Albert Schweitzer (2009)
Albert Schweitzer (2009)
Oder: Urwalddoktor gegen CIA
In den USA der McCarthy-Ära muss man vorsichtig sein, mit wem man befreundet ist. Der Elsässer Albert Schweitzer (Jeroen Krabbé) versteht sich aber nun mal gut mit seinem Namensvetter Albert Einstein (Armin Rohde), der gemeinsam mit Atombomben-Erfinder Robert Oppenheimer eine vehemente Kampagne gegen nukleare Waffen startet. Schweitzer will sich dort raushalten und friedlich im fernen Flussdorf Lambaréné in Gabun (Westafrika) die Leprakranken pflegen und ein Krankenhaus aufbauen.
Doch die Sache ist nicht so einfach: Die CIA funkt immer wieder dazwischen und will unbedingt diese anti-nuklearen, kommunistischen Alberts ausschalten. Wird es Albert Schweitzer trotzdem schaffen, seine humanitäre Hilfe fortzusetzen und mit Kirchenorgelkonzerten, einer französischen Fotografin und einem sympathischen PR-Berater genug Spenden aufbringen...?
Kinofilm-Rating
Der tiefe Spannungsbogen des Filmes lässt sich etwa folgendermassen zusammenfassen: "Albert Schweitzer ist und bleibt ein guter Kerl, auch wenn ihm die Frauen immer wieder Tyrannei vorwerfen. Er will doch nur die Welt (v.a. Afrika) retten, also lasst ihn doch in Ruhe. Doch es muss halt böse Menschen geben: paranoide Journalisten und das CIA mit seinen unzähligen Spionen. Warum gibt der Albert also nicht auf?"
Es wird schwer sein, etwas Gutes über dessen Machart zu schreiben. Die Story ist lasch, und die Filmform (Kamera, Schnitt, Musik etc.), die im Idealfall den Film zu einem Gesamtkunstwerk macht, bietet nichts Weltbewegendes. Der Film ist gespickt mit unzähligen Pressemitteilungen, in Gesprächen eingeflochtenen Zitaten, und am Schluss folgt natürlich die krönende Festrede beim Friedensnobelpreis, den er 1952 erhielt.
Die Geschäftsidee dieses neuen Filmformats wird man bei den Berliner Filmbossen des Labels "NFP" (Neue Filmproduktion) finden. Sie haben schon erfolgreich Luther mit einem internationalen Team produziert und mit einer einheitlich in Deutsch oder Englisch synchronisierten Fassung vermarktet. Luther wie auch Albert Schweitzer sind gedacht als Schulmaterial ab der 7. Klasse (ideal für Konfirmandengruppen).
Wenn man den Film trotzdem unbedingt im Kino sehen muss, kann man sich auf die (oft ungewollt) lustigen Dialoge freuen. Vor allem die Frauenfiguren werden von Schauspielerinnen wie Barbara Hershey und Jennifer Ulrich gekonnt gespielt. Leider nimmt aber der Utopist Schweitzer (gespielt vom Holländer Jeroen Krabbé) am meisten Platz ein. Die Afrikaner sind schrecklich stereotyp dargestellt und können fliessend Deutsch sprechen. Zum Glück singen sie am Ende alle ein Freudenlied in ihrer Landessprache, um ihr Image zu retten.
Albert Schweitzer ist eine unterdurchschnittliche, belehrende Fernsehproduktion, die ungeeignet ist für die Kinoleinwand (vor allem im synchronisierten Deutsch). Er (Der Film/Albert) will uns natürlich zum christlichen, pazifistischen Engagement anregen. Ich bezweifle aber die Wirksamkeit dieser Methode bei einer so vereinfachten Darstellung des Weltgeschehens. Es sei stattdessen wärmstens empfohlen, Caroline Links Nirgendwo in Afrika auszugraben, wenn man in eine berührende Geschichte über Europäer in Afrika eintauchen will.
![]()
2.2 Sterne (4 Bewertungen) | 0 Kommentare



