Nine (2009)
Nine (2009)
Oder: Narziss heiratet Peter Pan
Mitte der 1960er, Rom. Guido Contini (Daniel Day-Lewis) ist der wichtigste italienische Regisseur der Filmwelt. Von den Donne Italiens bis zu den Ladies Amerikas, alle liegen ihm, seinem Stil und dem Lebensgefühl seiner Werke zu Füssen. Seine letzten beiden Filme waren Flops, woran er nur ungern erinnert wird, aber sein neunter Film, "Italia", soll seinen Ruf wieder auf Hochglanz bringen.
Die Produzenten machen sich für Guido stark, Kostüme werden entworfen, Guidos Muse Claudia Jenssen (Nicole Kidman) ist schon nach Cinecittà bestellt worden. Das Problem? Guido hat kein Drehbuch. Der grosse Contini sieht nur leeren Seiten entgegen. Auf der Suche nach Inspiration setzt er sich in ein Hotel in Anzio ab, doch auch dort werden die Seiten nicht voller. Verzweifelt, kränkelnd, manisch hangelt sich Guido in Gedanken von einer Frau, die sein Leben berührt hat, zur nächsten und hofft, so seine Geschichte zu finden.
Kinofilm-Rating
Manche Filme sind so schlecht, dass sie straight-to-DVD gehen. Rob Marshalls Nine sollte straight-to-CD gehen. Die guten Nachrichten zuerst: Die Songs der Frauen sind absolut hinreissend. Sie sind allesamt schmissige, glamouröse, interessante und gut gesungene Ohrwürmer. Glückwunsch an jeden, der "Be Italian" und "Cinema Italiano" vor Ablauf einer Woche wieder loswird. Die Choreografien, die Inszenierung der Musical-Nummern, der gelegentliche Wechsel von Farbe zu Schwarzweiss-Bildern sind wunderbar rhythmisch, perfekt bis ins letzte Detail. Nicole Kidman, Penélope Cruz, Marion Cotillard, Sophia Loren, Judi Dench, Kate Hudson, Fergie - keine war je besser in Szene gesetzt.
Die Kostüme und das Make-up holen das Beste aus jeder Darstellerin heraus. Es ist herzerwärmend, Sophia Loren mal wieder in typischem Sechziger-Jahre-Make-up zu sehen. Das Problem ist: Das ist alles Schall und Rauch. Mehr hat Nine nämlich nicht zu bieten. Seine guten Seiten machen die schlechten Seiten nicht einmal annähernd wett. Die Songs der Ladies mögen fantastisch sein, doch Guidos Gesangseinlangen lassen zu wünschen übrig. Sicher, Daniel Day-Lewis spielt und singt sich die Seele aus dem Leib, doch qualitativ gesehen resultiert das in nicht viel mehr als einem etwas leidenschaftlicheren Walter Matthau in Hello Dolly!. Der konnte auch nicht singen.
Alles in allem hapert es jedoch hauptsächlich an der Geschichte und ihrer Hauptfigur Guido Contini. Das Problem mit der Geschichte: Es gibt keine. Es gibt eine Prämisse, die Schreibblockade, aber keinerlei Weiterentwicklung. In den etwa zehn Minuten, die Nicole Kidman auf der Leinwand zu sehen ist, entwickelt sich ihre Nebenfigur viel weiter als der Plot und die Hauptfigur im ganzen Film zusammen. Auch die Unterbrechungen durch die Musical-Nummern helfen nicht, über diesen groben Fehler hinwegzutäuschen. Das Problem mit der Hauptfigur: Er ist ein Narzisst mit schwerem Peter-Pan-Syndrom. Zu keinem Zeitpunkt wird Guido Contini den Zuschauern sympathisch, was jegliche Identifizierung unmöglich macht. Er entwickelt sich nicht weiter. Auf sehr perverse Weise wird das in Nine sogar gutgeheissen.
Dass der Film bis jetzt gefloppt ist, ist wohl kein Wunder. Keiner sieht gerne eine inexistente Geschichte mit einer durchgängig nervtötenden Hauptfigur, die man ständig nur ohrfeigen möchte, damit sie sich endlich einmal zusammenreisst. Der Film verfehlt im Übrigen auch vieles bei seinem Zielpublikum: den Frauen. Frauen sind schon im echten Leben davon genervt, wenn Männer aus jedem Schnupfen das Ebola-Virus machen und sich selbstgefällig über Dinge beschweren, weil sie Mitleid wollen. Es ist also verständlich, dass sie nicht zwei Stunden ihres Lebens und 16 Franken vergeuden wollen, um sich das im Kino anzutun.
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2.8 Sterne (21 Bewertungen) | 7 Kommentare



