Humpday (2009)
Humpday (2009)
Oder: Können Kumpels kopulieren?
Ben (Mark Duplass) könnte nicht glücklicher sein mit seiner Anna (Alycia Delmore). Die beiden haben ein Häuschen, ein geregeltes Einkommen und "den Goalie vom Feld genommen und ab sofort nur noch Penaltyschiessen", wie Ben den akuten Kinderwunsch umschreibt. Bis eines Nachts (um zwei Uhr morgens, um genau zu sein) Andrew (Joshua Leonard) überraschend an der Türe klingelt. Der alte Unikumpel kommt gerade von einer wilden Weltreise zurück und sucht sich nun einen Ort zum Pennen. Ein guter Freund kann da gar nicht nein sagen, und richtet schnell das Gästezimmer ein.
Anna nimmt's easy und bereitet am nächsten Tag schon mal die Koteletts fürs gemeinsame Abendessen vor. Doch Andrew hat andere Pläne. Er reisst eine Frau auf, die mit ihrer Kommune ein "Thank God it's Friday"-Festli feiert. Auch Ben ist eingeladen, und in der feucht-fröhlichen Stimmung kommt zu später Stunde das Humpfest zur Sprache, ein lokaler Event rund ums Thema Amateurporno. Ben und Andrew beschliessen die Teilnahme. Schliesslich wäre Sex mit beiderseitigem Einverständnis zweier befreundeter Männer vor der Kamera "beyond art" und vor allem "beyond porn". Doch wie bringt man den geplanten Seitensprung seiner Freundin bei? Und will man im nüchternen Zustand am nächsten Sonntag im Hotelzimmer immer noch all dies tun, von dem man am Freitag davor vor Publikum geprahlt hat?
Kinofilm-Rating
Homoerotische Spannungen elektrisierten in letzter Zeit auch Mainstreamfilme aus Hollywood. Und zwar nicht nur am Brokeback Mountain. Nein, auch ganz und gare Heti-Komödien kratzten an der Grenze zwischen der Darstellung männlicher Zuneigung und reiner sexueller Lust. Vor allem Judd Apatow und seine Entourage tun plötzlich ziemlich unverkrampft, wenn es um Männerfreundschaften geht. Man erinnert sich vielleicht noch an den langen Blick, den sich Seth und Evan in Superbad vor dem Einschlafen zuwarfen. Oder das ziemlich forsche I Love you, Man zwischen Peter und Sidney im gleichnamigen Film.
Es muss dann aber schon eine Frau sein, die das heterosexuele Männerbild noch ein bisschen weiter erschüttert. Regisseurin Lynn Shelton tut dies im Gute-Laune-Film Humpday. Zwei durch und durch sympathische No Names (Duplass ist ein Kollege der Regisseurin und Leonard war in jungen Jahren Teil des Blair Witch Project-Trios) stellen sich dabei die Frage, ob Kumpels miteinander kopulieren können. Was heisst hier Frage stellen? In die Tat umsetzen ist ihre Devise - und das führt zu toll beobachteten Komplikationen. Shelton liess die beiden zu grössten Teil improvisieren, was den Dialogen überhaupt nicht schadet, und stellte ihnen mit Alycia Delmore, ein fesche Dame zur Seite, welche das simple Konzept "Freund bumst Freund" um die weibliche Perspektive erweitert.
Humpday ist ein Buddy Movie, wie man es noch selten gesehen hat. Gewagt bei der Themenwahl, ehrlich in der Ausführung und mit garantierten Diskussionsanstössen - sowohl für Männlein als auch Weiblein - nach der Sichtung. So machen Mumblecore-Filme Spass.
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3.3 Sterne (17 Bewertungen) | 1 Kommentar



