Saw VI (2009)
Saw VI (2009)
Oder: Wer da wohl hinter dem Spiegel ist...?
Zwei Personen erwachen in Kammern, die von Gitter umgeben sind. Um den Kopf haben sie eine Apparatur, welche Bolzen in Richtung Hirn presst und das auch tun wird, sollten die beiden Gefangenen nicht eigenes Fleisch auf eine Waage legen und somit ihren Tod verhindern. Während der Mann nun anfängt, sich Fett aus dem Bauch zu schneiden, krallt sich die Dame ein grosses Messer und zielt in Panik auf ihren Arm.... Die Uhr tickt, nur einer der beiden kann überleben. Willkommen in Saw 6!
Mark Hoffman (Costas Mandylor) hat also auch sein letztes Spiel als Nachfolger von Jigsaw (Tobin Bell) erfolgreich hinter sich gebracht. Ausserdem konnte er am Tatort die Fingerabdrücke seines Verfolgers anbringen, der jetzt ebenfalls zerdrückt irgendwo in der Ecke liegt. Das ist insofern natürlich super für den Bösewicht, weil die Ermittlungen jetzt davon ausgehen, dass Peter Strahm der Übeltäter ist und Hoffman somit weitere Spiele planen kann.
Er tut sich mit Jigsaws Witwe (Betsy Russell) zusammen, die ihm fünf Umschläge übergibt, welche sie in einer Box von ihrem verstorbenen Gatten erhalten hat. Das bedeutet für den Versicherungsdirektor William (Peter Outerbridge) nichts Gutes. Er, der damals John Kramer (aka. "Jigsaw") nicht aufnehmen wollte, muss nun um sein Leben kämpfen. In einem alten Zoo werden ihm vier Fallen gestellt, in denen er entscheiden muss, wer lebt und wer stirbt. Bevor er schlussendlich selber auf die Gnade seiner Opfer hoffen muss.
Hoffmann indessen sieht sich immer mehr in die Enge getrieben, als das FBI anscheinend seine Stimme von einem Jigsaw-Tonband herausfiltern kann. Auch muss der Mann sich selber seinem toten Meister stellen, denn die grösste Prüfung, der Test, den er nach eigener Aussage nicht nötig hat, steht ihm noch bevor.
DVD-Rating
Seit 2004 dominiert eine Saga, welche einst als Kurzfilm eines Studenten begonnen hat, an jedem Halloween die Kinos. Mit einem gigantischen Einspielergebnis von insgesamt etwa $700 Millionen, gehört sie nicht nur zu den erfolgreichsten Horror-Serien, sondern hat auch Lionsgate als eines der mächtigsten Horror-Studios etabliert. Inzwischen ist die gut geschmierte Saw-Maschine ein richtiger Familienbetrieb geworden, bei dem immer etwa die gleichen Autoren die Drehbücher schreiben und die Regisseure auch aus den eigenen Reihen rekrutiert werden. Für Saw 6 hat man mit Kevin Greutert den bisherigen Cutter angeheuert, der deshalb jeden Film von seiner Arbeit her bereits in- und auswendig kennt, und zum drittem Mal wird in der Serie ein Script von Marcus Dunstan und Patrick Melton verarbeitet.
Von der Geschichte her haben die Autoren Saw 4 und 5 primär dazu benötigt, um die Existenz von Agent Hoffmann zu etablieren und zu zeigen, wie er die ersten drei Filme aus dem Hintergrund geprägt hat. Saw 6 erzählt zum ersten Mal die Geschichte weiter und verdeutlicht aufs Neue, was genau Jigsaw mit seinen Spielen bezwecken oder aussagen wollte. Um jedoch bei der Handlung mitzukommen, welche sich mit vielen Flashbacks nahtlos in die bisherigen Filme eingliedert, ist die Kenntnis der Vorgänger essenziell, denn nur so ist es überhaupt möglich, die Rückblenden zu verstehen. Hat man die ersten fünf Filme jedoch im Kopf, erhält man mit dem neu auf DVD erschienenen und punktuell stark umgeschnittenen sowie um rund eine Minute erweiterten Unrated Director's Cut den wohl bislang besten Film seit Saw 3, der auch deutlich linearer als die beiden überkomplexen Vorgänger daherkommt und so auch wieder Filmgenuss ermöglicht.
Doch selbst wenn Saw 6 sich gegenüber 4 und 5 verbessert hat, von den einstigen Qualitäten ist er immer noch weit entfernt. Klar sind die Fallen gelungen, und mit dem Labyrinth im Boilerraum kann er auch mit sehr spektakulären Bildern auftrumpfen, doch das Ganze bleibt kaum mehr als gehobene Routine, welche neben einigen interessanten Aussagen lediglich gut eingespielt Menschen durch den Fleischwolf schickt. Die einst so nervenzerfetzenden Schockmomente fehlen beinahe komplett, und durch die träge Kameraführung sowie dem - für Saw Verhältnisse - inzwischen beinahe langsamen Schnitt, wird die Intensität erheblich gedämpft. Dies, kombiniert mit eher lustlos agierenden Schauspielern und den fehlenden Überraschungen, machen Saw 6 letztendlich zu einem soliden Beitrag in der Serie, der jedoch trotz einiger wüster Szenen nicht die extra Meile geht, um mit den ersten mitzuhalten.
Fazit: "Sein Wille geschehe" steht auf der DVD-Hülle, und das ist auch Programm. Was einst eine genial konstruierte Kampagne eines Krebskranken war, ist nun nur noch ein Schachspiel geworden, bei dem die Handlanger gesteuert durch einige Flashbacks über das Spielfeld huschen und offensichtlich keine Ahnung mehr haben, was das Big Picture ursprünglich gewesen ist. Da kann das Szenario sowie die Botschaft noch so gut ausgearbeitet sein, es wirkt nur noch wie eine Pflichtübung, die zu Ende gebracht werden muss, und daran kann auch der Director's Cut nur wenig ändern. Dieser hat zwar einige Punkte ausgebessert, dies wirkt jedoch mehr wie ein Kanten abrunden denn als grossräumiges Umbauen.
Die getestete DVD ist die Limited Collectors Edition, welche mit einer edlen Verpackung, dem ungeschnittenen Director's Cut sowie der Kinofassung auffährt. Ein 36-seitiges Booklet gibt ausführlich Auskunft über die Geschichte von Saw, wie es zu Saw 6 gekommen ist und bietet auch Interviews mit den Verantwortlichen. Dokumentationen, Audiokommentare und Musikvideos runden das Paket ab und geben einige oberflächliche Einblicke in die Fallen sowie einen groben Prouduktionsabriss im Making-of.
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3.6 Sterne (35 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
Limited Unrated Collectors Edition, erschienen am 06.05.2010
- Bildformat: Widescreen 1.77:1 (Anamorph)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Deutsch (DD 2.0); English (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Audiokommentare; Making of; Featurette; Trailer; Musikvideos



