Lebanon - Levanon (2009)

Lebanon - Levanon (2009)

Oder: Ins Visier genommen

Lebanon - Levanon

Der Killer-Blick

Der erste Libanonkrieg im Jahr 1982: Vier junge israelische Soldaten sind in einem Panzer unterwegs um eine feindliche Stadt zu suchen, die zuvor schon von der israelischen Luftwaffe bombardiert worden ist. Kommandant Assi (Itay Tiran), Kanonier Shmulik (Yoav Donat), Lader Hertzel (Osri Cohen) und Fahrer Yigal (Michael Moshonov), alle erst um die 20 Jahre alt, sind keine ausgebildeten Kampfmaschinen, sondern normale junge Männer, die unvermittelt für diesen Krieg aufgeboten wurden.

Auf engstem Raum im Innern des Panzers müssen die vier nun ihre Mission erfüllen. Sonnenlicht sehen sie nur sporadisch und für kurze Zeit, wenn sich die Luke öffnet und ihr Vorgesetzter Jamil (Zohar Strauss) in den Panzer kommt, um ihnen Befehle zu erteilen. Das Leben ausserhalb bekommen sie nur durchs Visier des Panzers mit. Ihre Aufgabe lässt die vier Soldaten an ihre physischen und psychischen Grenzen stössen, und im zunehmenden Kriegschaos müssen sie nicht nur ihre Furcht überwinden, sondern bald auch ums nackte Überleben kämpfen.


Kinofilm-Rating

Mit Lebanon verarbeitet Regisseur Samuel Maoz seine eigenen Erinnerungen als Soldat im ersten Libanonkrieg im Jahr 1982. Und tut dies auf eine sehr innovative Art und Weise. Denn herausgekommen ist eine Art Kriegsfilm im Blairwitch-Stil - will heissen: dunkle, verwackelte Bilder, in denen die Zuschauer nicht mehr zu sehen kriegen als die Protagonisten. Zwar wurde nicht aus First-Person-Perspektive gefilmt, doch die Kamera ist sozusagen das fünfte Besatzungsmitglied des Panzers. Das beklemmende Gefühl, im engen Panzer gefangen zu sein, wird so sehr glaubwürdig vermittelt.

Zweites wichtiges Element des Filmes sind die schwerfälligen Kamerafahrten mit dem Panzervisier, immer begleitet von einem leisen Quietschen. Sie illustrieren sehr schön die Ohnmacht und Hilflosigkeit im Innern des Gefährts. Denn zwar ist man scheinbar der Stärkere, doch lastet gerade auf dieser Stärke auch eine grosse Verantwortung, da ein einzelner Schuss ein Maximum an Leid und Zerstörung anrichten kann. Und gerade diese Schwerfälligkeit des Panzers macht ihn auch verwundbar - so dass er am Ende ironischerweise doch der Schwächere ist. Die dunklen Bilder, die dreckigen Gesichter und die Ahnungslosigkeit, was sich draussen wirklich abspielt - man wünscht sich auch in der Rolle des Zuschauers, endlich dem verfluchten Panzer zu entsteigen. Doch dies geschieht erst in der sehr schönen Schlusseinstellung.

Filme, die die Schrecken des Krieges zeigen, gibt es mittlerweile zuhauf. Auch der Libanonkonflikt wurde schon filmisch verarbeitet, so beispielsweise in Beaufort (der allerdings im Jahr 2000 spielt). Konnte dort und in vielen anderen ähnlichen Filmen dem Thema grundsätzlich nichts Neues abgewonnen werden, gelingt es Maoz mit Lebanon, das vermeintlich ausgelutschte Genre neu zu beleben - und schafft einen beängstigenden und beklemmenden Film, der in Erinnerung haften bleibt.

4.7 Sterne
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09.09.2009 / ebe