I love you Phillip Morris (2009)

I love you Phillip Morris (2009)

Oder: Fuckin' Texas!

I love you Phillip Morris

A kiss is just a kiss...

Ex-Polizist Steven Russell (Jim Carrey) ist verheiratet, hat eine kleine Tochter und nebenbei wechselnde Liebhaber. Nach einem Autounfall, bei dem er nur knapp dem Tod entkommt, beschliesst er, ab sofort nur noch das zu machen, was er will und auch endlich offen zu seiner Homosexualität zu stehen. Er verlässt Frau und Kind und frönt einem Lebensstil, den er sich als einfacher Arbeiter eigentlich gar nicht leisten kann, indem er Kreditkarten (und die dazugehörigen Identitätskarten) fälscht, und sich damit immer alles und immer sofort kauft.

I love you Phillip Morris

Mein Sonnenschirmli gehört nur dir!

Irgendwann wird er wegen dieser Betrügereien verhaftet und landet im Gefängnis, wo ihm eines Tages der schüchterne Phillip Morris (Ewan McGregor) über den Weg läuft. Es ist bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Doch dann werden sie erst in unterschiedliche Gefängnistrakte eingeteilt, und später wird Steven entlassen. Er verspricht Phillip, ihn ebenfalls bald dort rauszuholen und danach bis an seinem Lebensende mit ihm glücklich zusammenzusein. Aber dazu muss er sich erstmal als Phillips Anwalt ausgeben, und damit fängt die Hochstapelei wieder von vorne an.


Kinofilm-Rating

Drei grundlegende Vorbemerkungen müssen zu diesem Film gemacht werden:
Erstens: er erzählt eine wahre Geschichte und die Protagonisten heissen wirklich so; zweitens: es ist eine Komödie; drittens: Jim Carrey schneidet aber trotzdem keine Grimassen. Fast keine. Nicht wirkliche. Er bringt das Publikum jetzt schon mit dem kleinsten Augenzwinkern zum Lachen.

I Love You Phillip Morris war in Cannes 2009 (nach der Länge der Warteschlangen zu urteilen) wohl der am meisten erwartete Film ausserhalb des offiziellen Wettbewerbs. Glenn Ficarra und John Requa führten hier erstmals Regie. Weiss man, dass die beiden für das Drehbuch von Bad Santa verantwortlich waren, erwartet man auch nicht unbedingt, dass sie diese im Grunde sehr pathetische Liebesgeschichte als grosses, zu Tränen rührendes Drama umsetzen. Sie haben für den Film die Form der Komödie gewählt. Das passt sehr gut zu Stevens Lebenswandel, der als Hochstapler allerlei Leute veräppelt. I love you Phillip Morris ist ein durchaus witziger Film, und Jim Carrey spielt seine Rolle mit ganz offensichtlich viel Lust und Freude.

Die Stärken des Films liegen dann auch da, wo Carrey voll aufdrehen darf: bei den Bemühungen, sich und Phillip die Gefängnistage etwas luxuriöser zu gestalten, wenn er den Richter um den Finger wickelt, mit seinem Chef Golf spielt oder bei seinen diversen Ausbruchsversuchen. Das gefällt und hat Drive. Phillip ist das pure Gegenteil des sehr berechnenden Steven: Schüchtern und naiv, glaubt er stets an das Gute im Menschen und ganz besonders in Steven, der ihn jedoch vom ersten Treffen an belügt. Ob Lüge und Liebe zusammen passen oder nicht, davon erzählt dieser Film.

Was in I love you Phillip Morris jedoch irgendwie nicht passt, ist die Komik und teilweise krasse Übertreibung, mit der Steven und Phillip von den beiden Schauspielern dargestellt werden. Diese Schmachtblicke Ewan McGregors wirken einfach zu aufgesetzt und der Film ist meilenweit davon entfernt, die Gefühle zwischen den beiden Liebenden so eindrücklich zu transportieren, wie das Ang Lees Brokeback Mountain getan hat. Kussszenen werden nur im Gegenlicht gefilmt, und man hat irgendwie das Gefühl, dass Carrey und McGregor sich dann doch lieber nicht allzu nahe gekommen sind. Die Chemie stimmt nicht, würde man wohl im richtigen Leben sagen. Das erinnert irgendwie an Schultheater und wirkt teilweise, als würde man sich über die beiden Protagonisten lustig machen.

Es ist natürlich nicht zwingend, dass dieser Film als Drama besser funktioniert hätte. Aber etwas weniger Pathos und etwas mehr Mut auf Seiten der Darstellenden, sich aufeinander einzulassen, hätten diesem Streifen gut getan. Und weil das Stevens ganzes Tun von seiner grossen Liebe zu Phillip beeinflusst war, und genau diese Liebe im Film nicht überzeugend dargestellt ist, gibt es für eine an sich gelungene Komödie dennoch nur eine durchschnittliche Sternewertung.

3.4 Sterne
3.4 Sterne (16 Bewertungen) | 4 Kommentare

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22.05.2009 / ema