Tetro (2009)

Tetro (2009)

Oder: Ein Meister auf dem Weg zurück

Tetro

Ich erklär dir mal, wie's läuft!

Ein seltsame Wiedervereinigung findet in La Boca, einem Quartier der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires statt. Der fast volljährige Bennie (Alden Ehrenreich) überrascht seinen älteren Bruder Tetro (Vincent Gallo), nachdem dieser vor Jahren jeglichen Kontakt mit seiner Familie abgebrochen hat. Trotz Tetros brieflichen Versprechens, Bennie später auch zu holen, freut sich der griesgrämige Lebenskünstler zuerst gar nicht, einen seiner nächsten Verwandten zu sehen. Er hatte gerade einen Unfall und trägt ein Bein im Gips, was die Beziehung zu seiner Freundn Miranda (Maribel Verdu) noch etwas grummliger macht, als sie sonst schon wäre. Da kommt der Überraschungsbesuch des kleinen Bruders gerade recht...

Tetro

Let's hug!

Stück für Stück lernt Bennie, was sein Bruder in letzter Zeit so trieb. Manchmal arbeitet Tetro als Beleuchter für unabhängige Theaterproduktionen. Meist schreibt er aber Notizen, die er niemandem zeigt. All die Fragen, die Bennie ihm stellen möchte, wiegelt er missmutig ab. Der Grund für seine schlechte Laune liegt in der Vergangenheit. Die Familie Tetrocini, der die beiden Männer angehören, litt unter der Tyrannei des Vaters, dem Star-Dirigenten Carlo Tetrocini (Klaus Maria Brandauer). Vor allem Onkel Alfie (ebenfalls Klaus Maria Brandauer) musste - da ebenfalls Musiker - in den Hintergrund treten. Die Familie bot nur Platz für ein Genie. Dies trieb damals auch Tetro in die Flucht - aber nicht nur...


Kinofilm-Rating

Francis Ford Coppola brachte uns die Filmversionen von Mario Puzos The Godfather, John Grishams The Rainmaker und Bram Stokers Dracula. Mit Tetro hat er nun auch mal seinen Namen vor dem Titel stehen. Er verfilmt sein eigenes Drehbuch und ist nach Youth Without Youth weiterhin auf dem Trip des fast schon zwanghaft unabhängigen Filmemachers.

Tetro merkt man an, dass ein Meister hinter der Kamera steht. Die schwarzweissen Bilder sehen vor allem in einer digitalen Projektion alle wunderschön aus. Vom iBook, das man selten in schwarzweiss zu sehen bekommt, bis zu den verschiedenen argentinischen Gegenden, in denen der Film spielt. La Boca sieht aus wie die Altstadt von New Orleans, die Gletscher in Patagonien wirken hochalpin. Lust auf eine Argentinienreise macht der Film bestimmt.

Weniger prickelnd ist die in die Länge gezogene Geschichte um Bruderzwiste und schlimm verlaufende Vater-Sohn-Beziehungen. Die Melodramatik wirkt altbacken und konstruiert. Die Schauspieler holen das bestmögliche aus der leicht vorhersehbaren und etwas überfrachteten Geschichte. Der 19-jährige Alden Ehrenreich ist eine wahrhaftige Entdeckung: Nicht nur von der Visage her eine Art Mini-DiCaprio, dem nicht wenige Kritiker anlässlich der Weltpremiere in Cannes eine grosse Karriere vorhersagen. Maribel Verdu (Y tu mamá también) ist die starke Frauenfigur, die im Hintergrund die Fäden zieht. Nur Vincent Gallo spielt den für ihn üblichen Kotzbrocken. Er hat aber auch lustige Szenen, wenn er sich als Beleuchter in gerade laufende Theatervorstellungen einmischt. Almodovars Ex-Muse Carmen Maura hat einen divenhaften Gastauftritt als Literaturkritikerin Alone.

Nach vielen Filmen, die er nur seiner Schulden wegen abdrehte, ist Francis Ford Coppola auf gutem Wege, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Sehenswerte Bilder kann er auch als unabhängiger Regisseur produzieren, das beweist Tetro in mancher Szene. Wenn er jetzt noch erzählenswerte Geschichten findet, egal ob aus der eigenen Feder oder nicht, steht einem baldigen grossen Wurf nichts mehr im Wege.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

3.53.5
19.05.2009 / rm