Mr. Nobody (2009)
Mr. Nobody (2009)
Oder: Findet Nemo
Sein Name ist Nemo Nobody (Jared Leto), er ist 117 Jahre alt und der letzte Mensch, der eines natürlichen Todes sterben wird - denn mittlerweile hat die Wissenschaft ein Mittel gefunden, dies zu verhindern. Wir schreiben das Jahr 2092, und Nemos bevorstehendes Sterben ist ein Medienereignis, im Spital ist eine Kamera 24 Stunden auf Aufnahme gestellt, um seine letzten Worte einzufangen.
Einem jungen Reporter (Daniel Mays) gelingt es, sich in das Spital zu schmuggeln, um Nemo über sein langes Leben zu interviewen. So beginnt dieser zu erzählen von der vergangenen Zeit, als die Menschen noch sterblich waren. Und davon, wie er sich schon als kleiner Junge vor Entscheidungen aller Art gedrückt hat - um sich so alle Optionen offenzuhalten.
Die wichtigste Entscheidung hat Nemo im Alter von 9 Jahren treffen müssen, als sich seine Eltern getrennt haben. Soll er mit der Mutter gehen oder beim Vater bleiben? Denn je nach Entscheidung würde später Anna (Diane Kruger), Elise (Sarah Polley) oder Jeanne (Linh-Dan Pham) die Frau seines Lebens werden. Dem immer verwirrteren Journalisten erzählt Nemo die verschiedenen Varianten, die sein Leben hätte nehmen können. Doch welches ist nun die, die sich tatsächlich ereignet hat?
Kinofilm-Rating
Satte 13 Jahre ist es her, seit Jaco van Dormael seinen letzten Film, Le huitième jour, gedreht hat. Wer so lange von der Bildfläche verschwunden ist, wird mit besonderer Spannung zurückerwartet. Und hat einiges zu sagen. Das macht sich bei auch in der etwas überlangen Laufzeit seines neuen Films bemerkbar.
Doch verschwendete Zeit sind diese zwei Stunden keinesfalls, denn mit Mr. Nobody, seinem ersten englischsprachigen Film, zieht der Belgier alle Register und präsentiert ein bildprächtiges und vielschichtiges, mit trockenem Humor gespicktes Mosaik, das philosophische Fragen über das Menschsein aufgreift. Ausserdem wartet der Film mit einem tollen Soundtrack auf, der von Johann Sebastian Bach über die Eurythmics und die Pixies bis zu Nena reicht. Den Oldie "Mr. Sandman", eines der immer wiederkehrenden Titelstücke, gibt's zudem in gleich drei verschiedenen Versionen zu hören, darunter auch in der witzigen Punk-Version von Gob.
Vergleiche zu ziehen ist immer schwierig, doch erinnert Mr. Nobody in gewissen Aspekten an The Truman Show und The Fountain. Mit ersterem verbindet van Dormaels Film nur schon Hauptdarsteller Jared Leto, der in einigen Szenen Jim Carrey alias Truman Burbank wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Und beide Filme erzählen die Lebensgeschichte eines Einzelnen, der durch besondere Umstände im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit steht. Mit The Fountain wiederum hat Mr. Nobody die komplexe, verschiedene Zeitebenen ineinander verschachtelnde Erzählweise gemeinsam. Und wenn van Dormaels Film etwas weniger spirituell angehaucht ist als derjenige von Darren Aronofsky, so sei doch die These gewagt, dass beide Filme ein ähnliches Publikum ansprechen. Als letzter Vergleich sei schliesslich noch The Butterfly Effect genannt. In beiden Filmen werden unterschiedliche Geschichten eines Lebens erzählt, wie es sich hätte ereignen können.
Trotz dieser genannten Vergleiche ist Mr. Nobody aber kein blosser Abklatsch, sondern kann dank seiner Vielfältigkeit als eigenständiger Film bestehen. Nach vielseitigen, unterhaltsamen, tragikomischen 125 Minuten wird man schliesslich mit einer stimmigen Schlusspointe überrascht. Wer während des Films gut aufpasst, könnte durchaus ahnen, worauf diese hinausläuft. Zudem bestehen auch hier Parallelen zu dem Schluss eines anderen Filmes, der hier aus Gründen der Spannung nicht genannt werden soll. Doch das tut nichts zur Sache, denn bekanntlich ist der Weg das Ziel, und dieser Weg ist mehr als lohnend. Es ist zu hoffen, dass Jaco van Dormael nicht wieder 13 Jahre wartet, bis er seinen nächsten Film dreht.
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4.6 Sterne (21 Bewertungen) | 2 Kommentare



