Thirst - Bakjwi (2009)
Durst
Thirst - Bakjwi (2009) Durst
Oder: Vater Vampir
Sang-hyun (Kang-ho Song) arbeitet als Priester im Spital einer Kleinstadt. Getrieben vom Willen, der Menschheit Gutes zu tun, reist er eines Tages nach Afrika, um sich als freiwillige Testperson für Impftests gegen das mysteriöse Emmanuel-Virus zur Verfügung zu stellen. Es dauert nicht lange, da ist er auch schon mit der Krankheit angesteckt und stirbt an deren Folgen.
Doch dann geschieht eine Art Wunder: Dank einer Bluttranfusion erwacht der Tote wieder zum Leben. Fortan wird er von zahlreichen Kranken oder deren Angehörigen als eine Art allheilender Messias gesehen. Unter anderem auch von Madame Ra (Hae-sook Kim), die hofft, dass die Gebete des geheilten Kirchenmannes auch die Gebrechen ihres dauerkranken Sohns Kang-woo (Ha-kyun Shin) zu heilen vermögen. Dieser wiederum ist ein alter Schulkollege von Sang-hyun, weswegen der Priester gleich in die allwöchentliche Mahjong-Runde im Rahmen von Familie und Freundeskreis aufgenommen wird.
Bei dieser Gelegenheit lernt Sang-hyun auch Kang-woos zurückhaltende Ehefrau Tae-ju (Ok-vin Kim) kennen, bei deren Anblick er eine ihm bis anhin unbekannte fleischliche Begierde verspürt. Zudem beschäftigt ihn seit seiner Rückkehr aus Afrika ein noch viel gravierenderes Problem: Denn als Nebenerscheinung seiner Heilung vom Virus verspürt er einen riesigen Durst - und zwar nach menschlichem Blut...
Kinofilm-Rating
Wäre dieser Film vor 20 Jahren gedreht worden, die Ketchup-Industrie hätte sich vermutlich die Hände gerieben. Heute sind es wohl eher blasse Zeitgenossen hinter grossen Computerbildschirmen, die mit einem gewissen Glitzern in den Augen das künstliche Blut erzeugen, das in Thirst gleich literweise vergossen wird. Blut, das von den Protagonisten beispielsweise mit klassischem Vamirbiss gesaugt, per Infusion getrunken oder fontänenartig aus tiefer Kehle gekotzt wird.
Dass Filme von Chan-wook Park nichts sind für Zimperliche und Zartbesaitete, ist eine Tatsache, die dem Kenner des koreanischen Regisseurs längstens bekannt ist. Man erinnere sich beispielsweise an die ausgerissenen Zähne oder lebendig verspeisten Fische in Oldboy. Solcherlei Szenen hat auch Thirst, dessen Entstehung insgesamt über zehn Jahre in Anspruch genommen hat, zur Genüge zu bieten. Allerdings wirken diese Ekel- und Splatterszenen teilweise dermassen überzeichnet und ästhetisiert, dass sie nicht einer grotesken Komik entbehren.
Nach der erfolgreichen Rache-Trilogie (Sympathy for Mr. Vengeance, Oldboy, Lady Vengeance) und der abgedrehten Roboter-Romantic-Comedy I'm a Cyborg, but that's ok hat Chan-wook Park nun einen gewohnt bildgewaltigen, aber auch verwirrenden und leicht konfusen Vampir-Horror-Liebesfilm mit bizarren Wendungen und absurd komischen Elementen gedreht. Beeindruckend ist das intensive Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptdarstellern Kang-ho Song (der seit The Host auch einem westlichen Publikum bekannt ist) und Ok-vin Kim. Zwischen dem Priester mit dem moralischen Dilemma, ein Vampir geworden zu sein, und der vampiresken Femme Fatale mit dunkler Vergangenheit besteht von Anfang an eine erotische Spannung, die sich (nicht nur) in morbid angehauchten Sexszenen entlädt.
Trotz vieler grossartiger Szenen fehlt in Thirst aber ein Element, das Vorgängerfilme wie Lady Vengeance oder Oldboy zu kleinen Meisterwerken gemacht hat; nämlich eine ausgefeilt komplexe, vielschichtige Story. In vorliegendem Film ist die Story zwar gewohnt unberechenbar, wirkt aber auch fahriger und weniger durchdacht als diejenige der Vorgänger. Vielmehr scheint sie primär als Aufhänger für spektakuläre Szenen zu funktionieren. Diese sind aber zumindest Chan-wook Park at his best. Wenn sein neues Werk auch nicht an seine besten Filme heranreicht, so bleibt es doch zumindest eines: bloody entertaining...
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4.5 Sterne (11 Bewertungen) | 3 Kommentare



