Police, Adjective - Politist, adj. (2009)
Police, Adjective - Politist, adj. (2009)
Oder: Vom alltäglichen Gewissen gebissen
Der neue Fall des jungen Polizisten Cristi (Dragos Bucur) hat es in sich: Seit wenigen Tagen beschattet er einen Schüler, der des Haschischkonsums verdächtigt wird. Cristi soll nun herausfinden, ob der Junge sogar mit dem Stoff dealt. Während der Polizeichef Anghelache (Vlad Ivanov) von Anfang an auf Verhaftung plädiert, nimmt sich Cristi viel Zeit um herauszufinden, warum der Schüler Joints raucht und wer ihm die Drogen verkauft. Cristis Tage gestalten sich daher ziemlich einseitig aus stundenlangem Beschatten, Warten, Zigarettenrauchen und den wenigen Kumpels des Schülers nach Hause zu folgen.
Einer davon ist Alex (Alexandru Sabadac), der ebenfalls Haschisch raucht und Cristi fortan als Informant dient. Durch ihn verliert der junge Polizist immer mehr das Vertrauen in die Justiz. Er kann nicht verstehen, wie das Leben eines Jugendlichen zerstört werden soll, während in den Nachbarländern straffrei gekifft wird. Trotz des schier endlosen bürokratischen Aufwands versucht Cristi, das Gesetz so gut wie möglich zu biegen und eine Verhaftung zu verhindern...
Kinofilm-Rating
Police, Adjective kannt trotz seiner total eigensinnigen Aufmache überraschenderweise mehrere europäische Auszeichnungen vorweisen und wurde von Rumänien offiziell als Anwärter für den diesjährigen Oscar vorgeschlagen. Corneliu Porumboiu, der bereits mit dem Vorgänger 12:08 East of Bucharest in Cannes abgesahnt hatte, verbreitet mit seinem neuen Film ein hohes Mass an Lakonie.
Auf den ersten Blick wirkt Police, Adjective unglaublich träge. Lange, scheinbar unendliche Kameraschwenks innerhalb Bukarests betonschwangeren Quartieren vermischen sich mit dem wortkargen Charakter Cristi (Dragos Bucur) und den fast satirisch angehauchten Nebencharakteren. Dialog gibt's (zu) wenig, und das meiste davon hat auch nicht direkt mit der Story zu tun. Es lohnt sich also, diesen Film mit einigen Tassen Kaffee intus zu geniessen. Überaschenderweise schafft es Porumboi süffisant, gerade mit ellenlangen Nonsens-Diskussionen dem ganzen Film eine gewisse Authentizität und ein Alltags-Feeling zu verleihen. Wenn sich Cristis Frau Anca (Irina Saulescu) minutenlang ein YouTube-Video einer Sängerin anhört, während Cristi die Reste des Abendessens vertilgt, wirkt das schon irgendwie komisch. Viele Szenen sind aber derart langweilig, dass diese Alltagskomik, ob gewollt oder nicht, fast zu schmerzen beginnt. Höhepunkt des Filmes ist der endlos scheinende Dialog zwischen Cristi, seinem Arbeitskollegen Nelu (Ion Stoica) und dem Polizeichef. Hier gewinnt Police, Adjective doch noch ein paar Punkte - wenigstens kann man als Zuschauer über die Sinnlosigkeit lachen oder zumindest den Kopf schütteln.
Fazit: Police, Adjective ist ein Film für Liebhaber von unkonventionellen Geschichten. Es passiert nicht viel, und wenn, dann ist das Lesen zwischen den Zeilen amüsanter als die Story an sich. Ein paar wenige wirklich starke Dialoge reichen nicht aus, um Corneliu Porumboius Odyssee über Gewissen und Moral ohne mehrmaliges Gähnen zu überleben.
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3.8 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare



