Katalin Varga (2009)

Katalin Varga (2009)

Oder: Mit dem Ross durch Rumänien

Katalin Varga

Nach links oder rechts?

Als ihr Mann erfährt, dass er nicht der Vater des 11-jährigen Orban ist, muss Katalin Varga (Hilda Peter) ihr Zuhause verlassen. Verstossen vom Ehemann bleibt ihr keine andere Wahl, als den leiblichen Vater zu suchen. Mit der Pferdekutsche geht's auf eine Reise durch die Karpaten. Mit dabei, der Sohnemann, der lange denkt, es werde die kranke Oma besucht. Dabei wurde Katalin vor elf Jahren vergewaltigt. In ihrer Verzweiflung stellt sie sich nun ihrer Vergangenheit und will ihre Peiniger aufspüren. Den ersten findet sie schnell und schlägt ihm die Rübe ein. Der zweite erweist sich als liebevoller Landarbeiter, verheiratet mit einer guten Frau und ganz und gar nicht unbegabt im Umgang mit Orban.


Kinofilm-Rating

Rache ist für einmal nicht süss sondern rumänisch. In einem Film, der zwar archaisch wirkt, aber trotzdem heute spielt. Obwohl die Bäuerin Katalin noch Kopftuch trägt und sich von einem Pferd durch die Gegend kutschieren lässt, klingelt im Erstlingswerk von Peter Strickland auch mal ein Handy, und die Protagonistin wird auf die Vorteile einer wohlbekannten automobilen Errungenschaft hingewiesen.

Lange Jahre hat der Brite Strickland schon am Stoff gearbeitet. Er hat keine rumänischen Wurzeln, und deshalb kann man Katalin Varga nur bedingt zum rumänischen Filmwunder zählen, das bereits wieder am verblassen ist. Aber Rumänien als Schauplatz passt hier bestens. Karge Landschaften korrespondieren mit einem minimalistischen Score, der immer bedrohlich brummelt auf Katalins Irrweg. Klar ist Katalin Varga keine Revenge-Amazone im Stile einer Pam Grier oder Uma Thurman. Zu Beginn ist sie aber auf einem ähnlich brutalen Pfad, der ihr dank ihren weibliche Attributen erst eröffnet wird. Das Treffen auf den Haupttäter Antal Borlan (Tibor Palffy) lässt aber Zweifel an ihrer Mission aufkommen. Antal ist der vielleicht netteste Vergewaltiger der Filmgeschichte. Die geschundene Frau, grimmig interpretiert von Hilda Peter, von der man wohl noch hören wird wie von ihrer Quasi-Vorgängerin Anamaria Marinca, hat aber auch so keine Chance. In archaische Gesellschaftsformen braucht es kein Mitleid, um weibliche Selbstjustiz im Keime zu ersticken zu lassen.

3.4 Sterne
3.4 Sterne (6 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
13.02.2009 / rm