On The Path - Na Putu (2009)

On The Path - Na Putu (2009)

Oder: Der Glaube kann Liebe versetzen.

On The Path - Na Putu

"Der Bart muss weg, Bürschle!"

Luna (Zrinka Cvitesic) und Amar (Leon Lucev) führen in Sarajevo eine sorglose und spassorientierte Beziehung. Dass es mit dem Kind bisher nicht klappen will, sehen sie ziemlich unaufgeregt. Selbst als Amar, als Fluglotse tätig, des Trinkens am Arbeitsplatz überführt und suspendiert wird, übersteht das Paar diese Zerreissprobe.

Eines Tages trifft Amar auf einem Ausflug seinen ehemaligen Armeekollegen Bahrija (Ermin Bravo), dessen orthodoxer Glaube Luna nur belächeln kann. Bahrija bietet Amar einen Job als Lehrer an, den dieser gerne annimmt. Dafür muss er eine zeitlang auf einer Insel weilen, auf der die Glaubensgemeinde ein Camp hat.

On The Path - Na Putu

Wenn der Kopf schmerzt: Aspirin forte.

Einige Wochen später kehrt Amar zurück. Die Freude Lunas flaut bald ab, als sie bemerkt, dass ihr Freund immer mehr Zeit in der Moschee verbringt und zuhause auf dem Boden betet. Damit entfremdet er sich von Luna - diese hegt immer grössere Zweifel an ihrer Beziehung.


Kinofilm-Rating

2006 gewann Jasmila Zbanic mit ihrem berührenden Regiedebüt Grbavica auf Anhieb den Goldenen Bären an der Berlinale. Ihr Nachfolgewerk ist auch wieder in ihrer Heimatstadt Sarajevo angesiedelt und ist ein Beziehungsdrama, welches von der religiösen Radikalisierung eines Menschen befeuert wird. Wie Luna - die selbst Moslemin ist, aber sehr liberal mit dem Glauben umgeht - erhalten auch wir einen Einblick in die Glaubenskultur von fundamentalen Islamisten. Diese gilt es sorgsam zu deuten, verstellen doch Vorurteile uns wie auch Luna die Sicht auf das Ganze.

Klar ist indes, dass man sich bei dieser Wendung der Story sofort auf die Seite Lunas schlägt. Dabei ist Amars Wandlung nicht wirklich verwerflich. Man darf sogar dran glauben, dass er ein besserer Mensch geworden ist. Wenn zwei Liebende sich auseinanderleben, kann das viele Gründe haben - hier sind es eben die unterschiedlichen religiösen Ansichten.

Na putu zeigt uns, wie weit das Seil einer Beziehung gespannt werden kann, bis es reisst. Wo hört Toleranz auf, wann fängt Selbstverleugnung an? Zbanic schnitzt aus einer unbedarft startenden Lovestory stetig einen tiefgründigen Film, der uns verstehen machen will, dass Entscheidungen manchmal einfach nicht verstanden werden können.

5.2 Sterne
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21.02.2010 / uas