The Messenger (2009)

The Messenger (2009)

Oder: Die Überbringer des Todes

The Messenger

Schnauz tragen ist heute wieder modisch

Der Irakkriegs-Veteran Will Montgomery (Ben Foster) wird nach einer heldenmässigen Tat mit posttraumatischen Stresssyndromen zurück in die USA geschickt. Dort kann er aber seine Dienstzeit weiterhin abarbeiten. Er wird dem erfahrenen Colonel Tony Stone (Woody Harrelson) zur Seite gestellt, um den Hinterbliebenen gefallener Soldaten die Meldung ihres Todes zu überbringen. So undankbar dieser Auftrag, so gewissenhaft will ihn Will ausführen, denn es gilt nicht nur, sich äusserst genau ans Protokoll zu halten, sondern auch dem Überbringer die Meldung mit Klarheit und Ehre zu vermitteln. Nichts sei schlimmer, als ein Überbringender, der Emotionen zeigt oder sogar die Botschaft nicht klar verständlich ausdrückt, mahnt Stone.

So stellen sich die zwei Soldaten zu jeder Uhrzeit darauf ein, dass der Überbringunsbefehl kommt und sie aufbrechen müssen. Doch bei jedem neuen Kontakt sind die Reaktionen ganz unterschiedlich. Die einen brechen zusammen, die anderen geben den Überbringern direkt die Schuld.

Als Stone und Montgomery eines Tages in ein Wohnquartier beordert werden und sie die schreckliche Nachricht vom Tod ihres Mannes einer jungen Mutter mitteilen, reagiert diese mit Fassung und dankt den Soldaten für die Überbringung der Nachricht. Diese Ruhe fasziniert Montgomery derart, dass er in der Folge die Nähe zu dieser Frau sucht, auch um seine eigenen (psychischen) Kriegswunden zu heilen.


Kinofilm-Rating

The Messenger ist das Erstlingswerk des Drehbuchautors Oren Moverman, der unter anderem auch für das Screenplay zum unkonventionellen Bob-Dylan-Biopic I'm Not There verfasst hat. Wer jedoch auch bei der Geschichte dieser zwei ungleichen Soldaten und ihrem heiklen Auftrag eine ungewöhnliche Inszenierung tendiert, liegt falsch. Moverman begeht mit The Messenger kein neues Terrain. Und dies ist die richtige Entscheidung.

Der Film ist ein weiterer Versuch, die Folgen des Irakkriegs aufzuarbeiten (nach In the Valley of Elah oder Home of the Brave). Auch Moverman blickt auf die Kriegsveteranen und setzt auf die Kraft der Vorstellung, denn jeder kann sich in etwa ausmalen, wie schwierig und ungemein belastend der Auftrag ist, tagein tagaus Leute mit dem Tod von Angehörigen zu konfrontieren. Gerade aber dadurch soll der Übermittler aufrecht bleiben und nicht am Schmerz und Schicksal der Beteiligten teilhaben. Diese Bürde fängt Moverman mit nüchternen, ruhigen Bildern ein, die immer dann am stärksten sind, wenn die Darsteller mit ihren eigenen Ängsten und Problemen konfrontiert werden.

Woody Harrelson
und Ben Foster sind herausragend und tragen den Film. Ersterer ist dabei mehr in der Rolle des toughen Colonels, den diese Arbeit scheinbar abgehärtet hat. Doch je länger der Film, desto mehr bröckelt die Fassade, und der Charakter wird ambivalenter. Fosters Montgomery ist die eigentliche Person, der der Film folgt und die Wandliung von seiner frühen Ablehnung des Jobs hin zu einer verständnisvollen Akzeptanz wird stärker, je mehr der Zuschauer über die Figur erfährt.

Oren Moverman bringt mit The Messenger ein eindrückliches Portrait zweier gebrochener Menschen mit unglaublich schwieriger Aufgabe, die emotional berührt und den Zuschauer spüren lässt, wie wichtig sie trotzdem ist. Es ist kein Kriegsfilm und doch ist Krieg omnipräsent. Und egal, welche Einstellung man zu dem Krieg hat, so steigt die Anerkennung für Leute, die diese Aufgabe zu erfüllen haben.

4.1 Sterne
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11.02.2009 / hut