White Material (2009)

White Material (2009)

Oder: Out of Africa? No way!

White Material

Autostopp hat wohl keinen Zweck

Die französische Familie Vial betreibt bereits in der zweiten Generation eine Kaffeeplantage in Afrika. Seit dem Tod ihres Vaters schmeisst Maria (Isabelle Huppert) den Laden, mit ihr wohnen ihr Exmann André (Christophe Lambert), der gemeinsame Sohn Manuel (Nicolas Duvauchelle) sowie Andrés Vater Henri (Michel Subor). Doch das Land ist in Aufruhr: Eine Truppe aus Rebellen und Kindersoldaten, angeführt von einem charismatischen Leader, den alle nur "den Boxer" (Isaach De Bankole) nennen, verbreitet Angst und Schrecken in der Bevölkerung.

White Material

Easy rider reloaded

Die Armee hat längst die Kontrolle verloren und versucht nun die Ordnung wiederherzustellen. Blutige Konflikte scheinen unvermeidlich. In diesem Umfeld raten Maria Vial alle Bekannten, schnellstmöglich aus dem Land zu verschwinden - zu gefährlich sei die Situation für sie als "White Material", wie sie wegen ihrer Hautfarbe genannt wird. Doch Maria denkt nicht daran, das Land zu verlassen. Stattdessen holt sie sich Hilfe bei Cherif (William Nadylam), Bürgermeister des Nachbarortes, der sie mit seinen Leuten beschützen soll. Doch die Lage spitzt sich zunehmend zu...


Kinofilm-Rating

Obwohl in wunderschönen weiten und einsamen Landschaften spielend, zeigt White Material ein Afrika jenseits der gängigen Safari-Romantik und stellt einen anderen, traurigen Aspekt des schwarzen Kontinentes in den Vordergrund: den Sumpf aus Bürgerkrieg, Gewalt und politischen Wirren, der das Leben in vielen Regionen zu einem täglichen Überlebenskampf macht. Gedreht wurde in Kamerun, doch wird dies im Film nicht näher spezifiziert - was kein Zufall sein dürfte, denn er könnte wohl in verschiedenen afrikanischen Ländern spielen.

Ein wenig erinnert White Material dabei an Blood Diamond - leider fehlt Claire Denis' Film im Gegensatz zum Caprio-Film vor drei Jahren aber die dramaturgische Dichte, eine packende Story, die die Handlung vorantreibt. Zu unfokussiert ist er, zu viele Themen schneidet er an, ohne sie zu vertiefen. Das Thema der Kindersoldaten beispielsweise. Die betreffenden Szenen sind zwar eindrücklich und gehen an die Nieren, doch sind sie eigentlich nur ein nebensächlicher Handlungsstrang, der dann nicht weiter verfolgt wird. Isabelle Huppert als weisse Exotin unter Schwarzen spielt gewohnt stark, doch irgendwie auch mit angezogener Handbremse.

White Material, der auf einem Skript der bekannten französischen Schriftstellerin Marie N'Diaye beruht, ist zweifellos ein ambitioniertes Projekt. Man merkt dem Film das Engagement an, einzelne Szenen vermögen zu packen und regen zum Nachdenken an. Doch als Ganzes geht er zu wenig in die Tiefe, als dass die Wirkung nachhaltig sein könnte. Ein wenig scheint es, als ob wiedermal ein Film an seiner eigenen Ambition scheitern würde. Trotzdem bleibt er sehenswert, alleine schon deswegen, weil aus dem grossen, unbekannten Kontinent im Süden generell viel zu wenig in unsere Breitengrade dringt.

3.0 Sterne
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08.09.2009 / ebe