Inglourious Basterds (2009)
Inglourious Basterds (2009)
Oder: Ist das jetzt Pulp History oder War Fiction?
1941, die Nazis haben soeben Frankreich besetzt, spürt Hauptsturmführer Hans Landa (Christoph Waltz), Spitzname "Judenjäger", in einem abgelegenen französischen Bauernhof eine jüdische Familie auf und lässt diese von seinen Schergen kurzerhand exekutieren. Einzig die Tochter, Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent), kann entkommen und flüchtet nach Paris.
Währenddessen ist eine geheime Spezialeinheit jüdisch-amerikanischer Soldaten unter der Führung von Lieutnant Aldo Raines (Brad Pitt) in Europa unterwegs. Ihre Mission: So viele Nazis wie möglich zu killen. Kontaktperson und Informationsquelle der Truppe, die von den Nazis unter dem Namen "Basterds" gefürchtet ist, ist die deutsche Schauspielerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger).
Vier Jahre später: Shosanna Dreyfus hat in Paris eine neue Identität angenommen und besitzt ein kleines Kino. Sie erweckt das Interesse des Nazi-Kriegshelden Frederick Zollner (Daniel Brühl), dessen Heldentaten soeben zu einem Propagandafilm verwurstet wurden. Dank seiner Connections kann er einfädeln, dass die Premiere in Shosannas Kino stattfindet. Erwartet werden zahlreiche hochrangige Nazioffiziere. Dies sieht sie als einmalige Gelegenheit, sich für den Mord an ihrer Familie zu rächen. Doch auch die Basterds haben von der Premiere Wind bekommen und nehmen Kurs auf Paris...
DVD-Rating
Kino darf alles: Es darf uns schockieren, zum Lachen und zum Staunen bringen und sogar die Weltgeschichte neu schreiben. Einer, der mehrere Jahre an einem Werk arbeitete, das die Geschehnisse im zweiten Weltkrieg leicht abändert, ist unser lieber Quentin Tarantino. Das fertige Werk, das sich Inglourious Basterds nennt, wurde nicht nur Tarantinos rentabelstes Werk, sondern beweist auch, dass man mit ihm wieder rechnen muss, wenn es um die Filmpreise geht.
Bereits die Eröffnungssequenz ist der Wahnsinn. Da sitzen zwei Herren an einem Tisch und diskutieren einfach miteinander. 20 Minuten lang dauert diese Sequenz, und sie ist keine Minute zu lang. Mit einer solchen Intensität und einer solchen Spannung hat selbst Tarantino noch nie eine Szene inszeniert. Obwohl man genau weiss, dass man es hier mit "Pulp Fiction" zu tun hat, kaut man gespannt die Fingernägel. Einer dieser diskutierenden Herren ist der oft gelobte Österreicher Christoph Waltz. Seine Verkörperung des Hans Landa ist herausragend und sticht aus dem bereits brillanten Ensemble sogar heraus. Eiskalt, brutal, aber auch ausserordentlich intelligent ist diese Figur, die Tarantino ihm auf den Leib geschrieben hat. Des Weiteren gefallen Brad Pitt als Südstaatenchef der Basterds, Mélanie Laurent als Shosanna und Michael Fassbender als fast perfekt deutschsprechender Engländer. Einer, der noch separat zu erwähnen ist, ist der von August Diehl schön fies gespielte Major Hellstrom. Abfallen tut eigentlich nur Diane Kruger, die mit ihrem Overacting etwas nervt.
Beim letzten Film von Tarantino, Death Proof, einer Homage an das Grindhouse-Kino, vermissten die meisten die brillanten Tarantino-Dialoge. Auch hier hat der Regisseur zu alter Stärke zurückgefunden. Herrlich ist jene Szene, in der frisch fröhlich das gute alte Post-it-Spiel gespielt wird. Eigentlich völlig sinnlos und sogar ein richtiger Bremser in der Story. Aber Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er nicht auch das cool inszenieren und es schaffen würde, dass der Zuschauer gespannt den Dialogen folgt. Coole Oneliner wechseln sich mit spannenden Diskussionen ab. Man merkt richtig, dass es sein Herzensprojekt ist und dass er lange daran gearbeitet hat. Jeder Dialog ist scharf geschliffen. Einzig beim Frederik-Zoller-Kapitel übertreibt er es ein wenig. Aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler.
Inglourious Basterds lässt sich eigentlich mit fast keinem anderen Film vergleichen. Er ist einzigartig und Tarantinos bester Film seit langen. Wer sich vor der zweiten Weltkriegsthematik und vor dem einen oder anderen Gewaltausbruch nicht abschrecken lässt, erhält 100 Prozent Tarantino. Cool, brillant, spannend und sehr unterhaltsam. Two thumbs up.
Die DVD, welche uns von Universal zur Verfügung gestellt wurde, ist eine 2-Disc-Edition, die vollgepackt ist mit Bonusmaterial. Auf Disc 1 lassen sich drei verlängerte Szenen plus den sechsminütigen Film "Stolz der Nation" bewundern. Für die Trailer des Films hatte es auch noch Platz. Weiteres Material wurde auf die zweite Disc gepackt. Als erstes kommen Pitt und Tarantino zu Wort, die in einem Interview einiges zu erzählen haben. Ein Highlight dieser Disc ist ein Making-of zu "Stolz der Nation". Alle Schauspieler nehmen ihre Rollen aus dem Film nochmals auf, und tun so, als würde der Film tatsächlich zu Propagandazwecken verwendet werden. Ein Feature über die originalen Basterds darf natürlich auch nicht fehlen, das Ausschnitte aus dem alten Schinken zeigt. Rod Taylor wurden zwei Extras gewidmet und die Features "Hi Sally" und "Quentin Tarantino's Camera Angel" zeigen, dass so ein Dreh ganz witzig sein kann. Abgerundet wird das Angebot mit jeder Menge Postern. Bild- und tontechnisch gibt es nichts zu beanstanden. Beides ist auf sehr hohem Niveau. Der Ton ist eher frontlastig, aber an den richtigen Stellen schön räumlich. Ein starkes Set.
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4.8 Sterne (225 Bewertungen) | 11 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 11.01.2010
- Bildformat: 1:2.40 (16:9)
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch; Englisch; Türkisch
- Extras: 3 verlängerte Szenen; Nation's Pride-Feature; Trailer; Interview mit Pitt und Tarantino; The Making-of Nation's Pride; The Original Inglorious Bastards; A Conversation with Rod Taylor; Rod Taylor on Victoria Bitter; Quentin Tarantino's Camera Angel; Hi Sally; Film Poster Gallery Tour; Inglourious Basterds Poster Gallery



