Partir (2009)
Die Affäre
Partir (2009) Die Affäre
Oder: La bourgeoise et le prolo
Für die vierzigjährige Suzanne (Kristin Scott Thomas) läuft es eigentlich ganz gut. Ihre Kinder im Teenie-Alter sind wohlgeraten, Gatte Samuel (Yvan Attal) ist vermögend, die gemeinsame Villa in Nîmes geräumig. Doch nach fünfzehn Jahren Hausfrauendasein sehnt sich Suzanne nach ihrem alten Job als Physiotherapeutin. Sie überredet ihren Mann zum Umbau eines Schuppens im Garten, der ihre neue Praxis werden soll. Dabei lernt sie den spanischen Bauarbeiter Ivan (Sergi Lopez) kennen.
Die handwerkliche Arbeit beim Praxisaufbau verbindet, und Suzanne und Ivan sind sich sofort sympathisch. Als sich Ivan eines Tages am Fuss verletzt, fühlt sich Suzanne schuldig und fährt den Verletzten gar nach Spanien, damit er seine Tochter besuchen kann. Zurück in Nîmes beginnen die beiden eine leidenschaftliche Affäre. Suzanne kann diese aber vor ihrem Ehemann nicht verheimlichen. Samuel reagiert böse. Als Suzanne sich trotz allem wieder mit Ivan trifft und gar die Scheidung verlangt, lässt Samuel die beiden seine Macht in der Kommune spüren. Er sperrt gemeinsame Konten und erlässt ein faktisches Berufsverbot für Suzanne und Ivan. Mit immer weniger Geld muss sich das Liebespaar durchschlagen.
Kinofilm-Rating
Dass Partir tragisch enden wird, ist von Anbeginn an klar. Der Film von Catherine Corsini beginnt mit einem nächtlichen Schuss in der Villa der Hauptprotagonisten. Nur wer auf wen geschossen hat, bleibt vorerst unklar. Stattdessen geht die filmische Reise sechs Monate zurück zum Beginn der amour fou.
In simplen und trotzdem vielsagenden Einstellungen, meist in der Totalen, wird eine erloschene und eine neu keimende Liebe dargestellt. Kristin Scott Thomas und Ivan Attal schweigen sich im Ehebett an, während sie Sergi Lopez immer schmachtendere Blicke zuwirft, bis die Liebe deftigst konsumiert wird. Es hat etwas Animalisches, wie sich Kristin Scott Thomas dem vorbestraften Handarbeiter in der freien Natur hingibt, und man staunt, welche Bruchbuden sie für etwas dirty sex gegen ihr nobles bisheriges Heim tauscht. Das erinnert einerseits an den Erotik-Klassiker Lady Chatterley, ist aber gleichzeitig auch ein Kommentar über zwei wurzellose Fremde in Frankreich: Thomas spielt eine aus England Ausgewanderte und Lopez den katalanischen Gastarbeiter. Faszinierend an Thomas‘ Performance ist, dass man sich nie ganz sicher ist, ob sie einfach spinnt oder wirklich schrecklich verliebt ist. Sie gibt nicht nur in den expliziten Sexszenen alles, sondern auch bei den saftigen Streits mit Attal. Regisseurin Catherine Corsini hat der britischen Schauspielerin die Rolle auf den Leib geschrieben.
Partir ist eine schlichte Story über eine Dreiecksbeziehung mit einer verblüffend kompromisslosen Frau im Zentrum. Für solche Heldinnen sieht das Kino kein Happy End vor. Im Hintergrund der trügerisch glücklichen Schlusseinstellung sind bereits die Sirenen zu hören. Wem sie gelten, sei an dieser Stelle aber nicht verraten.
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