The Traveller - El mosafer (2009)
The Traveller - El mosafer (2009)
Oder: Drei Tage im Leben von...
Ein Tag im Herbst 1948 in Port Said: Hassan (Khaled El Nabawy) hat den ersten Arbeitstag im Postbüro. Doch ein Telegramm einer unbekannten Frau namens Nura (Cyrine Abdel Nour) zieht ihn in den Bann, und er fühlt den Drang, diese Frau kennenzulernen. So verschlägt es ihn auf ein vornehmes Kreuzfahrtschiff, wo Nura bereits auf ihren Verlobten Fuad wartet, den sie lange nicht mehr gesehen hat. Um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, gibt sich Hassan selbst als Fuad aus, und sie scheint den Schwindel nicht zu bemerken.
Ein weiterer Tag im Herbst 1973 in Alexandria: Nura, die damals schliesslich doch noch den echten Fuad geheiratet hat, ist mittlerweile tot. Dafür lernt Hassan deren Tochter Nadia (ebenfalls Cyrine Abdel Nour) kennen und fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. Kein Wunder, denn sie gleicht ihrer Mutter aufs Haar. Ihr Bruder Ali ist soeben bei einem Unfall gestorben - oder war es Absicht?
Und schliesslich noch ein dritter Herbsttag, diesmal 2001 in Kairo: Hassan (Omar Sharif) ist mittlerweile ein alter Mann und trifft in der Stadt auf Nadias Sohn Ali (Sherif Ramzy). Die beiden freunden sich an, und Hassan stellt erstaunliche äusserliche Ähnlichkeiten zwischen ihnen fest. Ob Hassan am Ende Alis Grossvater ist?
Kinofilm-Rating
Es gibt wohl nicht allzu viele Filme, in denen der Hauptdarsteller erst nach geschlagenen 85 Minuten auf der Bildfläche auftaucht. Nach einer Filmdauer also, bei der in anderen Filmen bereits der Abspann durchläuft. In The Traveller hingegen zeigt der Star Omar Sharif sein charakteristisch zerfurchtes Gesicht tatsächlich erst nach dieser langen, langen Wartezeit. Das Problem dabei ist, dass den meisten Zuschauern bis dahin bereits die Geduld vergangen ist, wenn sie nicht sogar eingeschlafen sind. Denn bis zu diesem Zeitpunkt ist die Geschichte bereits hoffnungslos zerfahren.
Aber der Reihe nach: Der Film besteht aus drei praktisch gleich langen Teilen. Jeder dieser Teile zeigt jeweils einen Tag in den Jahren 1948, 1973 und 2001, der das Leben des Protagonisten geprägt hat. Grundsätzlich durchaus eine hübsche Idee, doch die Umsetzung lässt leider zu wünschen übrig. Der erste Teil ist dabei noch der stärkste, die Studio-Schiff-Szenen verströmen einen angenehmen Titanic-Groove und sind zwischendurch sogar recht amüsant. Der zweite Teil ist dann vollkommen wirr, Jung-Hassan-Darsteller Khaled El Nabawy schaut mit seinem aufgeklebten Schnurrbart aus wie eine Karikatur des jungen Omar Sharif aus Lawrence of Arabia- oder Doctor Zhivago-Zeiten. Die dritte Episode gewinnt durch den endlich auftauchenden Sharif dann wenigstens etwas Grandezza, doch wie gesagt: Zu diesem Zeitpunkt ist es bereits zu spät.
Regisseur Ahmed Maher hat bisher vor allem Dokumentarfilme in seinem Repertoire. Mit The Traveller hat er nun seinen ersten Langspielfilm im Fiction-Bereich gedreht. Ein Film, der leider viele Chancen verpasst und sich so in die Garde derjenigen Filme einreiht, bei denen jede Minute (und davon gibts satte 125) unendlich lange scheint und man heilfroh ist, wenn endlich der Abspann auf der Leinwand erscheint. Da kann auch ein altverdienter Star wie Omar Sharif nicht mehr helfen. Vor allem, wenn er dem Publikum so lange vorenthalten wird.
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