La valle delle ombre (2009)
La valle delle ombre (2009)
Oder: Soll ich dir eine Gruselgeschichte erzählen?
Das Stadtkind Matteo fährt über die Ferien zu seinem Grossvater, der in einem kleinen verschlafenen Bergdorf wohnt. Kaum angekommen, trifft Matteo auch schon auf seine Cousine Lidia, die er schon lange nicht mehr gesehen hat und beginnt mit deren Freunden zu spielen. Dabei erkunden sie nicht nur die Umgebung des Dorfes, sondern treffen auch auf den wahnsinnigen Nando und finden später, als sie einem davongeflogenen Drachen folgen, im nahe gelegenen See ein überflutetes Dorf. Natürlich wundert sich Matteo, was es mit dem Dorf auf sich hat und warum es vor langer Zeit mal überflutet wurde. Glücklicherweise haben Lidias Freunde da eine Geschichte gehört, und deshalb beginnen die Kinder mit einem Spiel: Alle müssen die Augen schliessen und einer erzählt.
Doch dies wird nicht die letzte Gruselgeschichte sein, die Matteo hört, und während die Vorbereitungen für das grosse Fest, bei dem die bösen Geister vertrieben werden sollen, langsam voranschreiten, tastet er sich so immer weiter in die scheinbar wüste Vergangenheit des kleinen Dorfes vor. Denn das überflutete Dorf, bei dem Nando seine ganze Familie verlor, ist nur eine von vielen Tragödien, welche laut den Geschichten das Dorf von Matteos Grossvater heimgesucht haben. Und je mehr Geschichten die Kinder einander erzählen, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und der Fantasie. Ist an den schrecklichen Ereignissen wirklich etwas dran, warum bastelt Nando diese schrecklichen Puppen, die er überall aufhängt, und was sind das für Laute, die von der alten Mühle her klingen? Schon bald sind es die Kinder, die in Gefahr schweben...
Kinofilm-Rating
Rund sechs Jahre dauerte es, bis aus den ersten Konzepten der fertige Grusler wurde, der auf der Piazza Grande des Filmfestivals Locarno 2009, die Weltpremiere feierte. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, denn The Valley kann schon von der ersten Minute an eine grossartige Atmosphäre aufbauen. Ein kleines Bergdorf im Nirgendwo, düstere Steinhäuser, enge Gassen und vielen Geschichten bilden den perfekten Nährboden für einen solchen Gruselstreifen. Glückerweise wird dies auch genutzt, und ohne lange Wartezeigen geht es schon kurz nach dem Intro mit den Kindern auf Endeckungsreise durch die Wälder und in die mit vielen wüsten Erzählungen durchzogene Umgebung. Hier macht Regisseur Mihály Györik alles goldrichtig, und kann so ausgezeichnet die Brücke von den realen Geschehnissen zu den erzählten Gruselgeschichten schlagen, welche den Kern von The Valley bilden.
Diese Geschichten basieren auf den Erzählungen von Eraldo Baldini, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat und verbinden dabei grossartig Aberglaube, Hexengeschichten, Folklore und Sagen. Diese werden dann als Einspieler in den Film geflochten und können damit die düstere Szenerie des Bergdorfes noch mehr vertiefen. Die ersten beiden Geschichten geben dabei beste Gruselkost ab und sind nicht nur alptraumhaft inszeniert, sie können auch dank guten Schauspielern eine richtige Intensität entwickeln und auch mitreissen. Hier hat The Valley seine stärksten Momente, und deshalb verzeiht man es auch ohne weiteres, dass einige der Special Effects etwas holprig sind und die Dialoge teilweise asynchron.
Leider gibt es aber noch eine dritte Geschichte, die im letzten Drittel des Filmes nur von Lidia an Matteo erzählt wird. Diese entpuppt sich als enormer Dämpfer und fällt im Vergleich zu den ersten beiden nicht nur in Sachen Spannung ab, sondern ist auch im Vergleich zu den anderen sehr unspektakulär. Da zudem nur Gruselmomente verwendet werden, die sich schon in Filmen wie The Ring oder The Grudge totgelaufen haben, verpufft auch jegliche Spannung, welche bis zu dem Punkt aufgebaut wurde. Schliesslich versandet die Handlung ohne erkennbares Finale im Sand, und anstatt die Geschichte mit einem Höhepunkt abzuschliessen wird man regelrecht vom Abspann überrumpelt.
Fazit: The Valley beginnt grossartig und wäre der Film nach zwei Dritteln fertig gewesen, hätte er mit seinen spannenden Geschichten, der intensiven Spannung und auch grossartiger Atmosphäre locker selbst die grössten Zweifler überzeugen können. Leider verpasst er es, den Spannungsbogen zu halten, und so wird der letzte Drittel zum starken Stimmungs- sowie Spannungsdämpfer. Dennoch ist The Valley nur schon wegen seiner Geschichten einen Blick wert, denn solche werden in diesem Genre nur selten verarbeitet, und wenn es auch noch "Swiss made" ist, sollte man ihm definitiv eine Chance geben und die Schönheitsfehler auch verzeihen.
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