Soul Kitchen (2009)

Soul Kitchen (2009)

Oder: Ein Grieche schlägt sich durch

Soul Kitchen

"Ey, ich mach dich tot, Mann!"

Zinos (Adam Bousdoukos) ist im Stress: Seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) zieht nach Shanghai, er selbst leidet unter chronischen Rückenbeschwerden. Und auch in seinem Restaurant "Soul Kitchen" gibt's Ärger, als der neue Koch Shayn (Birol Ünel) sich als eine Art Gastro-Faschist herausstellt und sich weigert, profane Speisen wie Spaghetti, Schnitzel oder Pizza zu kochen. Stattdessen zaubert er Gourmet-Menus auf die Theke, was einen akuten Gästemangel zur Folge hat.

Zu allem Übel hat Zinos auch noch seinen nichtsnutzigen Bruder Ilias (Moritz Bleibtreu) am Hals, der frisch aus dem Knast kommt und für seine Bewährung einen Job braucht. Weshalb er Zinos überredet, ihn anzustellen, nur zum Schein natürlich, denn Arbeiten kommt selbstverständlich nicht in Frage.

Soul Kitchen

Gott ist ein DJ

Ganz schön viel los - und eigentlich möchte Zinos doch so gerne zu Nadine nach Shanghai ziehen. Doch wie soll es dann mit dem Soul Kitchen weitergehen? Zwar hat er ein Kaufangebot von seinem alten Kumpel Tom Neumann (Wotan Wilke Möhring). Doch ein Verkauf kommt für ihn nicht in Frage, das Soul Kitchen ist schliesslich sein Lebenswerk. Aber wer könnte es dann weiter betreiben? Etwa Ilias? Wohl nicht wirklich. Oder etwa doch...?


DVD-Rating

Fatih Akin hatte grossen Respekt vor "der Königsdisziplin" Komödie. Mit seinem ersten Streifen in diesem Genre hat er bravouröse Arbeit geleistet, die auch beim Publikum gut angekommen ist. Er präsentiert den Zuschauern diverse verwickelte Storystränge, die sich bis zum Ende alle elegant auflösen. Die Geschichte bleibt bodenständig und real, auch vor dem Hintergrund der Dokusoaps von deutschen Auswanderern, die so gerne ohne irgendwelche Vorkenntnisse Restaurants in der Fremde eröffnen. Manche Entwicklungen sind etwas gar absehbar, und die durch ein den Gerichten beigemischtes Aphrodisiakum ausufernde Party in der Mitte des Filmes ist sicher nicht jedermanns Sache. Am Schluss des Filmes geht dann auch alles ein wenig zu schnell und glatt, doch im Ganzen macht der Film gute Laune und viel Spass.

Die Figuren sind eigene Charaktere, skurril und trotzdem echt genug, um die Story glaubhaft zu machen. Das Ensemble ist super besetzt. Insbesondere Adam Bousdoukos vermag seine Hauptrolle mühelos auszufüllen. Birol Ünel sieht man als durchgeknallten Koch leider viel zu selten, er dreht dafür in seinen Szenen so richtig auf. Auch die anderen Nebenfiguren sind durchgehend toll gewählt und bringen ihre Rollen überzeugend rüber. Moritz Bleibtreu hat für Soul Kitchen sogar auf eine Rolle in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds verzichtet. Gute Entscheidung.

Passend zum Titel trumpft der Film mit einem fetzigen Soundtrack auf. Interessante Information am Rande: Die Band des Kellners Lutz ist Lucas Gregorowicz' tatsächliche Band und sorgt für ordentlich Live-Musik. Als Hommage an Akins Heimatstadt sind reizvolle touristische und weniger bekannte Stellen Hamburgs zu sehen.

Fazit: Soul Kitchen ist nicht nur Essen für die Seele, sondern auch ein Film fürs Gemüt. Mit viel Schwung lässt das Feelgood-Movie den Zuschauer mitfiebern, weinen und ganz viel lachen. Perfekt für einen lustigen Kochabend mit Freunden... und auch sonst.

Die Extras vermögen leider mit einem Making-of und Trailer nicht richtig zu punkten. Dafür ist das Menü der DVD sehr liebevoll gestaltet. Jedes Menü spielt sogar ein eigenes cooles Musikstück ab.

4.6 Sterne 3.6 Sterne
4.6 Sterne (37 Bewertungen) | 0 Kommentare

5.55.5
06.10.2010 / ebe (Inhalt), nwe (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 10.09.2010

  • Bildformat: 16/9
  • Sprachen: Deutsch (DD 2.0); Deutsch, Französisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch; Französisch
  • Extras: Trailers; Making-of