Lo spazio bianco (2009)

Lo spazio bianco (2009)

Oder: Grüsse aus dem Brutkasten

Lo spazio bianco

"Wann beginnt die Pressekonferenz?"

Maria (Margherita Buy) lebt in Neapel und gibt Erwachsenenkurse in Italienisch. Um sich von ihrem nichtvorhandenen Liebes- und Sozialleben abzulenken, geht sie jeden Nachmittag ins Kino. Dort lernt sie eines Tages auch Pietro (Guido Caprino) kennen, einen alleinerziehenden Vater. Maria verliebt sich Hals über Kopf in ihn, und eine intensive Romanze beginnt. Als sie jedoch ungeplant schwanger wird, lässt er sie kurzerhand sitzen. Maria beschliesst, das Kind zu behalten.

Doch im sechsten Monat erleidet sie eine unerwartete Frühgeburt. Während der nächsten drei Monate muss das Baby nun im Brutkasten bleiben. Für Maria beginnt eine lange Zeit, in der sie darauf wartet, dass ihre Tochter entweder geboren wird oder stirbt.


Kinofilm-Rating

Lo spazio bianco ist Francesca Comencinis (A casa nostra) neuer Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Valeria Parrella. In der Hauptrolle mimt Margherita Buy (Saturno Contro) die einsame und wartende Mutter, der man die Zerbrechlichkeit ansieht. Der Film- respektive Buchtitel bezieht sich auf den Raum, in welchem sich der Brutkasten befindet und auf den sich Marias Leben während ihrer Zeit des Wartens beschränkt.

Gleich von Beginn an zeigt Comencini die Hauptfigur Maria alleine auf der Tanzfläche, in gedankenverlorenen Bewegungen zur Musik tanzend. Man merkt bereits, wie einsam und isoliert von der Aussenwelt sie ist, ohne dass sie überhaupt einen Satz gesprochen hat. Und nach dem ersten Gespräch weiss man auch, dass sie effektiv niemanden richtig an sich heranlässt. Im Verlaufe der Handlung kann man ihre Veränderung mitverfolgen und sieht, wie sie um sich selber und das Leben ihrer Tochter zu kämpfen beginnt. Nichtsdestotrotz hat man als Zuschauer zwischendurch das Gefühl, mit der Hauptfigur mitzuwarten, ohne dass etwas passiert respektive die Handlung vorangeht.

Margherita Buy macht ihre Arbeit gut, wobei man der Figur ruhig noch etwas mehr Tiefe hätte geben können. Denn zeitweise macht die gute Frau nicht viel mehr, als anderen Menschen auszuweichen, indem sie sich irgendwo verkriecht, um zu rauchen. Die restlichen Charaktere spielen eher Nebenrollen, ausser Giovanni Ludeno als Fabrizio. Er spielt Marias besten Freund, der ihr immer mit Rat und Tat zur Seite steht, obwohl sie auch ihn nicht ganz an sich heranlässt.

Ein unüberhörbares Detail ist der Soundtrack, der mit Ohrwürmern wie "Call Me" von Blondie oder rührenden Balladen wie "Where is my love?" von Cat Power auftrumpft. Marias Gefühle werden in den Stücken wiedergespiegelt, zwischendurch vielleicht ein Quäntchen zu aufdringlich.

Kurz gesagt: Lo spazio bianco ist ein Film über ein Thema, das wahrscheinlich eher ein weibliches Publikum anspricht. Kein einfaches Thema, aber recht gut umgesetzt, auch wenn vor allem die Hauptfigur etwas mehr Tiefgang verdient hätte.

3.5 Sterne
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09.09.2009 / faz