Michael Jackson's This Is It (2009)
Michael Jackson's This Is It (2009)
Oder: "Booty full of bass" - Arsch im Bass ist angesagt!
Nach einem Jahrzehnt Absenz von der Bühne wollte Michael Jackson 2009 ein furioses Comeback feiern. Die Konzerthallen waren im Vorfeld ausverkauft, die Show sollte bombastisch werden. Clips für die Riesenleinwände wurden gedreht, die besten Musiker und Tänzer von Michael selbst ausgesucht, riesige Apparaturen, neuartige Kostüme - es sollte ein Erlebnis der Superlative für alle Fans des King of Pop werden.
Doch acht Tage, bevor die Generalproben in London stattfinden konnten, schied der legendäre König dahin. Die Show, die mit so viel Schweiss auf die Beine gestellt worden war, in die alle ihr Herzblut gesteckt hatten, fand nie statt. Die Konzerthallen sollten leer bleiben.
Doch der künstlerische Direktor Kenny Ortega, der Michael Jackson bei diesem Superprojekt zur Seite stand, wollte nicht aufgeben. Er hat das Filmmaterial, das bei den Proben entstanden ist, zusammengefügt, um einen Film zu machen, der zumindest einen Eindruck von dem vermittelt, was hätte sein können. Die "This Is It"-Tour wurde zu This Is It - dem Film.
Kinofilm-Rating
Es gibt einige Gründe, weshalb This Is It eigentlich eine schlechte Idee ist: Profit am Tod Michael Jacksons, Profilierungssucht seitens Kenny Ortegas oder Verschleierung des wahren Gesundheitszustandes des King of Pop kurz vor seinem überraschenden Tod.
Doch die Wahrheit ist: This Is It ist ein Wahnsinnserlebnis. Selbst für Leute, die nicht Fans sind und kein einziges Album von Jackson zuhause im Regal haben. Der Film tut im Kleinen das, was Michael sich für die Show gewünscht hatte: "Eskapismus, wir wollen den Menschen etwas zeigen, was sie noch nie gesehen haben." Obwohl "im Kleinen" eigentlich eine Untertreibung ist. Von einem Song zum nächsten wird der Zuschauer mitgerissen, und die Energie der Tänzer, der Musiker und nicht zuletzt Jacksons ist ansteckend. Keiner, der bei "They Don't Really Care About Us" nicht mitwippt und kein Auge, das bei "I Just Can't Stop Loving You" trocken bleibt.
This Is It hat eine hervorragende Tonmischung, die jeden Song in ganz neuem Glanz erstrahlen lässt. Es ist anzunehmen, dass hierfür nicht der Gesang Jacksons bei den Proben benutzt wurde (mehrmals sagt er, er könne nicht ganz singen, weil er seine Stimme schonen müsse), sondern dass bessere, albumreife Gesangstakes hinzugefügt wurden. Allerdings tut dies dem Reiz des Films keinen Abbruch. Im Gegenteil, es sorgt dafür, dass man als Zuschauer und Hörer vollkommen in die Songs eintauchen kann. Der Film ist auch kein wirklicher Dokumentarfilm. Es gibt keine direkten Interviews mit Jackson, nur kurze Clips mit den Künstlern um ihn herum. Primär stehen die Musik und die Erarbeitung der Show im Vordergrund, und es werden jeweils verschiedene Probetage zu einem Song zusammengefügt. Dadurch wird schnell und angenehm veranschaulicht, wie sich beispielsweise die Choreographie entwickelt.
Schön ist auch, dass die Tänzer, Musiker und Sänger aus dem Hintergrund hervorgeholt werden. Ihr Können, ihre Leidenschaft und ihre Hingabe geben dem Film eine weitere Prise Salz. Es ist herrlich, nicht nur Songschnipsel und Choreographie-Bruchteile zu sehen, sondern diese im Ganzen hören und sehen zu können. Durchwegs hat man den Eindruck, am kreativen Prozess fast selbst beteiligt zu sein, so nah dran lässt This Is It einen kommen.
Letztlich ist der Film ein wahres Meisterwerk der Schneidekunst. Die Auswahl und der Zusammenschnitt des Materials sind bewundernswert und sogar oscarverdächtig. Wer schon den Trailer in dieser Hinsicht anregend fand, wird den Film lieben. This Is It ist so professionell zusammengefügt, dass man sich oft wehmütig wundert, wie es wohl gewesen wäre, diese Show, vollendet und live, zu erleben. Es ist erstaunlich, wie gut der Film aussieht, wenn man bedenkt, dass hierfür hauptsächlich Videomaterial zur Verfügung stand.
Michael Jacksons kindliche Stimme, neues, kitschiges Material, das dem "Earth Song" beigefügt werden sollte und die ständigen "God bless you" Aussprüche können bisweilen etwas nerven, dennoch ist der Film ein audiovisuelles Spektakel der Extraklasse. Er ist eine würdige, fröhliche und in Liebe getränkte Abschiedsparty für diesen aussergewöhnlichen Künstler.
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