Waffenstillstand (2009)

Waffenstillstand (2009)

Oder: Mit Entschlossenheit und Wille geht alles

Waffenstillstand

Deo her, aber schnell...

Offiziell wurde der Krieg im Irak bereits vor Jahren für erfolgreich beendet erklärt, doch vorbei ist er noch lange nicht. Immer wieder flammen Kämpfe auf, es detonieren Autobomben, und darauf folgende Vergeltungsschläge fordern immer wieder hohen Blutzoll. Besonders in Falludscha ist die Lage verzweifelt. Die Amerikaner zerbomben die Stadt, Häuserkämpfe fordern viele Tote, und es gibt kaum Möglichkeiten, der leidenden Zivilbevölkerung zu helfen. Als aber durchsickert, dass die Amerikaner mit den irakischen Widerstandskämpfern einen 24-stündigen Waffenstillstand ausgehandelt haben, beschliesst Kim (Thekla Reuten) - eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation - dies zu nutzen und einen Hilfstransport in die Kampfzone zu organisieren.

Waffenstillstand

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter...

Zusammen mit dem Journalisten Oliver (Maximilian von Pufendorf), dessen Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke), dem französischen Arzt Alain (Matthias Habich) und Fahrer Husam (Husam Chadat) geht es schliesslich los nach Falludscha. Allerdings haben sie für diese Reise gar keine Bewilligung, da es zurzeit noch zu gefährlich ist. Dies bringt Kim nicht von ihrem Vorhaben ab, und da sie sowieso bereits unter Zeitdruck stehen, wird die Unternehmung ohne Zögern vorangetrieben. Doch ein wenig Papierkram wird sich bald als das kleinste Problem herausstellen, denn sie fahren mit einem ungepanzerten Personenwagen mitten in ein Kriegsgebiet, in dem jederzeit wieder der offene Krieg ausbrechen kann. Werden sie das Spital in Falludscha, dem inzwischen jegliche Vorräte ausgegangen sind, noch rechtzeitig erreichen, oder geraten sie in einen Hinterhalt? Die schlimmsten Erwartungen bestätigen sich.


Kinofilm-Rating

Kriege inspirieren immer wieder Filme und führen zu so genannten Antikriegsfilmen, packenden Thrillern oder einfach spektakulären, aber an sich inhaltslosen Schlachtplatten. Meistens haben diese Filme jedoch eines gemeinsam: Sie wurden von Amerikanern produziert und aus der Sicht der Soldaten erzählt, welchen es egal ist, was mit der Zivilbevölkerung geschieht. Die Deutsche und Schweizerische Co-Produktion Waffenstillstand geht da etwas andere Wege und wechselt komplett die Seiten. Jetzt geht es nicht mehr darum, die üblichen Bombardements zu dokumentieren oder irgendwelche Heldentaten zu feiern, sondern jene Menschen in den Vordergrund zur rücken, welchen in den Newsberichten meistens nur eine Fussnote zugestanden wird. Die Rede ist natürlich von den Menschen, welche in ein fremdes Land gehen, um da zu helfen, die Verwundeten zu verarzten und die unter gefährlichsten Bedingungen versuchen, Menschenleben zu retten. Diesen Menschen widmet Regisseur Lancelot von Naso seinen Film. So wird einmal diese Seite des Krieges beleuchtet, um eine Geschichte zu erzählen, die man, obwohl sie im Irak angesiedelt ist, eigentlich auf alle Kriege adaptieren könnte.

Als Film ähnelt Waffenstillstand sehr einer Doku, die möglichst nahe am Geschehen sein will und so mit einer guten Dosis Realismus und spektakulären Drehorten wirklich das Gefühl vermitteln kann, mitten im Irak zu sein. Allerdings nutzt er dabei nie die Schiene der zelebrierten Gewalt, sondern findet sehr gut die Balance zwischen der gezeigten und der ausgeblendeten Brutalität. Die Intensität baut Waffenstillstand nämlich primär geschickt mit der Gruppendynamik auf, welche sich sehr schnell in der zusammengewürfelten Truppe entwickelt sowie mit der stetigen Bedrohung, jederzeit in einen Überfall geraten zu können. Dies, kombiniert mit der Mehrsprachigkeit (es werden vier verschiedene Sprachen benutzt), gut ausgewählten Schauspielern und einigen unerwarteten Handlungswendungen machen Waffenstillstand zu einem sehr packenden Thriller.

Negative Punkte finden sich bei Waffenstillstand lediglich an wenigen Orten. Zum einen gibt es in der Mitte des Film, während sie eher eintönig durch die Wüste nach Falludscha gondeln, einen längeren Hänger, was den ursprünglich sehr zügig angefangene Film sehr stark ausbremst. Zudem sind auch einige der Actionszenen etwas chaotisch geworden, weshalb an einigen Stellen auch der Überblick etwas verloren geht.

Fazit: Waffenstillstand ist ein Kriegsfilm, der für einmal aus einer eher ungewohnten und deshalb auch unverbrauchten Perspektive erzählt wird. Anstatt Opfer oder Täter werden die Menschen zwischen den Fronten beleuchtet, welche nur aufgrund ihres Idealismus ihr Leben riskieren. Dies gibt dem Film einen ganz anderen Touch, und da grosse Idealismusreden meistens weggelassen werden und der Pathos ebenfalls nicht überhandnimmt, wurde Waffenstillstand ein sehr realistischer Film von der Front, der fesselt und überzeugt.

4.9 Sterne
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02.10.2009 / db