The Certified Copy - Roonevesht barabar asl ast (2009)
Die Liebesfälscher
The Certified Copy - Roonevesht barabar asl ast (2009) Die Liebesfälscher
Oder: Kennen wir uns?
Der britische Autor James Miller (William Shimell) hat kürzlich ein Buch über Originale und Kopien von Kunstwerken geschrieben und hält nun in einer italienischen Stadt einen Vortrag. Danach trifft er sich mit einer französischen Galeristin (Juliette Binoche), die schon seit fünf Jahren in der Stadt wohnt. Er ist nur mässig interessiert daran, die Kunstwerke in ihrer Galerie zu betrachten, lieber möchte er etwas von der wunderschönen Landschaft sehen, bevor er abends wieder auf den Zug gehen muss.
Also sitzen die beiden ins Auto und fahren los in Richtung des nahe gelegenen Städchens Lucignano. Schon auf der Fahrt dorthin beginnen sie, angeregt zu diskutieren - zunächst über Kunst, dann übers Leben, die Liebe und Gott und die Welt. Zwischen den beiden herrscht eine seltsame Vertrautheit, fast scheint es, als hätten sie sich zuvor schon gekannt. Oder tun sie das tatsächlich? Sind sie gar miteinander verheiratet?
Kinofilm-Rating
Nein, ein massentaugliches und unterhaltsames Popcornmovie ist Certified Copy nun nicht gerade. Sondern dialog- und kopflastiges Intellektuellenkino. Ein Film der Sorte, die in Filmwissenschafts- oder Semiotikseminaren gezeigt und anschliessend auseinandergenommen wird. Und zu diskutieren und zu interpretieren gibt es so einiges. So zunächst natürlich die Story, die auf zwei verschiedene Weisen ausgelegt werden kann: Sind die Charaktere von Juliette Binoche und William Shimell nun Unbekannte, die im Verlaufe des Tages eine Art Rollenspiel zu spielen beginnen, in dem sie Ehemann und Ehefrau mimen? Oder verhält es sich umgekehrt, nämlich, dass das Rollenspiel am Anfang stattfindet und die beiden seit Jahren Verheirateten vorgeben, sich das erste Mal zu treffen?
Eine Antwort auf diese Frage wird bewusst unterlassen. Denn bei der Konstellation handelt es sich um eine Variation des Grundthemas "Original und Kopie", das im Film immer wieder aufgegriffen und in unterschiedlicher Weise dargestellt wird. Binoche und Shimell (der hauptberuflich übrigens Bariton ist und hier ein beachtliches Filmdebut absolviert) agieren dabei wie Figuren in einem Spiegelkabinett. In der malerischen Umgebung der Toskana tasten sie sich in drei Sprachen - Englisch, Französisch und Italienisch - aneinander heran, glauben sich gefunden zu haben, nur um zu erkennen, dass es sich um ein Spiegelbild handelt.
Dieses Verwirrspiel ist sauber und präzise inszeniert, doch gerade wegen seiner Dialoglastigkeit für den Zuschauer auf Dauer ermüdend. Wenn dann sogar Nebenfiguren wie eine Wirtin oder ein Touristenpaar druckreife Sätze sprechen, wirkt das doch arg realitätsfern - doch halt! Wie war nun schon wieder das Grundthema des Filmes? Richtig: Original und Kopie...
Abbas Kiarostamis erster Film, den er ausserhalb des Irans gedreht hat, ist schwer geniessbare Kinokost - ein Film zum mit dem Notizblock schauen. Man kann ihn für prätentiöses Kritikerkino halten und hat damit bestimmt nicht völlig unrecht. Allerdings, und das ist die gute Nachricht, regt er auch übers Filmende heraus zum Denken an. Damit hat er doch zumindest etwas erreicht, was nicht jeder Film schafft. Das wirklich Schöne ist aber, dass man, auch wenn der Film reichlich Stoff für kluge Interpretationen bietet, dennoch keine Seminararbeit darüber schreiben muss. Das überlassen wir mal gerne den Filmwissenschaftsstudierenden.
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