Women without Men - Zanan-e Bedun-e Mardan (2009)
Women without Men - Zanan-e Bedun-e Mardan (2009)
Oder: Männer sind Schweine...
Teheran, Sommer 1953: In einem von den Briten und den Amerikanern unterstützten Putsch wird der demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt, und der Schah kommt wieder an die Macht. Inmitten dieser politischen und sozialen Turbulenzen kämpfen vier Frauen mit ihren ganz persönlichen Schicksalen.
Fakhri (Anira Shahrzad) ist unglücklich verheiratet mit einem hohen Militärangehörigen. Nach der Begegnung mit einer verflossenen Jugendliebe beschliesst sie, ihren Mann zu verlassen. Zarin (Orsi Tóth) ist eine junge Prostituierte, deren Ekel vor Männern und sich selbst immer grösser wird, so dass sie nur die Flucht als Lösung sieht. Munis (Shabnam Tolouei) ist eine politisch aktive Frau, deren streng religiöser Bruder ihr Druck macht, endlich mit dem Unsinn aufzuhören und statt dessen zu heiraten. Faezeh (Pegah Ferydoni) schliesslich, Munis' Freundin, hält sich aus allen politischen Aktivitäten heraus und möchte statt dessen Munis' Bruder heiraten.
Alle vier treffen ausserhalb der Stadt auf einer Obstplantage aufeinander, die Fakhri gekauft hat, nachdem sie ihren Mann verlassen hat. In einem Umfeld ohne Männer versuchen sie, zu ihrer inneren zu Ruhe finden. Doch es scheint nur eine Frage der Zeit, bis diese Ruhe von den politischen Geschehnissen eingeholt wird.
Kinofilm-Rating
Shirin Neshat ist eine Art iranische Pipilotti Rist. Will heissen: eine international renommierte Künstlerin, die unter anderem mit ihren Videoinstallationen für Aufsehen und Respekt in der Kunstwelt gesorgt hat. Die eine wie die andere war gern gesehener Gast an der Kunst-Biennale von Venedig und hat dort schon diverse Auszeichnungen eingeheimst. Und die eine wie die andere wurde nun 2009 für ihr Langspielfilm-Debut folgerichtig auch an die Film-Biennale in Venedig eingeladen. Einziger Unterschied: Während es unsere Pipilotti mit Pepperminta nur in die Nebensektion Orizzonti schaffte, durfte Neshat mit Women without Men im internationalen Wettbewerb um den Goldenen Löwen buhlen.
Man sieht dem Werk denn auch an, dass dessen Macherin aus der Kunstecke kommt. Ästhetische Bilder in exquisiten Farbkompositionen gehören zu den grossen Pluspunkten des Filmes. Technisch auf sehr hohem Niveau, räumt Neshats Erstling auch mit gewissen möglicherweise noch herrschenden Vorurteilen auf, dass ein Film aus einem Land wie dem Iran zwangsläufig Wackelkamera und Scheppersound bedeute. Wobei an dieser Stelle allerdings gesagt werden muss, dass der Film in Deutschland produziert wurde und so auch als deutsche Produktion geführt wird. Wie auch immer, bezüglich Bildsprache dürfen sich viele amerikanische und europäische Produktionen eine dicke Scheibe von Women without Men abschneiden.
Allerdings mag Neshat zwar eine begnadete Künstlerin sein - eine ebensolche Geschichtenerzählerin ist sie leider nicht. Die Geschichte von vier Frauen, deren Leben von den politischen Wirren im Iran der Fünfzigerjahre beeinflusst wird, vermag keinen Moment zu interessieren, zu fremd, zu unwirklich wirken die Charaktere. Selbst die junge Prostituierte Zarin, verkörpert von Orsi Tóth, deren trauriges Schicksal eigentlich besonders ans Herz gehen sollte, lässt seltsam kalt. Und wer sich für die geschichtlichen Hintergründe interessiert, die ja eigentlich einiges hergeben würden, kriegt bloss ein paar dürre Häppchen vorgesetzt. Die ganze Geschichte ertrinkt in der kühlen Ästhetik der Inszenierung, der Mangel an Dialog tut sein Übriges. So scheitert Women without Men letztendlich auf technisch hohem Niveau.
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