Tannöd (2009)
Tannöd (2009)
Oder: Hack, hack, und du bist tot
Zwei Jahre sind seit dem brutalen Mord auf dem Tannödhof vergangen. Sechs Menschen wurden mit einer Spitzhacke umgebracht: der alte Danner (Vitus Zeplichal), seine Frau (Lisa Kreuzer), die Tochter Barbara (Brigitte Hobmeier) und deren beiden Kinder sowie die neue Magd, die erst seit einem Tag auf dem Hof angekommen war. Der Mörder wurde damals nicht gefunden, und keiner weiss, wer's war. Doch da niemand im Dorfe den alten Danner ausstehen konnte, haben sich die Bewohner damit abgefunden und schweigen.
Als Kathrin (Julia Jentsch) für die Beerdigung ihrer soeben verstorbenen Mutter aus der Stadt in ihr Heimatdorf zurückkehrt, wird die vergangene Gräueltat wieder ausgegraben. Einige der Dorfleute beginnen, der jungen Frau ihre Erinnerungen an die wenigen Stunden vor dem Mord zu schildern. Doch nicht alle Bewohner sind erfreut darüber, dass diese alte Geschichte wieder ausgegraben wird. Ob Kathrin herausfinden kann, wer diese Menschen getötet hat und wieso?
Kinofilm-Rating
Tannöd ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andrea Maria Schenkel, die für ihr Erstlingswerk mit dem Deutschen Krimipreis 2007 ausgezeichnet wurde. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, bei welcher der Mörder bis heute unbekannt ist. Unter der Regie von Bettina Oberli (Die Herbstzeitlosen) kommt Schenkels Version der Story nun auf die Kinoleinwand.
Zu Beginn des Filmes werden ungeübte Ohren ihre Mühe mit dem gesprochenen Dialekt haben. Hier ist eine gewisse Konzentration gefragt, die zwischenzeitlich auch bei den wiederholten Rückblenden von Nutzen sein kann. Denn jedesmal, wenn ein Dorfbewohner von seiner Erinnerung an die Ermordeten und den ominösen Tag erzählt, springt die Zeit zurück. Zu müde sollte der Zuschauer also nicht sein, wenn er bei Tannöd alles mitkriegen möchte.
Ansprechend und eindrücklich sind die Bilder, die hauptsächlich mit Handkamera aufgenommen wurden. So wirkt der Wald zwischen dem Dorf und dem Tannödhof auch bei Tag äusserst bedrohlich, wenn der Wind durch die Bäume weht. Verstärkt wird die Atmosphäre mit der fast schon hypnotischen Stimme der Gattin Danners beim Sprechen ihrer Gebete im Hintergrund. Schön dargestellt ist auch die Andersartigkeit von Kathrin. Schon bei ihrem ersten Auftreten wird sie als unschuldiges und nichtsahnendes Rotkäppchenwesen gezeigt. Mit engelsblondem Haar und einem knallroten Mantel läuft die junge Frau durch den gefährlichen Wald. Gleichzeitig sticht sie durch diese Signalfarbe aus dem dunklen und einheitlichen Farbimage der Dörfler heraus, und ihre Andersartigkeit respektive ihr Nicht-Dazugehören wird so deutlich gemacht.
Entstanden ist ein einigermassen spannender Krimi, nicht mehr und nicht weniger. Mit 100 Minuten Spieldauer lässt es sich über die wiederholten Rückblenden und manchmal leicht verwirrenden Szenen hinwegsehen. Viel Blut sieht man nicht, bei der Menge kann man getrost ganz kurz wegschauen.
Kurz gesagt: Tannöd ist ein recht gelungener Krimi mit atmosphärischen Waldaufnahmen, der praktisch ohne Blut auskommt. Wer das Buch kennt, wird sehen wollen, wie das Ganze filmisch umgesetzt worden ist. Also ein Streifen für diejenigen, die das Buch gelesen haben und am Rande vielleicht auch für solche, die gerne miträtseln.
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4.0 Sterne (24 Bewertungen) | 3 Kommentare



