It's Complicated (2009)

Wenn Liebe so einfach wäre

It's Complicated (2009) Wenn Liebe so einfach wäre

Oder: Die Herbstzeitlose

It's Complicated

Plötzlich wieder zusammengebumst.

Seit ihrer Scheidung von Jake (Alec Baldwin) lebt Jane (Meryl Streep) ohne Mann an ihrer Seite. Ihr Job als Backwarenverkäuferin in Santa Barbara erfüllt sie. Die drei Kinder sind mittlerweile flügge geworden, und nach 10-jährigem Vor-sich-Herschieben wird nun endlich die Küche modernisiert. Architekt Adam (Steve Martin) soll sie dabei unterstützen. Dass Jake mittlerweile längst eine jüngere Frau (Lake Bell) hat, stört Jane nur, wenn sie deren straffen Bauch betrachten muss. Aber sonst...?

It's Complicated

Auch mit dem anderen ist's lustig.

Doch alles ändert sich, als sich Jane und Jake etwas länger als geplant an einer Bar aufhalten. Die Geschiedenen sind wegen des Dies Academicus des gemeinsamen Sohnemannes nach New York gedüst und im selben Hotel untergekommen. Ein Glas Rotwein führt zum nächsten, und aus dem Schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen wird bald ein gemeinsames Wälzen in den Bettlaken. Jake fühlt sich dabei in Janes Vagina "wie zu Hause" - und schon ist aus Jane "die andere Frau" geworden, über die sie normalerweise mit ihren Freundinnen lästert. Das Techtelmechtel muss geheim bleiben. Wehe, der Rest der Familie erfährt davon. Und auch Frauenversteher Adam, der Jane Avancen macht, bleibt vorerst uninformiert.


Kinofilm-Rating

Niemand macht Nancy Meyers etwas vor. Sie hat den Dreh raus, wie man ZuschauerINNEN in die Kinos lockt und ist mittlerweile Hollywoods Fachfrau für reifere, reiche Frauen, deren Sexualität noch nicht erloschen ist. Alle drei Jahre ein Film, der zeigt, was Frauen wollen oder was das Herz begehrt. Keine andere US-Regisseurin verbindet traditionell brav-frauliche Themen besser mit verruchten erotischen Weiberphantasien. Die Jobs ihrer Protagonistinnen werden oft in Küchen verrichtet. Wohnungen in Nancy-Meyers-Filmen scheinen Inneneinrichtungsfachmagazinen zu entspringen. Probleme mit dem Nachwuchs haben die Damen ohne männliche Hilfe zu lösen. In drei Worten: Herd, Heim und Kind. Dazu kommen Berührungsängste gegenüber neuen Technologien wie Handys - und schon sähen wir ein "Huscheli" auf der Leinwand. Doch in den Frauen, die Nancy Meyers erfindet, lodert die Leidenschaft. Das Wilde, Verpönte, Verruchte drückt durch. Wer hätte gedacht, dass wir noch einen Film sehen, in dem Meryl Streep kotzt, kifft und sich untenrum nicht mehr rasiert?

Die Schauspielgigantin arbeitet zum ersten Mal mit Nancy Meyers zusammen und übernimmt quasi die Rolle, die Diane Keaton in Something's gotta give inne hatte. In der kurzen Sequenz beim Psychiater lässt sie all ihre Klasse aufblitzen und geht das Repertoire menschlicher Emotionen schnell in fünf Minuten durch. Alec Baldwin macht seinen Jack Donaghy aus 30 Rock mittlerweile auf Autopilot. Ist folglich grossartig, aber wieso sollte man sich einen zweistündigen Frauenfilm ansehen, wenn man dieselbe Figur staffelweise zuhause am Fernseher anschauen kann. Steve Martin muss sich für den supernetten Adam hingegen so zurückhalten, dass man ihn allzuschnell wieder vergisst, wenn der Film zu Ende ist. Von Meryl Streeps eigentlich erwachsener "Kinderschar", die, ausser putzig in die Kamera weinen, wenig zu tun bekommt, sticht nur John Krasinski (Away We Go) raus, der seine The Office US-Grimassen dann bringen darf, wenn er als erster und einziger von der Affäre seiner Schwiegermutter erfährt.

Mal sexy Schwank, mal kuschelige Verarbeitung einer Scheidung, aber immer vor malerischster Kulisse. Nancy Meyers bleibt sich treu und scheffelt weiter Geld, in dem sie die romantischen Träume des schon etwas runzligeren Frauenpublikums mit überlangen Filmen bedient. Wie ihre Protagonistinnen ist auch sie eben eine wahre Powerfrau.

3.9 Sterne
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16.01.2010 / rm