Sounds and Silence (2009)

Sounds and Silence (2009)

Oder: Hörst du dieses Pfeifen auch?

Sounds and Silence

Was hältst du davon?

Manfred Eicher gründete 1969 in München die Schallplattenfirma "Edition of Contemporary Music" (ECM). Seither hat er in den vergangen 40 Jahren nicht nur über 1000 Produktionen erfolgreich über die Bühne gebracht, sondern sich auch einen Ruf als Perfektionist aufgebaut, der die Musik kompromisslos in den Vordergrund stellt und alles daran setzt, den perfekten Sound zu haben. So hat Manfred Eicher ein sehr erfolgreiches Label aufgebaut, das trotz kommerziellen Erfolgs nicht Mainstream produziert, sondern Musik, die nicht nur gehört werden will, sondern auch für Lebensgeschichten und ausserordentliches Können steht.

Sounds and Silence

Das ist eine super Sache!

Dies hat die beiden Regisseure Peter Gyer und Norbert Wiedmer fasziniert und so haben sie den Mann, der auch als Seele und Motor von ECM bezeichnet wird, auf seinen Reisen begleitet. Das deklarierte Ziel der Regisseure war klar: In Zeiten von Retortenbands aus Castings und der permanenten Beschallung durch TV und Radio mit irgendwelchem 08/15-Sound wollen sie der Musik den Platz einräumen, den sie verdient. Anstatt irgendein Musikstück aus Samplern zusammen zu basteln, wollen sie die Entstehung von Songs begleiten, dem Ton den Raum gewähren, den er benötigt, um sich zu entfalten und so das Publikum auf eine Reise durch Klanglandschaften mitnehmen, die es so noch selten gehört hat.


Kinofilm-Rating

Stille ist in unserer Gesellschaft selten anzutreffen und es gibt kaum noch Momente, wo man sich wirklich gute Musik anhören und diese schätzen kann. Das wollten die beiden Regisseure Peter Guyer und Norbert Wiedmer ändern, und so besuchten sie im Verlauf von sechs Jahren mit Manfred Eicher über neun Länder und liessen dabei bei Proben, Aufnahmen und Konzerten die Kameras laufen. Ein nicht immer leichtes Unterfangen, da sie mit ihren Kameras den Aufnahme-Prozess natürlich nicht stören durften und dadurch auch mit eher suboptimalen Kamerapositionen zu kämpfen hatten.

Sounds and Silence beginnt mit einer minimalen Einleitung und einem kurzen Vorwort durch Manfred Eicher, in dem er etwas über sich und seine Ziele bei der Arbeit erzählt. Von da an wird eine Destination und ein Künstler nach dem anderen angeflogen und für eine Weile bei den Aufnahmen begleitet. Dabei kommt es zwar zu einigen Interviews, doch grösstenteils werden einfach kommentarlose Mitschnitte der Aufnahmen gezeigt. Dies macht Sounds and Silence zu einem Erlebnis für die Ohren, und wer etwas mit klassischer Musik anfangen kann, der wird seine helle Freude daran haben, denn hier wird nicht nur grossartig abgemischte Musik, sondern es werden auch grossartige Musiker in perfekter Harmonie geboten. Dies macht auch den grossen Reiz von Sounds and Silence aus, denn so wird eindrücklich verdeutlicht, dass wirklich gute Musik auch sehr viel mit Können zu tun hat und nicht nur mit dem Nachbearbeiten am Computer.

So gut dies bis jetzt auch klingt, Sounds and Silence objektiv zu bewerten ist schwer. Klar mag der musikalische Aspekt gelungen sein, doch inhaltlich sowie bezüglich des Aufbaus gibt es doch einige Mängel. Klar mag dies ein Musikfilm sein, doch einen etwas geordneteren Aufbau, einige Off-Kommentare sowie etwas mehr Hintergrundinfos, wie genau der perfekte Sound erreicht wird, wären doch interessant gewesen. Einige der Interviews mögen zwar amüsant sein, inhaltlich sind sie aber oft sehr dünn und da die gezeigten Aufnahmen nicht komplette Mitschnitte sind, wirkt auch einiges abgehackt und unfertig. So sieht man zwar einige Einblicke in die Aufnahmen, den kompletten Bogen vom Konzept, über den Tonaufbau bis hin zur Aufnahme sieht man allerdings nie oder nur teilweise. Optimal wäre es da gewesen, einen Event komplett zu begleiten, diesen als Aufhänger und roten Faden zu verwenden und zwischendurch die Aufnahmen der anderen Künstler einzuflechten.

Fazit: Sounds and Silence mag auf dem Bereich der Musik absolut begeistern und ist durchwegs ein richtiger Ohrenschmaus. Leider bleibt der Film für das Auge und auch den Geist eher eine unfertige und chaotische Angelegenheit, die zum Teil sehr aus dem Kontext gerissen daherkommt und auch keinen roten Faden hat. Wenn man es aber rein als Konzertmitschnitt betrachtet, bei dem es zwischendurch zu einigen Interviews kommt, dann kann Sounds of Silence sicher überzeugen und Musikfans sicher begeistern. Wer allerdings auch noch etwas Wissen mit nach Hause nehmen will, der wird eher enttäuscht sein, denn auf dem Gebiet bietet Sounds of Silence eher wenig.

3.0 Sterne
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08.08.2009 / db