin Margrit (Silvia Jost), Florence (Viviana Aliberti), des Pfarrers einstige Geliebte und heutige Mutter von Teenager Luc (Jerome Berger), Tochter Babs (Mirjam Schöni) - ohne Mann aber mit vier Kindern - und die beiden Brüder Thomas (Max Gertsch), Arzt mit deutscher Frau (Cathrin Störmer) und einem Sohn (Simon Schmid) sowie der internationale Finanzhai Hannes (Michael Neuenschwander).

Zwerge sprengen

Dieser Zwerg hat Riesenspass.

Hannes kommt für das diesjährige Explosiv-Spektakel gerade aus London zurück und braucht innerhalb sechs Tage mehrere zehntausend Franken für eine geschäftliche Investition. Seine Lebensabschnittpartnerin hat ihn eben erst vor die Tür gesetzt, weshalb er seine Spontanbekanntschaft Agat (Doro Müggler) überredet, an den etwas seltsamen Familienschlauch mitzukommen. Agat kommt mit der heuchlerischen Scheinharmonie der Schönis aber genauso wenig klar wie Thomas‘ Frau mit Hannes‘ finanziellen Forderungen an ihren Gatten. Deshalb werden sich neben den Zündschnüren der explodierenden Gartenzwerge auch die Gemüter der Familie Schöni erhitzen.


Kinofilm-Rating

Eins gleich vorab: Zwerge sprengen macht Spass! Wieso? Ganz einfach, weil der Film einen Einblick in den Alltag einer Nullachtfünfzehn-Bünzli-Familie gewährt, mit alltäglichen Problemen und Sorgen. Und genau darin liegt die Stärke dieser Schweizer Produktion. Die Dialoge könnten aus der eigenen Familie oder dem Bekanntenkreis stammen, für einige (herzhafte) Lacher ist somit gesorgt.

Originell ist mitunter die Idee des rituellen Gartenzwerge-in-die-Luft-Jagens. Mitanzusehen, wie die Dinger in tausend Stücke fliegen, macht einerseits enorm Spass und inspiriert ein Stückweit zum Nachahmen, andererseits stellt es bildlich dar, dass in jeder der Figuren Explosionspotential steckt und die Fetzen jeden Moment so richtig fliegen könnten.

Die Figuren sind sympathisch und authentisch. Die Darsteller passen gut zu ihren jeweiligen Figuren. Besonders die beiden Hauptdarsteller Michael Neuenschwander und Max Gertsch (köstlich!) harmonieren als gegensätzliches Bruderpaar. Besser hätten die Rollen nicht besetzt werden können. Neuenschwander hat das schleimig-charmante Getue drauf, genauso wie Gertsch gekonnt den überforderten, zickigen aber dennoch liebenswerten Ehemann gibt.

Die Handlung lässt zwischendurch minim zu wünschen übrig. So ist beispielsweise nicht ganz klar, weshalb gewisse Nebenhandlungen in die Geschichte eingebaut wurden, da sie für den Plot keine bedeutende Rolle einnehmen. So hätte das (Achtung, Spoiler!) Alkoholproblem der Ex-Geliebten nicht erwähnt werden müssen, zumal nicht darauf eingegangen wird, was ihre effektiven Gründe für den Griff zur Flasche sind. Diese Nebenstränge führen dazu, dass der Film ab und zu einige Längen hat und überhaupt ruhig ein paar Minuten kürzer hätte sein dürfen.

Dennoch, Zwerge sprengen macht Spass und ist eine willkommene Abwechslung zum Mainstream-Hollywood-Kitsch. Vielleicht inspiriert der Film den einen oder anderen zu einer neuen Tradition oder gar einem neuen Hobby. Wie auch immer, ein amüsanter Film über eine wirre aber liebenswerte Emmentaler Familie. Ganz kurz gesagt: Reinschauen lohnt sich.

3.5 Sterne
3.5 Sterne (9 Bewertungen) | 2 Kommentare

4.54.5
18.03.2010 / rm (Inhalt), faz (Rating)