Pope Joan (2009)

Die Päpstin

Pope Joan (2009) Die Päpstin

Oder: Was wäre, wenn...

Pope Joan

"Die Grundlagen zuerst: Abracadabra!"

Anfang des 9. Jahrhunderts nach Christus wird in dem Dorf Ingelheim das Mädchen Johanna (Johanna Wokalek) geboren. Ihr Vater, der Dorfpriester (Iain Glen), ist ebenso sadistisch wie gottesfürchtig. Johannas Brüder lernen vom ihm lesen und schreiben, doch seiner Tochter verbietet er es. Daraufhin überzeugt diese ihren älteren Bruder, es ihr heimlich beizubringen. Von der Mutter lernt das hochintelligente Mädchen die Kräuterheilkunst. Eigentlich sollen die beiden Söhne des Priesters die Schule besuchen, aber eine Schicksalsfügung nach der anderen bringt schliesslich Johanna dorthin, zusammen mit ihrem unbegabten Bruder Johannes (Jan-Hendrik Kiefer).

Pope Joan

Mit der Frisur würde jeder traurig gucken.

Dort ist sie das einzige Mädchen und darf nicht mit den Jungen zusammenwohnen. So ergibt es sich, dass der Ritter Gerold (David Wenham) Johanna bei sich aufnimmt. Zwischen den beiden entsteht eine innige, freundschaftliche Beziehung, die mit Johannas Heranwachsen zu Liebe wird. Doch die Frau des Ritters möchte Johanna loswerden, indem sie sie verheiratet. Ein Überfall der Normannen während der Trauung setzt Johanna frei. Sie flüchtet in ein Kloster in Fulda, wo sie sich als Mönch ausgibt. Ihr medizinisches Wissen macht sie schnell in der ganzen Region bekannt, doch als ihre Täuschung aufzufliegen droht, flüchtet die junge Frau abermals. Es verschlägt sie nach Rom, wo eine Nacht am Krankenbett des Papstes ihr Leben ein weiteres Mal umkrempelt.


DVD-Rating

Die Päpstin basiert auf dem gleichnamigen Roman von Donna Woolfolk Cross, der sich mit der bewegten Lebensgeschichte der weiblichen Päpstin Johanna beschäftigt hat. Ihre Existenz wird inzwischen jedoch als Legende eingestuft, die ihren Ursprung im 13. Jahrhundert hat und inzwischen - da ihre Existenz angeblich im 17. Jahrhundert ausradiert wurde - nur noch bedingt mit Beweisen untermauert werden kann. Ob jetzt Legende oder nicht, Die Päpstin ist eine deutsch-britisch-italienisch-spanisches-Koproduktion welche nach einigen Last-Minute Anpassungen im Cast und in der Regie unter der Führung von Sönke Wortmann in Produktion ging.

Als Film erzählt Die Päpstin eine genauso zeitlose wie epische Geschichte über eine Frau, die sich den Widrigkeiten des 9. Jahrhunderts widersetzt, einen schier endlosen Wissensdurst besitzt und so mit einer unerschütterlichen Entschlossenheit Schritt für Schritt den Weg an die Spitze der katholischen Kirche erarbeitet. Für den Film wurde jedoch, selbst mit einer Spielzeit von über 2.5 Stunden, einiges vereinfacht, herausgeschnitten und begradigt, damit alle Abschnitte von Johannas Geschichte auch erzählt werden können. Gleichzeitig fällt jedoch auch einiges an Dramatik weg, und besonders im letzten Drittel wurden einige Intrigen und Kriegsgeplänkel weggelassen. Aus diesem Grund bleibt es dem Film auch verwehrt, ein wirkliches Finale zu bieten. Ein Phänomen, das sich leider durch die ganze Spielzeit durchzieht, denn selbst die epische Geschichte und die guten Figuren werden kaum genutzt, um auch wirklich eine spektakuläre Geschichte zu erzählen. Die Inszenierung verharrt auf routiniertem TV-Niveau und die Handlung dümpelt beinahe im Tempomat auf das Finale zu.

Dennoch, selbst wenn einiges zusammengestrichen und auch vereinfacht wurde, Die Päpstin erzählt immer noch eine sehr eindrückliche Geschichte über ein Mädel und später eine Frau, welche unter der permanenten Gefahr, entdeckt zu werden, ihr Ziel verfolgt und dank der Unterstützung einiger rational denkender Individuen auch die Möglichkeit hat, sich im doch sehr engstirnigen Mittelalter zu behaupten. Deshalb folgt man auch gerne der Geschichte und den Abenteuern der kleinen Johanna und verzeiht auch einige recht eindimensionale Charaktere sowie die recht blass agierende Johanna Wokalek.

Fazit: Die Päpstin ist ein Historienepos, das mit klaren Limitierungen im Budget sowie dem bedingt geeigneten Regisseur Sönke Wortmann zu kämpfen hat. Selbst wenn der Film von guten Schauspielern getragen wird, ist er trotz der realistischen sowie gelungenen Aufmachung in Sachen Kameraführung auf TV-Niveau inszeniert und wirkt auch handlungstechnisch eher unspektakulär wie auch gekürzt. Dennoch sind dies Punkte, welche eher bei näherem Hinschauen auffallen, wenn man für ein Review danach sucht, primär wird eine epische Geschichte um eine sympathische Figur erzählt, welche sehenswert ist und auch mit guten Dialogen sowie spektakulären Bildern überzeugen kann.

Die DVD liefert den Film in einer guten Qualität welche auch im Ton überzeugen kann. Das Bonusmaterial ist im Verhältnis jedoch nahezu lächerlich und gibt im Drei-Minuten-Making-of lediglich einen äusserst symbolischen und oberflächlichen Einblick in die Produktion.

3.5 Sterne 2.8 Sterne
3.5 Sterne (33 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
21.04.2010 / aru (Inhalt), db (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 08.04.2010

  • Bildformat: Widescreen 2.35:1 (Anamorph)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Englisch (DD 5.1); Deutsch für Hörgeschädigte (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
  • Extras: Audiokommentar; Darstellerinfos; Making-of (ca. 3 Min.)