L'illusionniste (2009)

L'illusionniste (2009)

Oder: Tatis letzter Zaubertrick

The Illusionist

Grosse Bühne, wenig Leute ...

Mitte der Fünfziger Jahre hat der Zauberer Tatischeff die besten Zeiten längst hinter sich. Seine unspektakulären Tricks führt er nunmehr in verrauchten, schlechtbesetzten Varieté-Clubs vor. Eigentlich hält ihn nichts mehr in Paris - deshalb packt er auch bald seinen Koffer und reisst nach Grossbritannien. Vorerst ist ihm dort ebenfalls kein Glück beschieden. In London kauft ihm etwa die vor ihm programmierte Rockband den Schneid ab.

The Illusionist

... weil vorher die Rock'n'Roller gewütet haben.

Tatischeff zieht weiter in ein schottisches Fischerdorf. Dort wird er schnell zur lokalen Attraktion und lernt die schüchterne Alice kennen, welche in seinem Hotel arbeitet. Die beiden mögen sich von Anfang an auf eine Vater-Tochter-Weise, und als Tatischeff nach Edinburgh weiterzieht, geht Alice mit. Dort wohnen die beiden in einem schäbigen Hotelzimmer.

Nun muss der Magier gleich zwei Personen mit seinem Lohn durchbringen. Alice sehnt sich zudem nach neuen Kleidern - Tatischeff kauft sie ihr, doch lässt die Geschenke immerzu erscheinen, so dass das Mädchen im Glauben bleibt, er könne wirklich zaubern. Er hingegen muss einen Nachtjob in einer Garage annehmen, um überhaupt über die Runden zu kommen.


Kinofilm-Rating

Jacques Tati war trotz seines überblickbaren Oeuvres einer der bekanntesten französischen Regisseure überhaupt. Mit der Figur des tollpatschigen Monsieur Hulot wurde er weltberühmt und gewann zudem 1959 für Mon Oncle den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

28 Jahre nach seinem Tod wurde nun mit The Illusionist ein Drehbuch des Meisters verfilmt, welches lange Zeit im "Centre National de la Cinématographie" unter "Film Tati No. 4" abgelegt war. Sylvain Chomet fand es und nahm die Herausforderung an, mittels eines Animationsfilms die Magie der Tati-Filme nochmals aufleben zu lassen.

Und Tati, der in Wirklichkeit Tatischeff hiess, hätte an der fantastischen Illustration seines Skripts bestimmt seine Freude gehabt. Jede Einstellung dieses Films ist ein einziger Augenschmaus. Mit matten und doch wirksamen Farben wurde diese kuriose sowie auch mit leiser Tragik erfüllte Varietéwelt ausgemalt. Ausstattungsdinge wie Autos oder Züge sehen wir indes als 3D-Objekte. Die Vermischung gelingt perfekt, genauso wie die Nachahmung von Tati selber. Seine Bewegungen wurden aus seinen Filmen übernommen und erlauben es, ihn sofort wiederzuerkennen.

Wie auch die Hulot-Filme kommt The Illusionist praktisch ohne Dialog aus. Trotzdem ist die Handlung zu jeder Zeit nachvollziehbar. Bei den Slapstick-Einlagen wie etwa der wunderbaren "Auto-Wasch-Szene" wäre sowieso jedes Wort fehl am Platz. Dem Film fehlt es jedoch nicht an ernsten Untertönen: Der Clown, der sich erhängen will, oder der Bauchredner, der wegen seiner Erfolglosigkeit zum Säufer wird, sind nur zwei Beispiele vieler gescheiterter Künstlerexistenzen dieser Zeit. Und auch der Schluss kann als traurig ausgelegt werden. Im Leben treffen sich Wege und trennen sich Wege - das ist nur eine Botschaft dieses nicht weniger als brillanten Films, der Jacques Tati nochmals würdig aufleben lässt.

5.1 Sterne
5.1 Sterne (20 Bewertungen) | 3 Kommentare

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19.02.2010 / uas