Rage (2009)
Rage (2009)
Oder: Mord an der Modenschau
Der kleine Michelangelo macht einen Videoblog. Sein Thema: Die wichtigen und unwichtigeren Player rund um eine Modenschau. Alle nehmen sich Zeit für Interviews. Der Designer Merlin (Simon Abkarian), Paparazzi-Fotograf Frank (Steve Buscemi), Fashion-Kritikerin Mona Carvell (Judi Dench), die Transe Minx (Jude Law), PR-Profi Otto (Jakob Cedergren), das "Gesicht des letzten Jahres" Lettuce Leaf (Lily Cole) und die Näherin Anita (Adriana Barraza). Desweiteren Investoren, Geschäftsinhaberinnen, Praktikanten, Leibwächter und ein geltungssüchtiger Pizzakurier aus Indien.
Die Festlichkeiten, um die sich alles dreht, werden empfindlich gestört, als eins der Models auf dem Laufsteg zu Tode kommt. Ein Inspektor (David Oyelowo) beginnt sich jetzt für die Szenerie zu interessieren. Und die Video-Interviews, welche Michelangelo im Internet publiziert, werden zum Problem.
Kinofilm-Rating
Wer sich noch an die Switch-Werbeskampagne von Apple Computer erinnert, die das bekifft wirkenden Mädchen Ellen Feiss für kurze Zeit berühmt machte, kann sich bestens vorstellen, wie Sally Potters Experimental-Film Rage aussieht. Von denen gab es ja eine ganze Reihe. Und immer sprach ein Mensch vor einem weissen Hintegrund in die Kamera. Bei Potter sind die Hintergründe farbiger - wie später bei der Apple iPod-Werbung mit den schwarzen Schatten. Und der Film dauert länger als die 40-sekündigen Spots. Das ist eins der Probleme des Films. Auf Dauer ist es ermüdend, einem "Krimi" (oder ist es sogar eine "Satire"?) zu folgen, die einem NUR erzählt wird, ohne dass man die Handlung wirklich sieht. Die Todesfälle, der Catwalk, die Demonstrationen vor dem Modehaus nimmt man nur akustisch wahr. Ansonsten: Schön gekleidete und übergeschminkte Menschen, die in die Kamera sprechen, der von Michelangelo, dem stummen Erzähler.
Der Reiz verpufft so viel zu schnell, wenn Potter-Spezis wie Azabarian sich verhaspeln, Jude Law als osteuropäische Mannsfrau Minx fast nicht wieder zu erkennen ist, die ausserirdisch schöne Lily Cole für ein Model nicht einmal schlecht schauspielert und die Anzüge der Herren exquisit sind. Hier haut sich die gewollte Satire über die Modeindustrie gleich nochmal ins eigene Fleisch, und zelebriert das Schöne, wo sie das Hässliche anprangern will. Um die Message zu vermitteln, dass jedes Kind merken könnte, dass die Modeindustrie oberflächlich ist, hätte es den Film nicht gebraucht. The Devil wears Prada hatte da sogar mehr Biss. Während der Berlinale liess die Branchenpresse dann auch kein gutes Haar am Film. Dass sowas nichts an einem A-Festival zu suchen hätte, war noch das Schmeichelhafteste, das bei Variety und Co. zu lesen war.
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