John Rabe (2009)

John Rabe (2009)

Oder: Schon wieder ein guter Nazi

John Rabe

Frühformen eines Stadiongaudis

Knapp dreissig Jahre schon lebt der deutsche Kaufmann John Rabe (Ulrich Tukur) in China. Anfangs des 20. Jahrhunderts kam er mit seiner Frau Dora (Dagmar Manzel) ins Reich der Sonne, um in Nanking eine Niederlassung des Siemens Konzerns aufzubauen. Das hat er getan - jetzt will man ihn zurück nach Deutschland holen

John Rabe

Hier kommt keiner rein!

Rabe lässt sein Lebenswerk nur ungern zurück, doch er fügt sich den Anordnungen. Am Abschiedsball setzt er zu einer Rede an, die abrupt gestört wird: Japanische Kampfbomber nehmen die Stadt unter Beschuss. Rabe handelt intuitiv und öffnet die Firmentore, um den Arbeitern unter einer Nazi-Flagge Schutz zu bieten.

Am nächsten Tag beraten die in Nanking lebenden Ausländern, wie man die Menschen in der Stadt schützen könnte. Dazu gehören der deutsch-jüdische Diplomat Dr. Georg Rosen (Daniel Brühl) und der amerikanische Arzt Dr. Wilson (Steve Buscemi). Eine Sicherheitszone soll errichtet werden - als Vorsitzender wird Rabe gewählt. Trotzdem macht sich Rabe mit seiner Frau auf, das Schiff nach Deutschland zu betreten, nur um in letzter Sekunde seine Meinung zu ändern. Fortan setzt er sich für die Menschen in der Sicherheitszone ein. Das gelingt eine Zeit lang. Dann aber wird sie durch einen Vorwand von den Japanern gestürmt, in der Absicht, ein Massaker zu verüben.


Film-Rating

Es scheint so, als hätten die Filmemacher eine neue 2. Weltkrieg-Nische gefunden: Nachdem Opfer und Drahtzieher der grössten von Menschenhand hergeführten Katastrophe zur Genüge portraitiert wurden, sind es nun die wenigen deutschen Helden, deren Geschichte erzählt wird. Die Rede ist aber nicht von linken Widerständigen wie etwa Sophie Scholl. Nein, es handelt sich um den Nazi Stauffenberg, der Hitler in die Luft sprengen wollte. Und es handelt sich um John Rabe, ebenfalls ein Parteimitglied, der 1937, also noch vor dem Kriegsausbruch, über 200 000 Chinesen rettete.

Fürwahr schreien diese Begebenheiten geradezu nach einer Verfilmung. Rabes Heldentaten wie auch er selbst gerieten lange Zeit in Vergessenheit. Oscar-Preisträger Florian Gallenberger nahm sich der Geschichte von Rabe an und visualisierte sie in eindrücklichen fiktiven, wie auch dokumentarischen Bildern - einige wenige Filmdokumente dieser Zeit blieben der Nachwelt erhalten. Als Leitfaden diente Gallenberger das Tagebuch Rabes.

Entstanden ist so ein beeindruckender Film mit einem stark besetzten Ensemble. Ulrich Tukur verkörpert Rabe souverän, und Steve Buscemi begeistert mit der gekonnten Zurschaustellung seines angestammten Rollenbilds: Das des Zynikers. Weiters versinkt John Rabe nie in schreierischem Heroismus, sondern zeigt Humanisten, die stets selber am Rande des Abgrunds stehen. Man kann diesen Film abschätzig als weiteres Mosaikstück in der endlosen Aufarbeitung der Nazi-Zeit betrachten - aber auch erkennen, dass Florian Gallenberger ein bewegendes Drama von hoher Qualität gelungen ist.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

09.02.2009 / uas

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Bewertung: 4.3 (11 Bewertungen)

 

 

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