Madly in Love (2009)
Madly in Love (2009)
Oder: Bollywood im Fressbalken
Devan (Muraleetharan Sandrasegaram) trainiert tamilische Fussballjunioren und arbeitet an der Kasse im Selbstbedienungsrestaurant einer schweizweit bekannten Autobahnraststätte. Sein traditionsbewusster Vater hat den gut integrierten Secondo mit Nisha (Sugeetha Srividdunapathy) verkuppelt, welche Devan bisher nur per Video-Chat kennt. Just dann, als die Braut mit Familie für die grosse Verlobungsfeier von Colombo nach Zürich kommt, verguckt sich Devan aber in die deutsche Arbeitskollegin Leo (Laura Tonke).
Leo ist alleinerziehend und träumt von einem Cup-Cake-Lädeli. Ihren fussballbegeisterten Sohnemann schickt sie gern zu Devan ins Training, auch wenn er dort der einzige hellhäutige Tschütteler ist - sehr zum Groll der am Spielfeldrand versammelten "Co-Trainer" aus Sri Lanka. Bei einem Auswärtsspiel in Engelberg kommen die beiden sich näher. Devan verschweigt aber, dass er sich bald verloben wird. Leo merkt erst, als die Verlobungsfeierlichkeiten schon im Gange sind, was sich abspielt und ist zu Tode betrübt. Werden sich die Turteltäubchen trotzdem noch finden?
Kinofilm-Rating
Die Fusion der Schweiz mit Bollywood hatten wir vor gut zwei Jahren schon im Schweizer Kino. Tandoori Love hiess der Streifen von Oliver Paulus, der die Liebe der indischen Filmnation zur Schweizer Alpenlandschaft erwidern wollte. Das Projekt bot als Film-im-Film-Geschichte ein paar witzige Seitenhiebe auf den Bollywood'schen Starkult, muss insgesamt aber als missglückt bezeichnet werden. Madly in Love von Anna Luif hat einige Parallelen dazu und macht leider nur wenig besser.
Statt Inder stehen Tamilen aus Sri Lanka im Mittelpunkt. Daraus ergeben sich ein paar sozialkritische Töne, denn schlussendlich ist der Film auch dem leiderfahrenen tamilischen Volk gewidmet. Kriegstrauma und Kastendünkel werden aber sehr oberflächlich abgehandelt. Mit Muraleetharan Sandrasegaram ist die männliche Hauptrolle um einiges hübscher als Vijay Raaz aus Tandoori Love, was ihn als Objekt der Begierde glaubwürdiger macht. Laura Tonke, seine europäische Herzdame, ist hingegen wie in Tandoori Love eine rothaarige deutsche Schauspielerin, welche dieses Mal zum Glück aber nicht auf Schweizerdeutsch nachsynchronisiert wurde.
Mit einer Tunte, einem Möchtegern-Ali G. und einer Tschutti-Mannschaft auf dem Weg zum Pokal hätte es in Madly in Love mehrere Elemente, aus denen man einen Komödienknaller oder zumindest einen Sportfilm mit Rassenkonflikten hätte machen können. Doch sogar der obligate Kulturschock vom Tamil-Grosi im "Chreis 5" wird nur ein Culturclashchen. Der Plot ist bruchstückhaft, die Laiendarsteller lassen sich kaum von den Profis unterscheiden (Beat Schlatter hat einen uninspirierten Gastauftritt.) Nur die Tänzerinnen und Tänzer geben sich Mühe. Leider sind die Songs aber nur indisch angehauchte Versionen von Disco-Knallern aus den Siebzigern ("Upside down" von Diana Ross, "Love is in the Air" von John Paul Young).
Drehbuch, Choreo, Schauspieler - Madly in Love ist von seinen Vorbildern in allen Belangen meilenweit entfernt. Es fehlt die Magie und vor allem das Tempo, um daraus einen lüpfigen indo-europäischen Mix werden zu lassen, wie das Gurinder Chadha (Bend it like Beckham) jeweils gelingt. Hoffen wir, dass nach zwei Filmen die bemühte Anbiederung der kleinen Filmschweiz an die grosse Kinoindustrie des Subkontinents ein Ende nimmt.
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