Nothing Personal (2009)
Nothing Personal (2009)
Oder: Ein Reboot tut immer gut...
Stumm sieht Anne (Lotte Verbeek) zu, wie die Passanten sich gegenseitig die Gegenstände aus den Fingern reissen, welche sie zuvor dort platziert hat. Sie hat ihre ganze Wohnung ausgeräumt und kehrt Holland den Rücken. Nur mit einem Rucksack und ein paar elementaren Gegenständen wie Zelt und Schlafsack bricht sie nach Irland auf und wandert dort in völliger Einsamkeit durch die Wildnis. Nur gelegentlich bedient sie sich des Autostops, doch diese Begegnungen sind ihr verhasst, denn sie will nur ihre Ruhe haben und sich die Menschen so weit als möglich vom Leib halten.
Doch dann wird sie eines Morgens vom schrulligen Martin (Stephen Rea) angesprochen, der ihr Essen anbietet, wenn sie ihm im Garten helfe. Anne stimmt zu, doch als es beim Abendessen zum Streit kommt, will sie wieder abhauen. Schliesslich machen sie einen Handel, dass Martin nicht von sich erzählt und dass man keine persönlichen Fragen stellen darf. So kommen die beiden langsam in einen Trott hinein und arrangieren sich miteinander. Martin erklärt ihr die Arbeit, sie führt sie aus und er versorgt sie mit Mahlzeiten, welche er ihr jeweils bereit stellt, da sie nicht gemeinsam essen. Doch obwohl sie nur das nötigste miteinander sprechen, beginnen sich die Schutzmauern langsam abzubauen und sie lernen sich schrittweise etwas kennen. Doch wird sich Anne darauf einlassen, wird sie wieder sesshaft werden oder macht sie vielleicht vorher ihren Abgang?
Kinofilm-Rating
Einsamkeit findet sich oft am Internationalen Filmfestival von Locarno 2009. Der erste abendfüllende Spielfilm von Regisseurin Urszula Antoniak erkundet ebenfalls diesen Wunsch nach Einsamkeit, den einige Menschen aus verschiedenen Gründen und auf verschiedene Arten suchen. Dabei distanziert sie sich sehr stark von den üblichen Hollywoodproduktionen und hat mit ihrem Film nicht in erster Linie das Ziel, den Zuschauer zu unterhalten, sondern still und ruhig die beiden Menschen zu erkunden, welche letztendlich trotz ihres Wunsches nach Einsamkeit doch wieder eine Beziehung suchen.
Nothing Personal beginnt mit der Auflösung von Annes Wohnung und folgt ihr ab da in ruhigem und beinahe dokumentarischen Stil, ohne jeglichen Soundtrack, auf ihren Reisen, die quer durch die weiten Ebenen von Irland führen. Dabei vermeidet Regisseurin Antoniak weitgehend, das Ganze zu romantisieren, und selbst wenn es grösstenteils ausgeblendet wird, zeigt sie auch die harten Seiten eines solchen Vagabundenlebens wie beispielsweise die Essensbeschaffung. Doch da diese Wanderschaftssequenz eher kurz gehalten wird, da sie schon bald auf Martin trifft, denkt man nicht länger darüber nach, doch es ist klar, dass Anne die ganze Sache wohl nur sehr kurzsichtig geplant hat.
Der Kern von Nothing Personal bleiben jedoch die beiden Charaktere Anne und Martin, welche sich zuerst abstossen und sich dann doch langsam annähern. Dabei kommt es trotz weniger Dialoge regelmässig zu amüsanten Momenten, welche den eher trist und gemächlich gehaltenen Film etwas aufhellen. Doch mit dem Wegfall von viel Gerede ist auch zum grössten Teil unklar, was überhaupt vor sich geht, und wenn Anne schon Arbeiten erledigen muss, dann wäre es noch interessant gewesen, die Frage zu beantworten, warum sie überhaupt etwas macht. Diese Frage und diejenige, wie Martin sein Leben finanziert, bleiben nämlich so gut wie unerklärt. Das sind aber Details, die besonders bei so ruhigen Filmen eher negativ auffallen, denn der Film lebt und atmet durch seine beiden Hauptdarsteller, welche eine sehr gute Leistung abliefern.
Fazit: Nothing Personal ist ein sehr langsamer Film mit leisen Tönen geworden. Weite triste Landschaften, kaum Musik und Dialoge sowie nur zwei Hauptdarsteller bilden dabei die gewagte Formel, doch die Rechnung geht auf. Wenn man sich erst mal auf den langsamen Trott eingestellt hat, ist man bald von den beiden Charakteren fasziniert und verfolgt gespannt, ob und wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickeln wird. Doch am Ende bleiben auch sehr viele Fragen offen, welche die Wirkung des Filmes wiederum mit unnötiger Denkarbeit vermindern.
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4.7 Sterne (8 Bewertungen) | 1 Kommentar



