The Lovely Bones (2009)
In meinem Himmel
The Lovely Bones (2009) In meinem Himmel
Oder: Tot - aber gut informiert.
Pennsylvania, 1973: Auf dem Heimweg von der Schule wird die 14-jährige Susie Salmon (Saoirse Ronan) vom Nachbarn George Harvey (Stanley Tucci) in einen selbstgebauten Bunker gelockt und ermordet. Nach ihrem Tod gelangt Susie in eine Art Vorhimmel, eine seltsame Traumwelt zwischen Himmel und Leben. Von dort aus beobachtet sie, wie ihre Familie ihr unerklärliches Verschwinden zu verarbeiten versucht.
Während Susies Mutter Abigail (Rachel Weisz) nur schwer mit dem Verlust fertig wird und von der ausgeflippten Grossmutter Lynn (Susan Sarandon) bei Haushalt und Familie unterstützt werden muss, setzt Vater Jack (Mark Wahlberg) alles daran, Susies Mörder zu finden. Besessen von der Jagd nach dem Unbekannten, vernachlässigt er seine Familie, bis Abigail ihn verlässt.
Susie beobachtet die Geschehnisse auf der Erde und sinnt nach Rache. Sie kann nicht endgültig ins Jenseits übertreten, ehe ihr Mörder gefasst ist. Dieser ist ebenfalls unruhig - seine Lust zu töten steigt wieder. Und er hat sein Auge auf Susies jüngere Schwester Lindsey (Rose McIver) geworfen...
Kinofilm-Rating
Peter Jacksons erstes Projekt nach den Special-Effects-Orgien The Lord of the Rings und King Kong scheint auf den ersten Blick eher untypisch für den oscargekrönten Neuseeländer zu sein. Dass seine Wahl auf Alice Sebolds Roman "The Lovely Bones" (deutsch: "In meinem Himmel") fiel, ist aber durchaus konsequent, bedenkt man Jacksons Affinität für grosse Emotionen; zudem hat er mit Heavenly Creatures bereits bewiesen, dass er auch Geschichten ohne Monster und Riesenaffen in Szene setzen kann.
Beim Handlungsort Himmel wurde auf eine ganze Menge aufwändiger Effekte gesetzt und visuell aus dem Vollen geschöpft. Das Zwischenreich zwischen Leben und Tod ist ein wunderschönes, surreales Traumland, das teilweise an Bilder von Salvador Dali erinnert; ein farbenfroher Augenschmaus, der Susies Gefühlswelt wirkungsvoll spiegelt. Bei aller Inszenierungskunst fällt aber auf, dass Form etwas über Inhalt geht. Trotz fantastischer Bilder und traumhafter Musik bleibt das Ganze manchmal erstaunlich kalt.
Dies trifft überhaupt auf den Film zu. Erwarten würde man eine tragische Geschichte, die ans Herz und an die Tränendrüse geht. Das Nastüechli bleibt aber weitgehend trocken, da der Film nur bedingt emotional packen kann. Eine gewisse Gefühlskälte ist leider nicht zu übersehen. Auch die Inszenierung fällt teils etwas flach aus: So wird zum Beispiel (im Gegensatz zum Buch) nie wirklich gesagt, was Susie angetan wird. Inszeniert wird die Szene vor dem Mord aber so offensichtlich (bedrohliche Musik, Kameraeinstellungen), dass es schon fast plump wirkt. Der Film will zwar eine furchtbare und tragische Geschichte erzählen, scheint aber letztlich davor zurückzuschrecken, wirklich auf die schlimmen Dinge einzugehen. Auch die spannenden Szenen gegen Ende werden durch extreme Langsamkeit abgeschwächt und auf dem Höhepunkt durch sentimentale Einschübe unterbrochen.
Schauspielerisch gibt es hingegen einige Lichtblicke: Saoirse Ronan (Atonement) kann den Film gut anführen; mit ihren leuchtend blauen Augen wirkt sie von Anfang an etwas entrückt, nicht von dieser Welt. Mark Wahlberg darf als trauernder Vater einmal eine andere, verletzliche Seite von sich zeigen. Stanley Tucci schliesslich ist der Beweis dafür, dass sich auch bei Männern Mut zur Hässlichkeit auszahlen kann: Mit Grüselschnauz ist er der prototypische Kinderschänder und schraubt die Ekelskala definitiv weit nach oben. Ob das eine Oscarnomination verdient hat, sei dahingestellt. Gruslig ist's auf jeden Fall.
The Lovely Bones ist ein Film, der viele Filme in sich vereint. Emotionales Drama, Familientragödie, Fantasyfilm, Thriller - eine eigentlich spannende Kombination, die im Film aber nur bedingt passt. Das Emotionale bleibt zu kalt, die Fantasyebene zu traumhaft-surreal, die Thrillerelemente werden durch Sentimentalität durchbrochen. Schade, denn Ansatz und Schauspieler hätten eigentlich gepasst. Gute Ideen, tolle Bilder, eine packende und bewegende Geschichte, und doch fehlt dem Endprodukt das gewisse Etwas. Peter Jackson hat einen Film geschaffen, der die Zuschauer - wie Susie in der Zwischenwelt - irgendwie in der Schwebe hält. Einen Kinobesuch sind die fantastischen Bilder aber allemal wert.
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3.9 Sterne (61 Bewertungen) | 10 Kommentare



