Oscar et la dame rose (2009)
Oskar und die Dame in Rosa
Oscar et la dame rose (2009) Oskar und die Dame in Rosa
Oder: Wenn aus 12 Tagen 120 Jahre werden.
Der 10-jährige Oscar (Amir) hat Krebs und verbringt deshalb seine Tage im Krankenhaus. Freunde hat er nur innerhalb des Gebäudes, herausgehen darf er nicht. Eines Tages begegnet er Rose (Michèle Laroque). Die Frau, welche Pizzas bäckt und diese auch selbst ausliefert, ist nicht gerade auf den Mund gefallen, was den Kleinen fasziniert. Sie scheint ihm etwas Sonne in sein Leben zu bringen. Die kann Oscar gerade gut gebrauchen, denn er hat soeben mitbekommen, dass er noch zwölf Tage zu leben hat. Er verschliesst sich völlig und will nur noch mit der Dame im rosa Kleid reden.
Die Ärzte unter der Leitung von Dr. Düsseldorf (Max von Sydow) bestellen von nun an jeden Tag Pizzas, damit Rose wieder in das Krankenhaus zu Oscar zurückkehrt. Um den Kleinen aufzumuntern, lässt sich Rose etwas ganz Spezielles einfallen: Sie sagt, dass Oscar sich jeden einzelnen Tag wie 10 Jahre vorstellen soll. Nach dem Ende der zwölf Tage wäre er 120 Jahre alt und hätte so ein ganzes Leben gehabt. Zusätzlich kann er sich jeden Tag etwas vom lieben Gott wünschen. Eine unzertrennliche Freundschaft entsteht, obwohl das Unvermeidliche immer näher rückt.
Kinofilm-Rating
Was würde man tun, wenn man nur noch wenige Tage zu leben hätte? Die meisten würden wahrscheinlich irrsinnige Dinge tun, die sie sich sonst nie trauen würden. Doch was macht ein Kind, das erst am Anfang seines Lebens steht? Die Idee von Eric-Emmanuel Schmitt, dass man einfach ein ganzes Leben in wenigen Tagen leben soll, hört sich zwar etwas seltsam an, ist aber weit weniger irrsinnig als mögliche andere Pläne.
In Schmitts Film, der auf seinem eigenen Roman beruht, ist es zwar Winter, trotzdem bringt er genügend Wärme in die Geschichte. Sein Werk hat sehr viel Herz und reisst den Zuschauer alleine von der Ausgangslage her bereits mit. Mit dem kleinen Amir hat er zudem einen Casting-Coup gelandet. Der Kleine ist richtig süss, und man möchte ihn selbst in den Arm nehmen und ihm in seiner schwierigen Zeit beistehen. Seine Partnerin Michèle Laroque gefällt mit Witz und Charme.
Obwohl das Ende klar ist, unterhält der Film während der ganzen Spielzeit hervorragend. Die Pubertät, die Midlife-Crisis oder das Älterwerden werden im Schnelldurchlauf durchgebracht, und trotzdem behält der Film über die ganze Zeit seinen etwas kindlichen Witz. Die Erzählungen von Rose über ihre angebliche Karriere als Wrestlerin sind zwar etwas zu abgedreht und zu bunt inszeniert, aber dies lässt sich verschmerzen.
Was hingegen mehr stört, ist, dass das Ganze gegen Ende hin beinahe zur Werbung für das Christentum verkommt. Etwas weniger Gerede über die Religion hätte dem Film gut getan. So hat man die ganze Zeit das Gefühl, dass Schmitt den Zuschauer bekehren möchte. Das Ende lässt dann noch Max von Sydow beinahe zum Gott aufsteigen - was aber in diesem Falle Ansichtssache ist.
Fazit: Oscar et la dame rose ist ein herzerwärmender, humorvoller, aber auch tieftrauriger Film. Mit witzigen Ideen und zwei gut zusammenspielenden Hauptdarstellern ist Schmitt ein toller Film gelungen, der nahe geht und zum Nachdenken über das eigene Dasein anregt. Denn auch ohne Irrsinn ist das Leben bereits genug aufregend.
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