Nobody Knows About the Persian Cats - Kasi az gorbehaye Irani khabar nadareh (2009)

Nobody Knows About the Persian Cats - Kasi az gorbehaye Irani khabar nadareh (2009)

Oder: Rock-Rebellion auf Persisch

Nobody Knows About the Persian Cats - Kasi az gorbehaye Irani khabar nadareh

Bei Elton John sahen die Brillen nur halb so gut aus.

Als die beiden Jugendlichen Negar (Negar Shaghaghi) und Ashkan (Ashkan Koshanejad) aus dem Gefängnis in Teheran entlassen werden, entschliessen sie sich, eine Indierockband zu gründen, um in London ein Konzert zu geben. Drei grundlegende Dinge für die Umsetzung ihrer Pläne fehlen den beiden jedoch noch: Geld, Visa, die ihnen erlauben, aus Teheran auszureisen, und Bandmitglieder. Während das Geld über Ashkans Mutter aufgetrieben wird, treffen die beiden Musiker Nader (Hamed Bahdad), der ihnen bei der Beschaffung der Visa und der Suche nach potentiellen Bandkollegen helfen soll.

Nobody Knows About the Persian Cats - Kasi az gorbehaye Irani khabar nadareh

Snoop wer...?

Es beginnt eine Reise durch Teherans Keller und Hinterhöfe, wo sich die Musiker treffen, die ihrer Kunst im Geheimen nachgehen müssen, da sie sonst eine Verhaftung wegen Missachtung der islamischen Traditionen riskieren würden. Nader bringt Negar und Ashkan mit diversen Bands zusammen, welche ihnen von ihren Erfahrungen aus dem Musikerdasein im Untergrund von Irans Hauptstadt erzählen. Die Euphorie über die Ausreisepläne hält sich jedoch stets im Rahmen. Während sich Negar und Ashkan intensiv auf ihr erstes Konzert vorbereiten, setzt Nader alle Hebel in Bewegung, um an die gewünschten Dokumente ranzukommen.


Kinofilm-Rating

Man nehme eine Kamera, engagiere ein paar Leute als Schauspieler, drehe einige spontane Szenen über das zweifellos nicht ganz einfache Dasein von iranischen Rock- und Hip-Hop-Bands, füge eine relativ schwache Handlung hinzu und nenne das Ganze "Kunst". Aber reicht das, um das Ergebnis einen guten Film nennen zu können?

Nein, tut es nicht! Mit Nobody Knows About the Persian Cats beschert uns Bahman Ghobadi ein Werk, das weder über einen Plot verfügt, der den Zuschauer in seinen Bann zieht, noch durch seine Hauptdarsteller brilliert. Die Geschichte des Films beruht auf wahren Begebenheiten und die beiden Hauptdarsteller spielen mehr oder weniger sich selbst. Leider ist die Verbindung von Dokumentation und Fiktion in diesem Fall nicht gelungen. Die Rollen der Negar (Negar Shaghaghi) und des Ashkan (Ashkan Koshanejad) wirken hölzern und steif. Einzig die Leistung von Hamed Behdad in der Rolle des quirligen, wortgewandten Nader überzeugt auf der ganzen Länge.

Die Kameraführung während der 103 Minuten Laufzeit ist gewöhnungsbedürftig. Es wird mit improvisierten "Specialeffects" gespielt, die in dieser Form aber nicht beim Zuschauer ankommen. Viel eher empfindet man das vermeintlich "geheimnisvolle Verzerren des Bildes" schlichtweg als unscharf, und die "authentische Laufbewegung" als Rütteln oder Wackeln.

Einen grossen Pluspunkt erhält der Film für die hervorragende Darstellung der Situation, in der sich moderne junge Leute mit Affinität zu westlicher Musik im Iran befinden. Jede der Bands, auf die Nagar und Ashkan treffen, darf sich dem Publikum in Form eines eigenen Songs vorstellen und ihre Passion zum Besten geben. Parallel dazu werden Szenen aus dem heutigen Iran gezeigt. Dem Iran der Gegensätze: modisch gekleidete Mädchen neben verschleierten Frauen; die materiell gut versorgte Oberschicht neben den Obdachlosen, die über nichts als sich selbst verfügen.

Wenn man sich bewusst ist, dass mit Nobody Knows About the Persian Cats weder ein Spielfilm noch eine Dokumentation gezeigt wird; wenn man sich in die pulsierende Musikwelt Teherans entführen lassen will, aber keine schauspielerischen Glanzleistungen erwartet; und wenn es einem nichts ausmacht, während der gesamten Zeit konzentriert mitzudenken, wird man an diesem filmischen Querschnitt der etwas anderen iranischen Musikszene sicherlich Gefallen finden.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare

33
27.07.2010 / hom