Looking for Eric (2009)
Looking for Eric (2009)
Oder: Bend it like Cantona
Eric Bishop (Steve Evets) arbeitet als Pöstler in Manchester. Seit 30 Jahren trauert er seiner grossen Liebe nach: Lily (Stephanie Bishop), seiner ersten Ehefrau, die er leichtsinnigerweise kurz nach der Geburt ihrer Tochter Sam verlassen hat. Mittlerweile ist Sam selbst Mutter eines kleinen Mädchens geworden, so dass sich Eric bereits Grossvater nennen kann. Wohnen tut Eric mit seinen zwei Söhnen Ryan und Jess (Gerard Kearns, Stefan Gumbs), der eine aus erster Ehe, der andere sein Stiefsohn. Die beiden haben einige lusche Freunde und drohen auf die schiefe Bahn zu geraten.
Doch anstatt hier durchzugreifen, flüchtet Eric lieber in seine grosse Leidenschaft, den Fussball. Er ist Anhänger von Manchester United, besucht mit seinen Arbeitskumpels die Matches oder schaut sich diese bei einem Humpen Bier im Pub an. Sein grosses Vorbild ist der Ex-Manchester-Star und Vornamensvetter Eric Cantona, dessen riesiges Poster die Wand seines Zimmers ziert und an das er sich jeweils wendet, wenn er in seinem Leben nicht mehr weiter weiss. Bis eines Tages Cantona (spielt sich selbst) persönlich in seinem Zimmer sitzt und ihn ermuntert, sein Leben endlich in die Hand zu nehmen...
Kinofilm-Rating
Eric Cantona war in den Neunzigerjahren einer der erfolgreichsten und populärsten, allerdings auch exzentrischsten und umstrittensten Figuren der englischen Premier League. Er war es selbst, der mit der Idee für einen Film über sein Verhältnis zu den Fans - von denen er heute noch verehrt wird - an Ken Loach herantrat. Seit seinem Rücktritt vom Spitzenfussball 1997 hat der Franzose fleissig im Filmbusiness Erfahrung gesammelt, sein bekanntester Auftritt war wohl derjenige als Monsieur de Foix in Elizabeth.
Mit Looking for Eric kommt Cantona nun eine Ehre zu, die seit David Beckham mit Bend it like Beckham keinem Fussballer mehr zuteil wurde: ein nach ihm benannter abendfüllender Spielfilm. Und im Unterschied zu Beckham darf er darin nicht nur in Archivschnipseln seine schönsten Goals Revue passieren lassen, sondern auch eine Hauptrolle spielen. Dies allerdings immer dezent im Hintergrund neben dem eigentlichen Hauptdarsteller Steve Evets. Dieser gibt mit seinem unrasierten Gesicht und den schiefen Zähnen ein perfektes Bild des Underdogs in mittleren Jahren, der eher schlecht als recht mit seinem Leben zurecht kommt.
Mit Ken Loach führt der Maestro des sozialen Arbeiterdramas Regie, was bei einem Film über Fussballfans aus Manchester, der Arbeiterstadt schlechthin, durchaus nahe liegend erscheint. Zudem hat Loach mit Ae Fond Kiss... bereits einmal einen Film gedreht, bei dem König Fussball ein wichtiger Nebendarsteller war. Seinem Stil bleibt er in Looking for Eric treu, allerdings ist sein neues Werk insbesondere im Vergleich zu den zwei letzten, The Wind that shakes the Barley und It's a free world..., vergleichsweise leichte Kost. Loach bezeichnet seinen Film sogar als Romantic Comedy, was durchaus nicht abwegig ist. Der Film ist nämlich nicht nur komisch, sondern bietet auch eine Liebesgeschichte, die als herzerwärmend bezeichnet werden darf. Ein Adjektiv, das bislang nicht gerade zuallererst mit Loach-Filmen in Verbindung gebracht wurde.
Neben der sehr schönen Liebesgeschichte entwickelt der Film um Erics Sohn Ryan einen Nebenplot, der in der zweiten Filmhälfte die Filmhandlung zu dominieren beginnt und die Filmlänge auf knapp zwei Stunden Länge zieht. Diese Nebenstory scheint ein wenig übertrieben und aufgesetzt, und die Lösung, die am Schluss geboten wird, ist zwar sympathisch und bietet einige Lacher, wirkt allerdings auch etwas simpel. Macht aber alles nichts, denn schliesslich dürfen in einer romantischen Komödie auch mal Dinge passieren, die mit der Realität nicht übermässig viel zu tun haben. Selbst in einem Film von Ken Loach.
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