Nord (2009)

Nord (2009)

Oder: Odyssee im Tiefschnee

Nord

"Dr Sunne entgäge..."

Jomar (Anders Baasmo Christiansen) ist hoffnungslos dem Alkohol und seiner Depression verfallen. Der Job als Liftwärter in einem verlassenen Skigebiet bereitet ihm schon lange keine Freude mehr. Solange er trinken und Selbstgedrehte rauchen kann, ist Jomars Alltag jedoch einigermassen erträglich. Da taucht plötzlich sein alter "Widersacher" auf, der jetzige Freund von Jomars Ex-Frau. Dieser wirft ihm an den Kopf, Jomar habe einen vierjährigen Sohn, der hoch oben im Norden auf ihn warte. Jomar denkt über einiges nach, aber erst ein Brand in seinem kleinen Kabäuschen bei der Liftstation gibt ihm den nötigen Ruck.

Nord

"I see dead people..."

Auf seinem Schneemobil, bepackt mit hochprozentigem Proviant und einem vollen Benzinkanister, macht sich Jomar auf die Reise. Sein Ziel: der hohe Norden Norwegens. Während seiner einsamen Reise durch die eisige Landschaft trifft Jomar immer wieder auf die merkwürdigsten Menschen - können sie ihn vielleicht wieder auf den Weg ins Leben zurückführen?


Kinofilm-Rating

Kein Wunder, dass Nord an mehreren Filmfestivals für Lacher sorgte und dabei auch verschiedenste Auszeichnungen einheimste, zum Beispiel einen Spezialpreis an der Berlinale 2009. Es gibt keinen Ausweg, beim Anblick des im Selbstmitleid zerfliessenden Jomar nicht schmunzeln zu müssen. Der norwegische Dokumentarfilmer Denstad Langlo erzählt in seinem Spielfilmdebüt ohne grosses Drumherum die Geschichte dieser tragikomischen Figur - naja, sagen wir mehr komisch als tragisch. Aber keinesfalls unrealistisch.

Die Bildwelt erscheint in Nord konstant hell, eintönig und realitätsnah. Die karge norwegische Landschaft lässt Jomars träges Leben noch hoffnungsloser erscheinen. Mit Handkamera und Close-ups lässt Langlo zweifellos seine Erfahrung vom Dokumentarfilm einfliessen. Fliessen tut auch der Alkohol - und dies in Mengen. Eigentlich ein sehr ernstes Thema, gerade in Skandinavien, wo Alkohol- und Zigarettensucht ein grosses Problem darstellen. Es ist so schon fast Alltag, wenn sich die Teenagerin Lotte (Marte Aunemo) beim gemütlichen Beisammensein die Kippe von Jomar greift oder einen kräftigen Schluck aus der Schnapsflasche ihrer Oma nimmt. Eine weitere Szene mit dem jungen Mann Ulrik (Mads Sjogard Pettersen) bringt die Themen Einsamkeit und Sucht visuell genau auf den Punkt.

Jomar Henriksen (Anders Baasmo Christiansen) bildet das Zentrum der Geschichte. Seine Reise im Schnee ist eine Metapher für seine eigene geistige Entwicklung. Er rutscht von Wahnsinnssituation zu Wahnsinnssituation, von Lachnummer zu Lachnummer. Am Ende hat er sich tatsächlich entwickelt. So scheint es zumindest, denn allzu offensichtlich wird das dann doch nicht erklärt. Der Film hätte an dieser Stelle ruhig etwas länger dauern können, dann wäre auch der Schluss abgerundet.

Fazit: Nord ist ein sehenswertes "Off-Roadmovie" in herrlich eisiger Winterkulisse, mit einem tragisch komischen Charakter und seinen noch komischeren Begegnungen, realitätsnah und gewollt eintönig gefilmt. Die Story kommt ohne grosses Drumherum voran. Für viele Lacher und ein paar sentimentale Momente ist gesorgt. Einige Filmminuten mehr hätten allerdings nicht geschadet.

4.3 Sterne
4.3 Sterne (23 Bewertungen) | 3 Kommentare

44
26.11.2009 / woc