Marching Band (2009)

Marching Band (2009)

Oder: Tuten und Blasen für den Präsidenten

Marching Band

Cheerleader und Band

Es ist Herbst im Jahre 2008, die Wahlkampagne für den 44. Präsidenten der USA läuft auf Hochtouren, und während Barack Obama die Umfragen anführt, hinkt Senator John McCain mit seiner Vizepräsident-Kandidatin Sarah Palin eher hinterher. Besonders die Jugendlichen werden durch den fesselnden Wahlkampf von Obama mitgerissen und sehnen sich nach acht Jahren George W. Bush endlich nach einer Veränderung und einem Neuanfang.

Doch wie steht es wirklich um das politische Interesse der Jugendlichen, warum stimmen sie für Obama, und weshalb ist es endlich an der Zeit, dass es einen Führungswechsel gibt? Diesen Fragen geht die Dokumentation Marching Band nach und sucht bei zwei riesigen Studentenkapellen nach Antworten. Diese Formationen bieten einen breitgefächerten Querschnitt durch die amerikanische Jugend, und es zeigt sich deutlich, dass hier dank Obama einen Ruck durch die Masse gegangen ist.


Kinofilm-Rating

Wie schon 2008 eröffnet auch dieses Jahr ein eher musiklastiger Film innoffiziell das Internationale Filmfestival von Locarno. Während vor einem Jahr noch der sympathische Altersheimchor in Young@Heart in der ersten Gratisvorführung auf der Piazza Grande vorgestellt wurde, geht es diesmal um die riesigen Studentenkapellen, die eben auch Marching Bands genannt werden, weil sie Musik mit dem Marschieren in Formation verbinden. Marching Band verknüpft dabei den politischen Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten McCain und Obama mit einem Einblick in die Jugend von Amerika und darüber, was diese über den ganzen Wahlkampf denkt.

Dabei übernehmen die Mitglieder der beiden grossen Campus-Blasorchester der University of Virginia und der Virginia State Universitiy, welche vom jungen Schüler bis zum 30-jährigen Veteran reichen, die Hauptrollen. Regisseur Claude Miller verfolgt sie dabei nicht nur bei den Proben, sondern auch bei grossen Auftritten, erkundigt sich, was ihnen die Musik bedeutet und was sie vom neuen amerikanischen Präsidenten erwarten. Dabei erhält der unwissende Europäer einen interessanten Einblick in die riesigen Marching Bands, welche sich oft aus mehreren hundert Mitgliedern zusammensetzen und welche nicht nur fetzige Marschmusik spielen, sondern auch ihren lokalen Footballclubs als Unterstützung oder als sozialer Auffangpool dienen.

Allerdings sind die Unterhaltungs-Halbwertszeiten bei Marching Band sehr hoch. Was zu Beginn noch interessant ist, da man mit dem Konzept der riesigen Bands nicht so vertraut ist, verliert schnell an Reiz. Bald hat man die immer ähnlich klingende Marschmusik gehört, und die in die Länge gezogenen Aufnahmen aus den Proben geben auch nicht viel her. Dazu kommt, dass, selbst wenn hie und da einige Schnipsel vom Wahlkampf eingeflochten werden, sich nie so richtig eine Verbindung zwischen den chaotischen Bandaktivitäten und dem Wahlkampf aufbauen kann. Da können auch die oberflächlichen Fragen nicht helfen, welche zwischendurch in den Film geflochten werden, denn wirklich Neues erfährt man nicht.

Fazit: Marching Band ist recht eine unfertige, langfädige und durch die unnötige Auftrennung in einzelne Kapitel auch sehr träge Angelegenheit geworden. Wo Filme wie Young@Heart noch sympathisch sind, wird hier vieles schnell öde, und wer sich etwas für den Wahlkampf interessiert hat, erfährt kaum etwas Neues. Da man zudem den Ausgang der Wahlen kennt, fehlt auch jegliche Überraschung. Klar gibt es hie und da einige amüsante Momente, doch mehrheitlich ist es eine sehr dürftige Doku mit oft mässigem Ton, schlechter Kameraführung und wenig Substanz geworden.

3.0 Sterne
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05.08.2009 / db