Air Doll - Kûki ningyô (2009)

Air Doll - Kûki ningyô (2009)

Oder: Mein Leben als Gummipuppe

Air Doll - Kûki ningyô

Mir ist so langweilig!

Kellner Hideo (Itsuji Itao) lebt in einer trostlosen Wohnung in Tokio. Er kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag vom Regen durchnässt nach Hause. Seine Geliebte wartet artig auf ihn. Sie ist eine aufblasbare, bildhübsche Gummipuppe (auf Japanisch: kûki ningyô, wörtlich: "Luft-Puppe"). Sie ist ganz Ohr und hört ihm geduldig zu, als er wie immer über den Arbeitsstress berichtet. Nach dem Abendsnack geht's zur Triebbefriedigung, dann zum Waschen ins Bad. Der Tag ist wieder einmal zu Ende, und man schläft Arm in Arm ein.

Air Doll - Kûki ningyô

"Könnten Sie mir etwas gegen Langeweile empfehlen?"

Am nächsten Tag scheint die Sonne, und der Kellner geht wie viele andere übermüdete Pendler zur Arbeit. Alleine gelassen erwacht die Puppe zum Leben (ab jetzt von Du-na Bae verkörpert). Sie erkundet die Aussenwelt mit frischen, kindlichen Augen und lernt die Traurigkeit und Schönheit des Lebens kennen. Auch entdeckt sie langsam, dass sie so etwas wie ein Herz, eine Seele besitzt. Wie geht man mit sowas denn um? Sie sucht Rat bei verschiedenen Stadtmenschen, die sie zufällig trifft...


Kinofilm-Rating

Air Doll ist so ein Film, über den man viel Philosophisch-Tiefgründiges schreiben kann, obwohl das Filmerlebnis nicht so erfüllend ist. War diese "Leere" im Film aber nicht vielleicht die Absicht des Regisseurs Hirokazu Kore-eda? Dieser aussergewöhnliche Film, bei dem es auf der Oberfläche um einen Perversling geht, der sich mit einer Gummipuppe vergnügt, hat erstaunlich viele Lobpreisungen von Zuschauerinnen geerntet. Nebst Lobeshymnen von Juliette Binoche, charakterisiert die Filmkritikerin Maggie Lee den Film als "eine schmerzlich-schöne Meditation über Einsamkeit und Sehnsucht in der Stadt, der dazu noch einen kritischen Blick auf die Konsumkultur wirft, in der immer neue Ersatz- und Wegwerfprodukte entwickelt werden". Mehr als Gesellschaftskritik geht es aber wohl um persönliche Obsessionen von Kore-eda, da er bisher selten so viele Freiheiten hatte und als Produzent, Drehbuchautor und Cutter in acht Jahren einen kompromisslosen Director's-Cut-Film herstellen konnte.

Hirokazu Kore-eda kommt aus dem TV-Dokumentarfilm-Branche. Dort wurde sein geduldiger Blick für die Poesie des Alltags geschärft. Neben seinen preisgekrönten meditativen Spielfilmen bleibt er weiter seinem dokumentarischen Stil treu. Die Geschichte von Air Doll basiert auf einen 20-seitigen, kurzen Manga von Yoshiie Gôda. Kameramann ist der geachtete Taiwanese Pin Bing Lee (In the Mood for Love), und die überzeugende Tussi-Puppe spielt die koreanische Model-Schauspielerin Du-na Bae, die bisher unter anderem in koreanischen Horror-Filmen Aufsehen erregte. Die Film-Musik ist passend melancholisch-märchenhaft.

Kore-eda erklärte in einem Interview, dass ihn die Idee des "Luft-Blasens" zum Film inspirierte. Ich werde nichts weiter verraten, doch bestehen möglicherweise auch Anspielungen zum Erotik-Klassiker Im Reich der Sinne des japanischen Kult-Regisseurs Nagisa Ôshima, der auch verschiedene perverse Sex-Praktiken auf symbolische Weise umsetzte.

Schlussendlich ist Air Doll aber leider ein langatmiger, auf den ersten Blick hohler Film. Die allzu luftig-substanzlosen Bilder neigen oft zum Kitsch, und viele Ungereimtheiten führen zu einer unbefriedigenden, unlogischen Story. Beim Nachsinnen entpuppt sich diese Studie jedoch als reichhaltiger, als es aussieht. Die Emotionen der Figuren müssen aber geduldig aufgespürt werden.

4.4 Sterne
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3.53.5
07.02.2010 / dap