Die Nagelprobe (2009)

Die Nagelprobe (2009)

Oder: Sa*gähn*haftes Obwalden

Die Nagelprobe

Ein historischer Fund?

Ein Bauvorhaben wird in Ried von Giswil im Kanton Obwalden abrupt gestoppt, als ein Baggerfahrer einen alten Holzladen mit selbstgeschmiedeten Nägeln darin entdeckt. Staatsarchivar Rolf Aschwanden (Polo Hofer) und seine Archäologie-Assistentin Nina (Irène Ludin) sehen darin einen historisch interessanten Fund und wollen der Sache auf den Grund gehen. Der Standort-Manager Thomas Bertschi (René Rindlisbacher) ist ganz anderer Meinung. Er sieht sich in seinem Bauvorhaben, das der Wirtschaft in Obwalden den erhofften Aufschwung bieten soll, gestört und verhindert eine weitere Untersuchung des Artefakts.

Die Nagelprobe

"Ich gibä nid uif!"

Aschwanden kann er in die Schranken weisen, doch mit Ninas Hartnäckigkeit hat Bertschi nicht gerechnet. Sie rechechiert auf eigene Faust und beginnt, einen mystischen Zusammenhang zwischen dem Artefakt und der Geschichte von Obwalden zu sehen. Vor Hunderten von Jahren muss etwas Schreckliches passiert sein, dass jetzt wie ein Fluch Stück für Stück ans Tageslicht der Gegenwart vordringt.


Kinofilm-Rating

Schweizer Filme haben beim Publikum meistens dann eine Chance, wenn die Charaktere aus dem Leben gegriffen sind, die Story einfach gestrickt und eine fein säuberlich eingesetzte Swissness erkennbar ist. Der Obwaldner Filmemacher Lukas Gasser hat in seinem Sagen-Abenteuer Die Nagelprobe sehr viel Swissness eingebaut - jedoch ist diese mehrere hundert Jahre alt, bietet keinerlei Spannung ist und daher so überdreht, dass sie unglaubhaft erscheint.

Bereits bei den Titelcredits wird klar, dass Gasser anscheinend viel Herzblut in das Filmprojekt gesteckt hat. Nicht nur das Drehbuch, sondern auch den Soundtrack hat der Obwaldner selber geschrieben. Zu helvetisch, fast keltisch klingenden Tönen werden wir in die Geschichte von Nina eingeführt. Beim Auftritt von Polo Hofer kommt ein erstes Schmunzeln auf. Die Geschichte wird ohne Spannung und Überraschungen weitergeführt. Als sie beginnt, sich in zwei Zeitebenen aufzuteilen und wir mittels überlangen Sequenzen Einblick in die ketzerische Zeit unserer Vorfahren erhalten, wird der Unterhaltungsfaktor von Die Nagelprobe vollends zerstört. Zu sehr wird hier "theäterlet" und Gewicht auf Figuren gelegt, die weitab von jeglichem Realismus agieren.

Unsere Heldin Nina gleicht einem unbeschriebenen Blatt Papier - sie hat keine Tiefe und liefert uns keinen Grund, mit ihr mitzufiebern. Sie muss auch nicht gross kämpfen um das Geheimnis zu lüften, sondern läuft von Location zu Location, und am Schluss wird ihr alles in die Hände gelegt. Dann gibt's noch den Ex-Freund, ein scheinbarer Konflikt, der nicht einmal im Entferntesten angetastet wird. Zu dem wiederkehrenden Soundtrack konzentriert sich der Film lieber auf langhaarige Männer in Tierfellen, die zu altem Innerschwiizerdütsch mit ihren Schwertern durch den Winter stampfen. Die Sage gleiche einem Fluch - man weiss nur nicht, ob man damit den Zuschauer oder Nina meint. Zu guter Letzt vermögen nicht einmal die Dialoge zwischen Polo Hofer und René Rindlisbacher zu unterhalten.

Die Nagelprobe gleicht einer Geduldsprobe. Der Ansatz von Sagen in der Schweiz wäre interessant, aber die Umsetzung, von schauspielerischen Leistungen über den Plot bis hin zum Gesamtbild, ist in diesem Abenteuerfilm leider misslungen. Vielleicht hätte sich ein Dokumentarfilm als Gefäss besser geeignet, um von Mystischem im Kanton Obwalden erzählen zu können. Hoffen wir, dass uns das Sennentuntschi vom Gegenteil überzeugt.

2.0 Sterne
2.0 Sterne (6 Bewertungen) | 6 Kommentare

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24.02.2010 / woc