Pianomania (2009)
Pianomania: Auf der Suche nach dem perfekten Klang
Pianomania (2009) Pianomania: Auf der Suche nach dem perfekten Klang
Oder: Stimmwunder
Stefan Knüpfer ist Klavierstimmer bei Steinway & Sons und einer der besten seines Fachs in Österreich. Das wissen auch bekannte Pianisten wie Lang Lang, Alfred Brendel oder Pierre-Laurent Aimard, die regelmässig mit ihm zusammenarbeiten. Wie die Künstler selber strebt auch Knüpfer den perfekten Klang des Instrumentes an. Den zu erreichen setzt einen akribischen Stimm-Prozess voraus, bei dem der Techniker für kleinste Tonnuancen mitunter den halben Flügel demontieren muss.
Die Aufnahmen des Klavierkonzertes "Die Kunst der Fuge" von Bach werden so zur intensiven Forschungsarbeit. Pierre-Laurent Aimard, der es einspielt, gibt Knüpfer fortlaufend seine Klangwünsche weiter. Das Klavier muss genau auf den Aufnahmeraum und die Vorstellungen von Aimard abgestimmt werden. Knüpfer experimentiert, schraubt und bastelt unter grossem Zeitdruck daran herum. Dabei sind immer wieder neue Herausforderungen zu meistern. Mal sind die Hammerköpfe zu schmal, mal klingt der Flügel unten im Keller besser als der auf der Bühne. Knüpfer verlässt dabei nie den Mut, und er findet auch für die vertrackteste Situation stets eine Lösung.
Kinofilm-Rating
Es ist erstaunlich: Diese Beobachtung eines Klavierstimmers bei der Arbeit funktioniert als Film grossartig. Bedenken über undurchsichtiges Fachgesimpel und langweiliges Handwerkertum werden nach wenigen Minuten bereits zerstreut. Natürlich reden Knüpfer und Aimard gerne mal wieder von "offenen Klängen" und "atmenden Tönen". Trotzdem bleiben einem auch ohne perfektes Musikgehör über die ganze Spielzeit kaum Türen verschlossen.
Gründe für das Gelingen der Dokumentation von Robert Cibis und Lilian Franck gibt es einige. So paart sich die wissenschaftliche Sezierung der Eigenschaften eines Klaviers mit einem zügigen Erzähltempo. Der Zeitdruck wird spürbar, wenn Knüpfer etwa zum wiederholten Male die Treppen runter rennt, um eine weitere Anpassung am Instrument vorzunehmen. Der entstehende Sog zieht den Zuschauer in die Materie hinein - Klassikfan hin oder her. Natürlich werden aber passionierte Anhänger von E-Musik an diesem Film besonders Freude haben.
Entscheidend ist aber in jeglicher Hinsicht die Wahl von Knüpfer als Porträtierten. Der Mann beweist sich immer wieder aufs Neue als humorvoller Kommunikator und ist weit davon entfernt, ein verstockter Technik-Nerd zu sein. Vielfach übernimmt Knüpfer redefreudig sogar den Part des hier inexistenten Erzählers. Seine Gespräche mit Aimard sind freundschaftlich wie auch fokussiert, haben Tiefe und sind doch mitunter wunderbar flapsig. Aimard selbst besitzt zudem die Ausstrahlung eines Perfektionisten, dem jegliche Arroganz und Borniertheit abgeht.
Pianomania schafft es, ein wenig bekanntes und oberflächlich betrachtet langweiliges Thema spannend ins Szene zu setzen. Dank aufwändigen Aufnahmen in Dolby-Surround-Sound erhält der Film zusätzlich an Reiz und wird so zu einem eindrücklichen Klangerlebnis.
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