Persécution (2009)

Persécution (2009)

Oder: Look who's stalking

Persécution

Wieder hip: der Schlabberhosenlook!

Daniel (Romain Duris) schlägt sich als Lebenskünstler durch, arbeitet mal hier, mal dort, macht in seinem modischen Bartstoppeln-Look eine gute Falle und hat mit Sonia (Charlotte Gainsbourg) eine mehr als vorzeigbare Freundin. Alles perfekt also, wäre da nicht ein anscheinend nicht ganz dichter Stalker (Jean-Hugues Anglade), der ihm immer mal wieder ungebetene Besuche abstattet. Manchmal liegt er sturzbetrunken und splitternackt in Daniels Bett und lechzt nach Zuneigung, manchmal demoliert er eben mal kurz dessen Wohnung.

Persécution

"Wo sind die Frauenparkplätze...?"

Doch Daniels Leben gerät auch sonst langsam aber sicher aus der Bahn. Er ist sich nicht sicher, ob ihn Sonia wirklich liebt und lebt seine Unzufriedenheit aus, indem er alle seine Mitmenschen aggressiv, schnoddrig und misstrauisch behandelt. Ganz besonders natürlich den unerschrockenen Stalker, der sich aber dennoch nicht davon abhalten lässt, sein Objekt der Begierde weiterhin aufzusuchen. Und siehe da, langsam scheinen sich die beiden näherzukommen...


Kinofilm-Rating

Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn man sich nach einem Film zuerst im Presseheft schlau machen muss, worum es eigentlich gegangen ist. So wie bei Persécution. Es wird viel, sehr viel geredet in Patrice Chéreaus Film, leider steht das Gerede in umgekehrter Proportion zur kaum auszumachenden Handlung. Diese besteht hauptsächlich darin, dass der omnipräsente Hauptdarsteller Romain Duris mit verbissen zerkniffenem Gesicht durch die Stadt hetzt und in seinem unverständlichen Französisch - ohne Untertitel ist hier auch der französischkundige Deutschschweizer überfordert - Leute anzischt. Zwischendurch surft Charlotte Gainsbourg durch den Film, zeigt etwas nackte Haut und vergiesst einige Tränen. Dann switcht der Fokus aber schnell wieder auf den Protagonisten, der nach spätestens einer halben Filmstunde gehörig auf die Nerven zu gehen beginnt. Da hilft auch Jean-Hugues Anglade, eine Art französische Version von Dustin Hoffman, nicht wirklich weiter. Seine Figur, die wohl mysteriös angehaucht sein sollte, ist primär vor allem eines: unglaubwürdig.

Aber zurück zur Eingangsfrage: Worum geht es in Persécution? Um Bessessenheit? Um Verfolgung und Verfolgungswahn? Um nicht verarbeitete Jugendtraumata? Um Beziehungskisten? Um das Älterwerden? Um den Sinn des Lebens? Wohl von allem ein bisschen, aber von nichts richtig. Die Geschichte bietet jedenfalls ein ordentliches Mass an Interpretationspotenzial - wenn man sich denn dafür interessieren würde. Aber das Minimum an Story vermag leider auch von den Schauspielern nicht wettgemacht zu werden, so redlich auch ihre Mühe ist. Schade ist's um Charlotte Gainsbourg, die nach Antichrist hier einen Auftritt hat, der es später in ihrer Filmographie wohl bloss zu einer Randnotiz bringt. Schade auch um die telweise gute Musik, die von einem wirklich feinen Schlusssong gekrönt wird. Wäre nur der ganze Film so berührend.

1.7 Sterne
1.7 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

1.51.5
05.09.2009 / ebe