Horst Schlämmer - Isch kandidiere! (2009)
Horst Schlämmer - Isch kandidiere! (2009)
Oder: Quark mit künstlichen Zähnen
Seit Jahren stockt die Karriere des Reporters Horst Schlämmer (Hape Kerkeling). Er ist zwar inzwischen stellvertretender Chefredakteur beim lokalen Blättchen, aber ausser auf Kaninchenzüchter und Schützenköniginnen wird der gute Mann nicht angesetzt. Die wirklich wichtigen Sachen übernimmt der Chef selber, weil alle anderen ja eh keine Ahnung vom Ganzen haben. Zudem wird Schlämmer auch noch ein Praktikant namens Ulle (Simon Gosejohann) an die Seite gestellt. Und das nervt den grad nochmals.
Schlämmer hat genug. Er will mehr. Er ist schliesslich ein Tiger, und was die anderen nicht können, kann er schon lange. Schlämmer will verändern und Deutschland aus der Misere führen. Aus diesem Grund wird die HSP, die Horst Schlämmer Partei, gegründet, und seine Kumpels aus der Bar gehen auf Wählerfang. Schlämmer selber baggert die flotte Buchautorin Alexandra Kamp (Alexandra Kamp) an und labert sie voll, dass sie bald seine Kanzlergattin werden dürfte.
Die neu gegründete Partei wird bekannt gemacht, die wichtigsten politischen Gegner in Gespräche verwickelt, und sogar ein TV-Duell gegen Angela Merkel (Hape Kerkeling) organisiert. Und auch Rapper Bushido ist mit einem Wahlkampfsong mit von der Partie. Aber ist Deutschland schon parat für einen Kanzlerkandidaten Schlämmer? Oder für den Kanzlerhasen? Und hat sich der Mann mit Rückenschaden nicht ein bisschen überschätzt, wenn er denkt, dass sein Programm in aller Ernsthaftigkeit für den Umschwung im Land sorgen soll?
Kinofilm-Rating
Hape Kerkeling wird als einer der besten deutschen Komiker betitelt. Seine Karriere ist lang, erfolgreich, und durch seine vielen verschiedenen Rollen ist er im TV praktisch omnipräsent. Er hat ein erfolgreiches Buch geschrieben und mit Horst Schlämmer einen Charakter geschaffen, der durch die deutschen Privatsender getragen wird. Anfänglich als kleine Comedyfigur konzipiert, hat Schlämmer inzwischen auch schon eine Single rausgegeben, macht Werbung und ist jetzt mit seinem ersten grossen Kinofilm gestartet. Horst Schlämmer - Isch kandidiere heisst dieser langezogene Sketch, der versucht, auf den Spuren von Borat zu wandern, aber bereits in der ersten Kurve gnadenlos aus der Bahn fliegt.
Zugegeben, in kleinen Dosierungen ist der Mann mit den künstlichen Zähnen, dem Grunzen und dem Rückenleiden ("Weisse Bescheid") nicht übel. Dummerweise wird hier die Figur bis ins Peinliche ausgereizt, so dass die (altbekannten) Sprüche weder lustig noch unterhaltend daherkommen. Dazu kriegen wir eine Story vorgesetzt, die das Potenzial gehabt hätte, so richtig frech und zynisch zu sein, sich aber schlussendlich als brav und massentauglich herausstellt.
Als Darsteller hat sich Hape Kerkeling gleich mehrfach besetzt, und das ist auch okay so. Denn Horst Schlämmer - Isch kandidiere ist sein Film, und dabei darf er auch im Mittelpunkt stehen. Alexandra Kamp betreibt Overacting, allerdings ohne glatt zu wirken. Und von Simon Gosejohann darf man in seiner Rolle als Praktikant nicht viel mehr erwarten. Zu oberflächlich sind die Nebenfiguren, zu uninteressant schlussendlich die ganze Chose.
Fazit: Wahrscheinlich wird Horst Schlämmer - Isch kandidiere in Deutschland einen schönen Gewinn einfahren, Durch die Präsenz der Figur Horst Schlämmer in den Tageszeitungen und im Privatfernsehen wird man automatisch neugierig auf den Film. Dummerweise merkt man spätestens beim Abspann, dass das Ding absolut unbrauchbar und einfach nicht witzig ist. Und das, obwohl Hape Kerkeling eigentlich ein ganz Glatter ist. Einfach nicht als Herr Schlämmer.
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