Ordinary People (2009)

Ordinary People (2009)

Oder: Der richtige Mann am falschen Ort

Ordinary People

Der einsatzbereite Dzoni.

Kasernenalltag für Dzoni (Relja Popovic): Frühmorgens aufstehen. Zimmerinspektion. Duschen. Anstehen in der Fassstrasse. Doch diesmal geht die kriegerische Mission seines Soldatentrupps in unbekannte Richtung. Der Radioempfang ist gestört im balkanischen Niemandsland, in das der Bus die Soldaten transportiert. Viel zu erleben ausser der tropischen Hitze gibt es nicht. Die Schattenplätze sind rar, der Tagesbefehl unklar. Bis ein Lastwagen weitere Männer herkarrt. Diesmal in zivil. "Wir kümmern uns um den Feind", bellt der Zugführer, bevor die ersten Exekutionen stattfinden. Dzoni macht mit - widerwillig zwar, aber er macht mit.


Kinofilm-Rating

Untersuchungen an der Standford-Uni haben gezeigt, dass es für gewalttätige Ausbrüche unter Männern nicht viel braucht. Auch der deutsche Film Das Experiment nahm dies zur Grundlage für ein erschreckendes Drehbuch. Ordinary People von Vladimir Perisic schildert ähnliche Mechanismen vor einem realen Hintergrund. Weil Perisic serbischen Ursprungs ist, spielt der Film im Jugoslawien-Krieg. Den Regisseur hat vor allem die Tatsache beunruhigt, dass auch er zu der Generation gehört, die für die Taten in Frage gekommen wäre.

Gedreht wurden die Szenen immer zu der Zeit, wo das Geschilderte auch hätte stattfinden können. Das gibt dem Film auch in den nicht direkt als brutal zu bezeichnenden Szenen einen drastischen Realismus. Geschickt lässt uns Perisic an der Kasernen-Monotonie teilnehmen, bis wir nicht mehr anders können, als uns den jüngsten Soldaten als "Sympathieträger" zu schnappen. All dies, bevor die Greueltaten beginnen, damit die These, dass nicht jeder Killer ein Monster ist, untermauert werden kann.

"Wie hätten wir gehandelt?", ist die Frage, die sich bei dieser Art von Filmen immer stellt. Deshalb ist Ordinary People nur ein weiterer Beitrag zur ewigen Frage, ob Soldaten Mörder seien. Eine definitive Antwort verweigert uns Perisic bewusst. Wir sind deshalb am Ende des Films genauso allein mit unseren Gedanken wie der Soldat, der als Teil eines mörderischen Systems zum Töten gebracht wurde.

4.0 Sterne
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19.05.2009 / rm