The Imaginarium of Doctor Parnassus (2009)
Das Kabinett des Dr. Parnassus
The Imaginarium of Doctor Parnassus (2009) Das Kabinett des Dr. Parnassus
Oder: Heath, Johnny, Jude und Colin im Wunderland
Dr. Parnassus (Christopher Plummer) hat eine aussergewöhnliche Begabung: Er kann die Vorstellungswelt anderer Menschen steuern. Diese Begabung nutzt er, um mit seinem Wandertheater, dem "Imaginarium", durchs Land zu ziehen und als Jahrmarktattraktion die Leute in die Welt ihrer eigenen Fantasie eintreten zu lassen. Unterstützt wird er dabei von einer Schaustellertruppe sowie seiner Tochter Valentina (Lily Cole).
Was diese nicht weiss: Ihr Vater ist in Wirklichkeit über 1000 Jahre alt und ein unverbesserlicher Spieler. Sein bevorzugter Gambling-Partner ist der Teufel (Tom Waits), der sich "Mr. Nick" nennt. In einer ersten Wette hat Parnassus Unsterblichkeit erlangt. Aus einer weiteren Wette ist hervorgegangen, dass seine Tochter beim Erreichen des 16. Altersjahrs Mr. Nick gehören würde.
Eines Tages gabelt die Truppe den mysteriösen Fremden Tony (Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell) auf, der jegliche Erinnerung verloren hat. Sie nimmt ihn als Marktschreier an Bord, wobei er sich als äusserst talentiert erweist. Derweilen hat Parnassus andere Sorgen, feiert doch Valentina in wenigen Tagen ihren 16. Geburtstag. Doch dann bietet ihm der Teufel eine neue Wette an - wer zuerst fünf Seelen verführt, dem soll Valentina gehören...
Kinofilm-Rating
Es war im Januar 2008. Terry Gilliam war gerade mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Film The Imaginarium of Doctor Parnassus beschäftigt, als ihm unvermittelt sein Hauptdarsteller wegstarb. Heath Ledger wurde bekanntlich nach einer Überdosis Medikamente tot in seiner Wohnung in New York aufgefunden. Die Dreharbeiten wurden gestoppt, das Projekt stand auf der Kippe - zu viele Szenen waren noch nicht abgedreht, als dass der Film ohne Ledger hätte beendet werden können.
Zwei Monate später wurden die Dreharbeiten dennoch fortgesetzt - mit dem illustren Trio Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell an Bord, das Ledgers Part für die noch nicht abgedrehten Szenen übernehmen sollte. Terry Gilliam wäre nicht Terry Gilliam, hätte er aus dieser speziellen Ausgangslage nicht das Beste gemacht. Denn das fertige Resultat sieht nun so aus, als wäre die Verkörperung desselben Charakters durch vier Schauspieler von Anfang an so geplant gewesen. Die drei Ersatz-Ledgers verkörpern dabei jeweils die Rolle des Tony, wenn er in eine der Fantasie-Welten eintaucht und repräsentieren damit eine Art verborgener Charakterzug, der erst in der Gegenwelt nach aussen gekehrt wird. Für den Zuschauer ist es amüsant, den drei Stars zuzuschauen, wie sie sich in der mit viel CGI ausstaffierten Märchenwelt austoben.
Doch sollen auch die anderen Darsteller nicht vergessen werden. Christopher Plummer macht als Dr. Parnassus eine herrlich abgetakelte Figur. Das englische Topmodel Lily Cole bietet neben den vier Beaus auch etwas fürs männliche Auge, und Sänger Tom Waits verkörpert den Teufel als selbstironischen, launischen Gambler. Zuletzt gibt's schliesslich ein Wiedersehen mit "Mini Me" aus Austin Powers: Goldmember, dem kleinwüchsigen Verne Troyer als Parnassus‘ sarkastischer Weggefährte Percy.
Inmitten dieser Riege an exzellenten Mimen zeigt sich erfreulicherweise auch Terry Gilliam nach den eher durchzogenen The Brothers Grimm und Tideland wieder auf der Höhe seiner Fähigkeiten. In den Fantasiesequenzen kann er alle Register seiner überbordenden und vielseitigen Kreativität ziehen, für die er bekannt ist und geliebt wird. Da kann auch einer etwas holprigen Story grosszügig nachgesehen werden. Stellenweise fühlt man sich bei den Animationen übrigens ein ganz klein wenig an seine verrückte Animationen aus Monty Python's Flying Circus erinnert. So schliesst Gilliam gewissermassen einen Kreis - und beschert gleichzeitig Heath Ledger einen würdigen Abschied von der Filmbühne.
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4.4 Sterne (80 Bewertungen) | 13 Kommentare



