When You're Strange (2009)
When You're Strange (2009)
Oder: Come on baby, light my fire!
When You're Strange handelt von der US-amerikanischen Rockband The Doors, ihrem kometenhaften Aufstieg und dem schnellen Fall. Der Film folgt chronologisch der Bandgeschichte mit deren Gründung 1965 in Venice Beach durch Jim Morrison und Ray Manzarek und endet mit dem Tod von Morrison 1971 in Paris. Dabei werden Stationen, wie die ersten frühen Konzerte als Hausband im Whisky a Go-Go, über den ersten Nummer 1-Song Light my Fire oder Morrisons Drogen- und Alkoholexzesse beleuchtet, ebenso wie erstmalige Aufnahmen aus Morrisons Experimentalfilm HWY: An American Pastoral von 1969 verwendet. Der Film verknüpft die Geschichte der Band mit den historischen Ereignissen der 60-er und 70-er Jahre und verwendet deshalb bewusst nur Archivaufnahmen und keine nachgedrehten Szenen.
Kinofilm-Rating
Tom DiCillo, Regisseur von Independent-Werken wie Johnny Suede oder zuletzt Delirious, widmet sich in seiner ersten Dokumentation einer der wohl umstrittensten, gleichzeitig aber auch wichtigsten Bands der Rock n'Roll-Geschichte: The Doors. Dass diese Band vor allem dank ihres charismatischen Leadsängers Jim Morrison und durch dessen frühen Tod Kultstatus besitzt, veranlasst DiCillo zu einer Verneigung vor dem Werk. Dass ihm dabei nur relativ wenig Zeit (es sind ja nur sechs Jahre Bandgeschichte) zum Behandeln übrig blieb und er trotzdem auf heutigen Aufnahmen oder Nachstellungen verzichtet, ist ihm hoch anzurechnen.
So erlaubt When You're Strange, tief in den Mythos The Doors einzutauchen, nochmals ihre legendären Songs zu hören, aber auch den zunehmenden Zerfall von Jim Morrison zu erleben. Und dieser ist wirklich unübersehbar. Die Verknüpfung mit den historischen Ereignissen und der Bandgeschichte ermöglicht es auch, gewisse Vorkommnisse besser zu verstehen. Zum Beispiel den Einfluss der sozialen Unruhen auf die Konzerte der Doors in den Sechzigern, bei denen Morrison nicht nur auf LSD-Tripps schwebte, sondern auch charismatisch und mit der rohen sexuellen Energie das Publikum zum Ausrasten brachte. Später dann der Wechsel in die poppigeren Siebziger, wo viele nur an die Konzerte kamen, um Morrison auszulachen oder ihn ausflippen zu sehen.
When You're Strange ist eine überaus gelungene Musikdoku - hervorragend geschnitten - , die dem Laien viele interessante Informationen bietet (wer hätte gewusst, dass Light my Fire vom Gitarristen Robby Krieger geschrieben wurde?) und den Zuschauer nochmals in die Hippiezeit zurückkatapultiert. Eine Kinoauswertung wird der Film wohl aber kaum erleben, sind doch die alten Fernsehbilder arg verschwommen auf der grossen Leinwand. Als DVD wird er aber sicher vielen Doors-Fans eine willkommene Ergänzung ihrer Sammlung bieten. Dann übrigens mit dem neu eingesprochenen Off-Kommentar von niemand geringerem als Johnny Depp, wie Regisseur DiCillo an der Berlinale 09 versicherte.
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