Space Tourists (2009)

Space Tourists (2009)

Oder: Hinauf, hinauf!

Space Tourists

Anusheh Ansari, Millionärin und erste muslimische Frau im Weltall, nach der Landung.

Verfolgt von Helikoptern landet eine Soyuz-Raumkapsel im Morgengrauen per Fallschirm in der einsamen kasachischen Steppe. Zwei Männer und eine Frau werden aus der Kapsel gehoben, erschöpft, aber glücklich. Anusheh Ansari heisst die amerikanische Ingenieurin und Milliardärin iranischen Ursprungs, die sich soeben ihren Lebenstraum erfüllt hat. So beginnt der neue Film Space Tourists von Christian Frei. Im Zentrum des Films steht Ansari mit ihren Vorbereitungen und ihrem Aufenthalt in der internationalen Weltraumstation ISS, doch Frei verfolgt in seinem Film auch viele ungewöhnliche Seitenstränge.

Space Tourists

Ab und zu kracht eine ausgebrannte Raketenstufe in die Dörfer im Altai-Gebirge.

Der Film folgt einem Fotografen bei der Arbeit: dem Norweger Jonas Bendikson, der den vergangenen Glanz des zu grossen Teilen aufgegebenen Weltraumbahnhofs Baikonur dokumentiert, von wo aus auch Ansari ihren Weltraumflug antrat. Ein weiteres Segment führt zu Raketenschrottsammlern, die mit gigantischen Armeelastwagen durch die kasachische Steppe fahren und dort «Rüben», riesige ausgebrannte Raketenstufen, auseinandernehmen und einsammeln. Rund um das Thema Weltraumtourismus gruppiert Frei noch einige weitere, mal mehr, mal weniger überraschende Bilder und Situationen.


Kinofilm-Rating

Mit Space Tourists beweist Christian Frei, der mit War Photographer 2001 international bekannt wurde, einmal mehr sein grosses Können als Dokumentarfilmer. Der Film zeigt die Figuren in grossartigen Bildern und bewahrt immer die perfekte Distanz: mittendrin aber nie aufdringlich. Zu diesem Eindruck der Unmittelbarkeit tragen die Off-Kommentare sehr viel bei, die von Anusheh Ansari und Jonas Bendiksen selbst gesprochen werden. So kommen ihre unterschiedlichen Meinungen und Wahrnehmungen schön zur Geltung. Bendiksen ist eher kritisch eingestellt, Ansari enthusiastisch. Auch die Musik des russischen Komponisten Edward Artemyev, der schon für die Soundtracks der Klassiker Solaris und Stalker von Andrei Tarkowski verantwortlich zeichnete, passt hervorragend zur Atmosphäre des Films. Leider ist die Musik aber etwas gar laut abgemischt, sodass sie stellenweise zu sehr in den Vordergrund rückt.

Der Film wirft viele spannende Fragen auf, doch er versucht gar nicht erst, diese zu beantworten. Darf man 20 Millionen Dollar für die Erfüllung eines Herzenswunsches ausgeben? Wer ist verantwortlich, wenn Raketenstufen voller krebserregender Treibstoffrückstände in besiedeltem Gebiet vom Himmel fallen? Wie steht es um das russische Selbstbewusstsein und den Stolz auf die technischen Errungenschaften in der Raumfahrt, wenn amerikanische Millionäre die Hälfte der Kosten einer Raumfahrtmission decken? Der Film tut gut daran, diese Fragen offen zu lassen, denn auf sie gibt es keine einfachen Antworten. Allerdings werden insbesondere in den letzten beiden Nebensträngen des Films noch Themen angefangen, die nicht mehr richtig dazuzugehören scheinen oder bereits Gesehenes in ähnlicher Art wiederholen.

Insgesamt ist Space Tourists ein grosser, fast schon grossartiger, Dokumentarfilm. Zurückhaltend, aber doch immer nah dran, beleuchtet Frei das Thema Weltraumtourismus aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. Stören tun nur die etwas zu laute Musik und die zunehmende thematische Verzettelung gegen den Schluss des Films.

5.0 Sterne
5.0 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

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22.09.2009 / peb